Die französische Autorin Sophie Divry, Jahrgang 1979. Foto: Tim Douet / Ullsteinp

Roman von Sophie Divry Opfer, Tod und Toaster

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Der Wirklichkeit trotzen: Sophie Divry mokiert sich in ihrem hochamüsanten Metaroman „Als der Teufel aus dem Badezimmer kam“ über das eigene Elend.

Noch zehn Tage bis Monatsende und nur noch 17,70 Euro auf dem Konto. Für Sophie, eine arbeitslose Journalistin und Schriftstellerin in Lyon, ist die Sache klar: Ausgehen bleibt tabu, stattdessen gibt es weiter „die ewigen Nudeln“. Ist der Hunger zu groß, sitzt die Enddreißigerin vor der Unibibliothek und vergleicht ihre aus Mülltonnen zusammengeklaubten Klamotten mit den Vintage-Oberteilen der perfekt gestylten Elitestudentinnen. Oder vertreibt sich daheim die Zeit mit „erotischen Tschätts“. Alternativ liegt die Ich-Erzählerin „voller Kummer und Jammer“ im Bett und übt sich in der guten alten „AndieDeckestarrung“. Weil Letzteres aber, soll es effektiv sein, eine Kunst für sich ist, liefert Sophie dem Leser gleich eine Anleitung mit, vom richtigen Abstand zur Decke („mindestens 2,50 Meter“) bis zum optimalen Verschmutzungsgrad derselben.

Man sieht: Keine Situation im Roman der französischen Autorin Sophie Divry, Jahrgang 1979, ist zu düster, keine Existenzkrise zu aussichtslos, als dass sie ihr Alter Ego nicht durch Witz und Ironie zum Tanzen bringen könnte. Eben das ist das Programm dieses Meta-Romans in Gestalt einer Prekariatsgeschichte: Mit den Mitteln der Fantasie und Sprachlust über die deprimierende Wirklichkeit zu triumphieren. Zum Beispiel über die Vorhaltungen der Mutter-Imago im Hinterkopf oder die mephistophelischen Einflüsterungen ihres „persönlichen Dämons“ Lorchus.

Die Übersetzung von Patricia Klobusiczky ist preiswürdig

Denn der wittert seine Chance, die Ich-Erzählerin endlich umzuerziehen, zur Diebin, Dealerin oder Hure etwa. Weil Sophie aber nichts davon will, verscherbelt sie über Ebay ihre letzten Erstausgaben und überflüssigen Haushaltsgeräte. Was weder Saftpresse noch Toaster witzig finden („Wie kannst du so grausam mich opfern? Warum mich morden, was hab ich getan? Mit welchem Recht, wer hat’s dir befohlen?“). Doch nicht nur die Dinge proben in diesem hochamüsanten Roman den Aufstand, für den Autoren wie Knut Hamsun, Miguel de Cervantes oder Raymond Federman Pate standen. Auch die Figuren mischen sich ein, wie ihr bester Freund Hector, ein arbeitsloser Musiker, der seine schöne Nachbarin Belinda rumkriegen will – natürlich nur, weil Sophies Buch sonst die verkaufsträchtigen Sexszenen fehlen würden. Selbst die Typografie gerät mehr und mehr in Bewegung, von Hectors Protest in Fettschrift bis zu Geschehnissen, die mit Mitteln der visuellen Poesie dargestellt werden.

„Als der Teufel aus dem Badezimmer kam“ ist der vierte Roman Sophie Divrys, doch der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Für die preiswürdige Übertragung zeichnet Patricia Klobusiczky verantwortlich: Man denke nur an die zahllosen Anspielungen und Zitate, gerade auch auf französische Klassiker, für die Entsprechungen gefunden werden mussten.

Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam. Roman. Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Ullstein, Berlin 2017. 274 Seiten, 21 €.

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