Der Moghulherrscher Jahangir (r. 1605-27) mit seiner Frau auf einem kaiserlichen Teppich, Indien, frühes 17. Jahrhundert. Foto: Museum für Islamische Kunst - Staatliche Museen zu Berlin / Ingrid Geske
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Kunst der Mogulzeit im Museum für Islamische Kunst Mit dem Teppich auf die Jagd

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Die Ausstellung „Behaglich. Teppiche in indischen Miniaturmalereien“ im Museum für Islamische Kunst zeigt die Bedeutung des Teppichs in der Mogulzeit

„Die Liebesnacht wird von einem Hahnenschrei beendet“, heißt das papierne Bild aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Dame liegt noch ermattet auf dem Diwan, während der Mann schon mit dem Bogen in den Himmel zielt. Das Ruhelager befindet sich offensichtlich auf einer Terrasse im Freien, durch einen Bogen erkennt man im Hintergrund einen hochgerollten Vorhang anstelle einer Tür. Die Bogen der Arkaden sind ebenfalls mit halb aufgerollten Vorhängen versehen, darüber thront der Hahn. Die Kleidung der Dame, das große Kopfkissen und die Diwanumfassung harmonieren miteinander, ein feines Blumenmuster ist zu erkennen. Diese kostbare Miniaturmalerei aus Nordindien ist typisch für dieses Genre, das die islamischen Mogulkaiser, die von 1526 bis 1858 herrschten, aus Persien mitgebracht hatten.

Zu sehen ist dieses Blatt in der Ausstellung „Behaglich. Teppiche in indischen Miniaturmalereien“ im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum. Der Begründer der Moguldynastie Babur stammte aus dem persisch geprägten Zentralasien und brachte Sitten und Gebräuche seiner Heimat mit an den Hof in Indien. Natürlich gehörten wie in seiner Heimat und überhaupt in der islamischen Welt Teppiche zur Einrichtung. Die fein geknüpften Seidenteppiche waren aber mehr als nur ein schmückender Bodenbelag, sie wurden überall hin mitgenommen, selbst auf die Jagd, dann aber stilecht im Camouflage-Look.

Möbel in unserem Sinne kannten die Mogulkaiser kaum an ihrem Hof. Teppiche und Textilien wurden dazu benutzt, Räume zu strukturieren und zu dekorieren. Ja, sie bildeten einen reizvollen Kontrast zu den meist roten Sandsteinwänden der indischen Paläste oder zum weißen Marmor, der auch gerne verwendet wurde. Mobile Architektur nennt das Kuratorin Martina Müller-Wiener. Teppiche dienten der Repräsentation, aber auch dem persönlichen Luxus. Die Ausstellung gliedert sich deshalb in zwei Räume. Im ersten steht die private Nutzung der Bodenkunst durch Angehörige des Hofes und der Eliten im Vordergrund, im zweiten Raum wird eher die repräsentative Nutzung durch die Mogulkaiser gezeigt.

Bildnis des Shodjah ad-Daula (r. 1753-75), Nawab von Oudh, mit seinen zehn Söhnen, Indien (Lucknow), um 1775. Die Darstellung weist deutlich europäische Einflüsse auf. Foto: Museum für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin, Ingrid Geske
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Die Malereien zeigen jedes Detail. Eingefasst sind sie durch eine meist mit Blumen geschmückte Bordüre, die denen der Teppiche ähnelt. „Streublumen sind sehr beliebt, wahrscheinlich durch die europäische ,Mille Fleur’-Technik beeinflusst“, sagt Müller-Wiener. Immer wieder sind große, runde Kissen als Rückenstütze, kleinere Kissen, Teppiche und Vorhänge zu sehen. Sie bestimmen im wesentlichen den Raum. Die Muster sind aufeinander abgestimmt. Das geht bis hin zur Kleidung, die vor allem im 18. Jahrhundert aus geblümten Stoffen geschneidert war, die sich dann auch auf den Teppichen wiederfand. Es existierten damals Designwerkstätten, die Teppiche, Kissen, Kleidung, Stoffe und sogar Miniaturmalereien wie aus einem Guss lieferten.

Im Laufe der Zeit werden europäische Einflüsse sichtbar, die Darstellung verändert sich deutlich. Dafür steht das ungewöhnliche Porträt von Fürst Nawab Schuja ad-Daula, der sich mit seiner Familie unter einem Torbogen mit Zentralperspektive malen ließ. Die Gesichter sind geradezu plastisch und nicht so schematisch wie sonst üblich gemalt. Die Familienmitglieder nehmen Posen ein, wie sie uns aus europäischer Malerei vertraut sind. Das deutet auf einen regen Kulturaustausch zwischen Indien und Europa hin, zumal der Sammler Louis Henri de Polier (1741-1795), von dem diese Blätter stammen, im 18. Jahrhundert in Diensten der niederländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) Indien bereist hatte.

Leider hat es nicht geklappt, echte Mogulteppiche aus der Sammlung des Museums nebenan im Teppichsaal auszustellen. Daher müssen drei Fragmente, die Friedrich Sarre für das Museum erworben hat, als Anschauungsmaterial für die hohe Qualität der feinen Seidenteppiche ausreichen.

Museum für Islamische Kunst, Pergamonmuseum, bis 16. Januar 2018

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