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Frau Hitze, die den Schlaf raubt

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Manche Frauen leiden sehr unter den Wechseljahren. Hormone können das lindern, sind aber in Verruf geraten. Und sie sind auch nicht immer nötig, denn es gibt Alternativen.

Es ist ein eher kühler Tag. »Mir ist ganz schön heiß«, sagt Silke Behrends* und pustet nach oben, um sich ein bisschen Kühlung an der Nasenspitze zu verschaffen. Sie sitzt beim Mittagessen und sieht sichtlich erhitzt aus. »Heute Nacht hat es mich auch mal wieder aus dem Tiefschlaf geholt und ich habe ganz schön lange in meiner Suppe gelegen, bis ich wieder einschlafen konnte. Tja, so ist das eben in den Wechseljahren.« Silke Behrends ist 48, seit drei Jahren kommt ihre Monatsblutung in immer unregelmäßigeren, längeren Abständen. Wie bei vielen Frauen wird diese Entwicklung bei ihr von Hitzewallungen begleitet, die Schlafstörungen verursachen. »Wallungen trifft es gut. Das geht wirklich durch den ganzen Körper«, sagt Behrends. »Es fühlt sich so ähnlich an, als würde man aus einem schlechten Traum aufwachen. Der Schweiß ist feinperlig, anders als beim Sport.« Zeitweise seien die Wallungen Tag und Nacht jede Stunde für fünf bis zehn Minuten aufgetreten. Doch das ist nicht das Einzige, was Silke Behrends stört: »Mein Körper hat seinen monatlichen Rhythmus verloren. Da habe ich nichts mehr, woran ich mich halten kann.«

Wie viele Eizellen eine Frau in ihren Eierstöcken hat, steht schon bei der Geburt fest. Wenn eine Frau 40 wird, sind nur noch so wenige Eizellen übrig, dass immer seltener welche heranreifen. Das nennt man Prämenopause. Es gibt Frauen, die ihre Menopause - die letzte Monatsblutung - schon mit Anfang 40 haben, aber das sind wenige. Die meisten sind eher Ende 40. Wenn Frauen die Pille nehmen, kann es allerdings sein, dass sie den Beginn der Wechseljahre zunächst nicht bemerken. Denn dadurch wird der Körper ausreichend mit Hormonen versorgt. Vor allem durch das Hormon Östrogen wird der monatliche Zyklus gesteuert.

Wie Wechseljahresbeschwerden entstehen, erklärt Regina Lutterbeck, Frauenärztin aus Berlin-Schöneberg: »Irgendwann kann das Eierstockgewebe keine Hormone mehr produzieren. Die Hypophyse, die die Hormonausschüttung vom Gehirn aus steuert, aber ist dumm und weiß das nicht. Sie schreit die Eierstöcke sozusagen an: Ihr müsst jetzt sofort Hormone produzieren.« Natürlich schreit sie nicht wirklich, sondern produziert das sogenannte »Follikel stimulierende Hormon (FSH)«. Eigentlich soll es dafür sorgen, dass ein Ei im Eierstock reift und dass Östrogene ausgeschüttet werden. Je weniger Östrogen die Eierstöcke produzieren, desto mehr FSH wird ausgeschüttet. »Das FSH verursacht die Symptome«, sagt Lutterbeck. »Wenn man nun ein Hormonpräparat gibt, hört die Hypophyse auf, zu schreien.«

Mehr noch als die Hitzewallungen war für Silke Behrends der Verlust des Monatsrythmus der Grund, ihre Frauenärztin um Hilfe zu bitten. Ein Hormonpräparat wollte sie aber auf keinen Fall nehmen. Sie ließ sich stattdessen ein pflanzliches Mittel verschreiben: einen Extrakt aus der Traubensilberkerze, der eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Östrogen hervorrufen kann. Ein Jahr lang hätte sie es nehmen sollen. Doch nach kurzer Zeit setzte sie es ab: »Das Mittel hat mich total zusammengehauen. Ich hatte plötzlich ganz schlimme Blutungen und fühlte mich furchtbar.« Ihre Ärztin hatte keine Einwände.

Auch der Gynäkologin Regina Lutterbeck - sie ist übrigens nicht die behandelnde Ärztin von Silke Behrends - ist diese Einstellung wichtig: »Die Frau definiert das Leiden, nicht der Arzt.« Im Fall von Wechseljahresbeschwerden sei die Anamnese ausschlaggebend für die Diagnose. »Dass der Schlaf massiv gestört ist, ist für viele Frauen der Grund, sich Hilfe zu holen. Es passiert oft, dass man dann Fehlleistungen produziert. In so einem Fall nehme ich das als behandelnde Ärztin sehr ernst.«

Regina Lutterbeck ist Frauenärztin in einer Gemeinschaftspraxis in Berlin Schöneberg. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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30 Prozent aller Frauen litten unter Wechseljahresbeschwerden: Außer Schlafstörungen kann es auch noch zu Stimmungsschwankungen kommen, zu Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Unruhe und sogar Depressionen. Die Konzentration und die Sexualität kann gestört werden. Dadurch kann auch die Scheide austrocknen. »Bei einigen Frauen ist die Lebensqualität signifikant eingeschränkt. Man muss zweifellos nicht alle Frauen behandeln. Aber obwohl die Wechseljahre etwas Normales sind, können sie auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein«, sagt Lutterbeck. Wenn die Patientin es möchte, verschreibt die Gynäkologin ein Hormonpräparat.

Das passiert heute aber längst nicht mehr so oft wie vor etwa 14 Jahren. Denn 2002 wurde eine groß angelegte Langzeitstudie zum Thema Hormonpräparate schlagzeilenträchtig abgebrochen, an der sich über 16 000 Frauen in den USA beteiligt hatten. Für die Studie der Women's Health Initiative (WHI) wurde eine Kombination von Östrogenen und Gestagenen getestet. Vor Ende der Studie kam heraus, dass von den Frauen, die das Hormonpräparat tatsächlich genommen hatten, mehr an Brustkrebs erkrankt waren als in der Vergleichsgruppe, die ein Scheinpräparat bekommen hatte. Und anders als erwartet hatte die Hormoneinnahme die Teilnehmerinnen nicht vor Herzinfarkten oder Arteriosklerose geschützt. Die Frauen bekamen zwar seltener Darmkrebs, aber häufiger gefährliche Blutgerinnsel und Schlaganfälle.

»Bis 2002 war Hormontherapie absolut Standard. Frauen wurden mit Hormonen bombardiert. Danach meinten alle zu wissen, dass Hormone etwas ganz Schädliches sind. Aber die pauschale Verurteilung der Hormontherapie war nie so richtig sachlich zu begründen«, sagt Regina Lutterbeck. »Die absoluten Zahlen sind nämlich sehr gering: Von 1000 Frauen, die keine Hormone nehmen, erkranken sechs im Lauf eines Jahres an Brustkrebs. Von 1000 Frauen, die Hormone nehmen, neun.« Damals sei hauptsächlich die viel spektakulärer klingende Zahl von einer 30-prozentigen Steigerung kursiert. »Östrogene können das Wachstum mancher Tumore anregen, aber sie verursachen keinen Krebs«, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. »Deshalb kann während einer Ersatzbehandlung ein bisher kleiner, unentdeckter Brustkrebs so wachsen, dass er entdeckt werden kann.«

Die Mehrzahl der Frauen, die an der amerikanischen Studie teilnahmen, war allerdings 60 bis 80 Jahre alt. Sie hatten erst lange nach ihrer letzten Monatsblutung begonnen, die Hormonpräparate zu nehmen, und litten meist nicht unter Wechseljahresbeschwerden. Dafür brachten sie Risikofaktoren für Herzkreislaufkrankheiten wie Übergewicht mit. Dabei weiß man heute - aus einer anderen Langzeitstudie in Dänemark - »Hormontherapie sollte so früh wie möglich beginnen. Wenn das der Fall ist, entstehen Komplikationen nicht häufiger als bei Frauen, die keine Hormone nehmen«, sagt Regina Lutterbeck. Bei der dänischen Studie minimierte sich durch die Hormoneinnahme zudem deutliche das Risiko, frühzeitig an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben.

Auch die Ärztin Lutterbeck selbst hat eine Hormontherapie hinter sich: »Als ich in die Wechseljahre kam, war das eine außerordentlich dramatische Zeit, in der ich mich sehr krank gefühlt habe«, sagt die heute 65-Jährige. »Ich war nicht mehr arbeitsfähig, unkonzentriert, nicht mehr zu einem normalen Leben fähig. Ich hatte Herzrasen und Schlafstörungen. Als ich begann, das Hormonpräparat zu nehmen, war das eine absolute Erlösung. Ich kann mich noch genau erinnern, wie es war, als ich zum ersten Mal wieder eine Nacht durchschlafen konnte.«

Die verschiedenen Hormonpräparate unterscheiden sich durch unterschiedliche Konzentration der Hormone. Sie enthalten anders als die Pille natürliches Östrogen. Meistens werden sie in Form eines Pflasters oder Gel, das auf die Haut aufgetragen wird, verabreicht. »Anders als bei einer Tablette muss das Hormon bei einem Gel oder Pflaster nicht über die Leber verstoffwechselt werden. Das hat Vorteile«, sagt Lutterbeck.

Wie lange die Wechseljahre dauern und wie lange man die Hormone nehmen muss - wenn man es denn tut -, kann man nicht konkret sagen. »Die Symptome flauen mit der Zeit ab«, sagt Regina Lutterbeck. »Ich empfehle, wenn man Hormone nimmt, das mehrere Jahre zu tun. Und sich dann langsam auszuschleichen.

Beratungsadressen
Frauengesundheitsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/

Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin e.V., Tel. 030 213 95 97, (Mo, Di, Do, Fr 10-12 Uhr Do 16-18 Uhr), ffgz.de/themen/wechseljahre_FRAME.htm

Berufsverband der Frauenärzte e.V. und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., frauenaerzte-im-netz.de/de_wechseljahre_49.html

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