Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen Foto: RWTHp

Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen „Der Bund muss in die Grundfinanzierung von Lehre und Forschung einsteigen"

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Hochschulen leiden unter chronischem Geldmangel. Wie sich das auswirkt und was die Bildungsstätten dabei vom Bund erwarten, darüber sprachen wir mit dem Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg.

Herr Schmachtenberg, wie wirkt sich die mangelnde Grundfinanzierung an Ihrer Hochschule aus?

Die Grundfinanzierung ist gerade im Vergleich mit den außeruniversitären Instituten gesunken. Sich international zu profilieren und unsere Leistung zu steigern, war nur mit Hilfe der Exzellenzinitiative möglich und durch verstärkte Forschungsanstrengungen. Doch ebenso wie das Geld aus dem Hochschulpakt, das uns jetzt beim doppelten Abiturjahrgang hilft, sind das alles zeitlich begrenzte Projektmittel. Deshalb können wir viele Professoren nur auf Zeit einstellen.

Gilt das auch für den Hochschulbau? Wie sieht es bei Ihnen auf dem Campus aus?
Nicht so, wie man es von einer Exzellenzuniversität erwarten würde. An der RWTH haben wir einen Sanierungsbedarf von 1,5 Milliarden Euro. Über das Sanierungsprogramm des Landes haben wir jetzt immerhin 210 Millionen Euro für fünf Jahre bekommen.

Welchen Beitrag des Bundes erwarten Sie, um diese Probleme zu lösen?
Der Bund weiß genau, wie wichtig die Forschung für die Volkswirtschaft ist. Doch davon profitieren nur die Außeruniversitären, nicht die Hochschulen. Unsere Finanzierung muss endlich als gleichrangige Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe anerkannt werden. Der Bund muss in die Grundfinanzierung von Lehre und Forschung einsteigen und weiterhin den Hochschulbau fördern.

Der Wissenschaftsrat hat empfohlen, die Exzellenzinitiative nicht fortzusetzen und die Milliardenförderung künftig über die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu vergeben. Was halten Sie davon?
Der Exzellenzwettbewerb hat weltweit große Beachtung gefunden, er wird von vielen Staaten kopiert. Warum hören wir dann damit auf?

Glauben Sie, dass NRW ab 2017 die Förderung für das Zukunftskonzept der RWTH in zweistelliger Millionenhöhe übernimmt?
Ich gehe davon aus, dass das Land einspringt, ansonsten stünde die Exzellenz der RWTH zur Disposition.

Was sollte der Bund tun, um dem wissenschaftlichen Nachwuchs zu helfen?
Die 250 hoch bezahlten Merian-Professuren, die der Wissenschaftsrat vorgeschlagen hat, sind nicht die Lösung. Der Bund wäre besser beraten, die von der Hochschulrektorenkonferenz zusätzlichen 3000 Professuren zu schaffen. Wer in die Wissenschaft investiert, ist an den Weltmärkten erfolgreich.

Ernst Schmachtenberg (61) ist Rektor der RWTH Aachen und Professor für Kunststofftechnik. Das Gespräch führte Amory Burchard.

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