Ungleiche Kontrahenten: Der Tablet-PC XPS 18 von Dell ist leicht zu transportieren und kommt im Akkubetrieb ganz ohne Kabel aus. Für Leistung ohne Kompromisse braucht es allerdings ein System wie den selbst konfigurierten Desktop-PC rechts. Foto: Kai-Uwe Heinrichp

Das Computer-Duell Schick gegen superschnell

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Der klassische Desktop-PC ist ein Auslaufmodell: Im Tagesspiegel-Test tritt ein Tablet-PC im XXL-Format gegen einen flüsterleisen Selbstbau-Rechner an.

Der klassische PC hat ausgedient. Zumindest für Privatnutzer wird das Angebot immer dünner. Das heißt nicht, dass nun nur noch Tablet-PCs und Notebooks verkauft würden. Vielmehr gibt es auch im PC-Bereich eine immer größere Auswahl verschiedener Systeme. Wir haben ein PC-Tablet im XXL-Format gegen einen flüsterleisen High-Speed-Computer im Desktop-Gehäuse gegeneinander antreten lassen.

XXL-TABLET-PC: DELL XPS 18

Das Konzept des All-in-one-PCs ist bestechend. Sämtliche Computertechnik wie Prozessor, Grafikkarte und Massenspeicher befindet auf kleinstem Raum direkt auf der Rückseite des Flachbildschirms. Ein zusätzlicher Kasten auf oder unterm Schreibtisch wird nicht benötigt, kein Kabelgewirr stört den Ästheten. Dell hat diese Idee mit dem XPS 18 auf die Spitze getrieben. Im Flachmann sitzt nun zusätzlich auch noch ein Akku hinter dem 18-Zoll-Display. Der Dell XPS 18 ist somit nicht nur ein weiterer All-in-One-Desktop-PC mit Windows 8, sondern ein 2,2 Kilogramm leichter Computer mit Tablet-Flair und berührungsempfindlichem Display, der mehrere Stunden ohne externe Stromversorgung auskommt. Tastatur und Maus passen zum schicken Design und sind per Bluetooth-Funk mit dem Computer verbunden, ein Wlan-Modul schließt den XPS an das Internet an. Nur für das Netzteil wird weiterhin ein Kabel benötigt. Der Ständer dient als Docking-Station für den Stromanschluss, im Akku-Modus kommt das Tablet ohne den schweren Fuß aus.

Den XPS gibt es in verschiedenen Konfigurationen. Wahlweise wird er mit einem Intel Dualcore Pentium (800 Euro), einem i3-Prozessor (850 Euro) oder i7-Prozessor (1130 Euro) betrieben, neben der 500-Gigabyte-Festplatte enthält der XPS 18 noch eine 32-Gigabyte-SSD, die unter anderem das Starten beschleunigt. Ein DVD-Laufwerk passte nicht mehr in das Gehäuse. Um Programme zu installieren oder DVDs abzuspielen, lässt sich ein externes Laufwerk an eines der beiden USB-3.0-Anschlüsse stecken. Der Bildschirm unterstützt die Full-HD-Auflösung, so dass sich der Computer auch gut zum Abspielen von Filmen oder Video-on-demand-Angeboten eignet.

Im Office-Einsatz – also zum Schreiben, Surfen, Mailen oder Bearbeiten von Fotos und Videos – taugt der XPS 18 als vollwertiger Ersatz für einen Desktop-PC. Filme aus Internet-Videotheken laufen in Full-HD ruckelfrei über den Bildschirm. Selbst bei hoher Beanspruchung ist der Lüfter kaum zu hören. Einfache Spiele wie Adventures, Wimmelbildspiele oder Browsergames und Unterhaltungsspiele wie das vorinstallierte Paket von Dell stellen den XPS vor keine Probleme. Doch wenn es um grafisch anspruchsvolle Actiontitel oder Simulationen geht, bricht die Leistung der integrierten Intel-Grafikkarte ein. Die Formel-1-Rennsimulation „F1“ lief im Test nur als reduziertes Fenster, bei anderen Spielen sinkt die Framerate auf Ruckeltempo. Beim Windows-Leistungsindex liegen der Prozessor mit 6,9 und der Arbeitsspeicher mit 7,4 von 9,9 möglichen Punkten noch gut im Rennen. Bei der Grafik kommt der Einbruch: 5,4 Punkte sind zu wenig. Desaströs auch der 3-D-Mark- Test 2013. Die Demo-Version von „Fire Strike“ ist eine einzige Ruckelpartie. Der XPS ist ein schicker All-in-one-PC, ein Allround-Talent ist er jedoch nicht.

PC AUF SPEED: RS-EDITION

Aber natürlich, es werden weniger PCs gekauft als früher und – ja doch – ein prall gefülltes Gehäuse ist im Vergleich mit den modischen Flachmännern ein Dino. Richtig ist auch: Wer nur ein paar Mails und die Tagesspiegel-App liest, seine Befindlichkeit postet oder liked, der sollte umblättern – und zwar jetzt! Wer aber leise Zweifel hat, dass ein kiloschwerer Bildschirm mit schwachbrüstiger Grafik die Zukunft sein soll, für den haben wir hier etwas.

Was wir als hübsch verpackte (Gehäuse Silverstone SST-GD08B) Alternative auf den Tisch stellen, dringt vor in unendliche Welten, die einem Tablett verschlossen bleiben: Dieser Rechner spielt die Musiksammlung, während im Hintergrund TV-Bilder flimmern, das Video-Programm den Film vom Wochenende zuschneidet und der Sohnemann sich auf dem Motorrad in die Kurve legt – ruckelfrei, hoch aufgelöst und gleichzeitig. Natürlich geht das, wenn der Rechner den Flachbildschirm im Wohnzimmer befeuert – oder die drei Bildschirme im Hobbyraum. Bis zu vier Displays – wer’s unbedingt braucht: auch einen zum Wischen – kann die neue Grafikkartengeneration der oberen Mittelklasse von Asus (GF GTX 760 im mini-Format) oder Gigabyte (GV-N760 OC-4GD – getunt) gleichzeitig bespielen.

Und noch etwas: mit den behäbigen Arbeitsplatz-Rechnern von früher hat der hier nichts gemeinsam. Auf Knopfdruck ist er arbeitsfähig, das machen SSDs möglich (hier die Samsung 840 Evo). Und wer mehrere Bildschirme anschließt, der sieht auch das viel gescholtene Windows 8 plötzlich in milderem Licht: auf dem linken Display blinken Kacheln, auf dem rechten der gute alte Desktop – da hat man alles im Blick, alles im Griff.

Womit wir auch bei dem wichtigsten Grund wären, warum PCs nicht aussterben werden: „Wenn ich Zeit hab’, setz’ ich mich an den Rechner, macht mehr Spaß“. Sagt mein Patenkind. Fiona muss es wissen, sie ist Digital Native. Natürlich hat sie auch ein Tablett. Und ein Notebook. Aber skypen, daddeln oder ein Referat – das macht sie am Rechner.

Was das kostet? Nicht mehr als der Dell. Und da sind wir auch noch großzügig. Denn Bildschirm, Maus und Tasten, DVD-Laufwerk oder Gehäuse haben wir doch alle noch zu Hause. Wer’s kann, rüstet auf: Grafikkarte, Prozessor und Hauptplatine gegen die neuste Generation austauschen – volle Power und das auch noch ressourceschonend. Und vom gesparten Geld kaufen wir eine Wasserkühlung (Set: Innovatek LC-Plus), die das System flüsterleise macht und eiskalt – was das Tunen für Extraleistung erlaubt.

Noch ein Wort zur Leistung? Das Demo-Spiel „Fire Strike“ läuft im 3-D-Mark einwandfrei, mehr als zehn Mal besser (5933 Punkte) als auf dem Großtablet, der Arbeitsspeicher (Kingston HyperX) ist schneller (Windows-Leistungsindex: 7,9) und der Prozessor (8,1), obwohl wir Sparfüchse nicht einmal die allerneuste Generation eingesetzt haben. Aber diese Zahlen sagen nur eins: Auf diesem Rechner läuft alles: mühelos, sofort, schnell – Ruckeln? Ein Fremdwort!

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