Auf der Bühne gibt er alles: John Maus Foto: Peter Carter / Upset the Rhythm
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John Maus im Festsaal Kreuzberg Junger Hüpfer

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Der Pop-Philosoph John Maus gibt im Festsaal Kreuzberg alles, doch die neue Live-Band passt nicht recht zu seinem artifiziellen Sound.

Der Begriff „Normcore“, mit dem das ewige Herumrennen in Alltagsklamotten zu einer Art Fashion-Statement umgedeutet wird, scheint passgenau auf jemanden wie John Maus zugeschnitten worden zu sein, der im ausverkauften Festsaal Kreuzberg seine neue Platte „Screen Memories“ präsentiert. In seinem Schlabberhemd steht er wahrscheinlich in genau dem Look auf der Bühne, mit dem er sonntagmorgens beim Bäcker seine Brötchen holt.

John Maus ist eben der etwas andere Popstar. Eigentlich arbeitet der in Minnesota lebende Sänger als Hochschuldozent für Philosophie, was dazu geführt hat, dass er nach seinem letzten Album, dem grandiosen „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“, ganze sechs Jahre gebraucht hat, um nun endlich nachzulegen.

Als er damals im Hebbel am Ufer auftrat, verlief sein Konzert etwas anders als dieses Mal im Festsaal. Im HAU trat er vor ein paar versprengten Zuschauern zu Playback auf, was keinen störte, da man einfach vom rauschhaften Maus-Sound mitgerissen wurde. Nun ist der singende Dozent mit dem eindrucksvollen Bass der Liebling der Hipster, spielt vor vollem Haus, und da scheint er es für angebracht gehalten zu haben, eine echte Band, bestehend aus Drummer, Bassist und Keyboarder, hinter sich zu versammeln.

Am Ende ist das Schlabberhemd durchgeschwitzt

Ehrlich gesagt: Ein John Maus, der zur Musik vom Band seine Show abzieht, kommt besser. Denn das herrlich Klinische und Artifizielle seiner trotzdem hochemotionalen und dramatischen Musik geht durch den menschlichen Faktor einfach verloren. Der Schlagzeuger zum Beispiel spielt hörbar wie ein Wesen aus Fleisch und Blut und nicht wie eine Maschine. Das klingt hier plötzlich nach Rock, obwohl die Kunst von John Maus doch gerade darin liegt, Elemente der Rockmusik zu dekonstruieren und sie in hochpathetischen, eher an den Pet Shop Boys orientierten, schwülstigen Pathos-Pop zu transformieren.

Wenigstens ist John Maus selbst ganz der Alte, einer, der auf der Bühne alles gibt. Im Grunde hat er dabei nur drei Performance-Variationen anzubieten: Er haut sich selbst mit den Händen auf den Kopf, er rudert mit den Armen, er hüpft unbeholfen herum. All das vollführt er so ausgiebig, dass sein Schlabberhemd am Ende völlig durchgeschwitzt ist. Die Zugabe gibt er in einem Schlabber-T-Shirt.

Donnerstagabend wurde im Festsaal übrigens zur „Professorennacht“ geladen. Dozenten der Berliner Universitäten durften zeigen, ob sie Qualitäten auf der Showbühne haben. Der Druck war hoch, der Dozent aus den USA hatte gut vorgelegt.

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