Rustikale Gemütlichkeit: das griechische Restaurant "Jevssis" in Steglitz. Foto: Jevssis / promo
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Von TISCH zu TISCH Jevssis

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Beim klassischen Griechen in Steglitz gibt's Platten für den großen Hunger. Besonders gut die Fischgerichte, besonders freundlich der Service

Die Faustregel heißt: Je geringer der Nachgeschmack von Knoblauch ist, desto besser die Gegend. Im Jevssis pflegt man einen dezenten Umgang mit der nachwirkenden Knolle. Wir fühlten uns wohl bei dem klassischen Nachbarschaftsgriechen. Wie es sich gehört, gibt es Backsteinwände, viele Flaschen an den Wänden, einen dörflichen Tresen und Papierservietten. Und wenn es warm ist, lädt die geräumige Terrasse zum Draußensitzen ein, nur ein paar Schritte von der Schlossstraße entfernt.

Stavros meets Jevssis

Uns lockten die Vorspeisenplatten, die eine, nach den Gaumenfreuden der Götter „Jevssis“ benannte mit kalten und warmen Spezialitäten, die andere nach dem Koch „Stavros“ benannt. Trotz der Vielfalt der einzeln annoncierten Vorspeisen gab es einige Überschneidungen. Nach griechischer Art zubereitete Salate von Rote Bete und Kartoffeln waren offensichtlich reichlich vorhanden, davon gab’s die jeweils größten Portionen. Ganz gut schmeckte das gebackene Gemüse, Zucchini und Auberginenscheiben. Für meinen Geschmack zu sparsam dosiert waren die Klassiker Skordalia, Tzatzki und Koponasti. Auch von dem ganz feinen, schaumartigen Taramo-Dip hätte ich noch mehr gemocht (11,90 Euro). Allerdings brachte der Kellner vom Tzatziki rasch noch ein kleines Schälchen herbei, was dann als halbe Portion zu Buche schlug. Wer diese Vorlieben teilt, entscheidet sich vielleicht besser für „Alifes“, einen Dreiklang aus Tzatziki, Tarama und Skordalia (4,90 Euro). Die „Stavros“-Platte hatte wie „Jevssis“ ebenfalls eine exzellente Gemüsebulette, offensichtlich eine Spezialität des Hauses, außerdem pikant zubereitete dicke Bohnen, Oliven, eine Spur eines leicht säuerlichen Kichererbsenpürees und ein gefülltes Weinblatt.

Schön getrennt

Der Hit an dieser Kollektion waren freilich die Fischgerichte. Zum einen gab es ganz zart marinierten Schwertfisch mit rotem Pfeffer, dann eine gehörige Portion eingelegte, sehr appetitlich und frisch wirkende Sardinen und schließlich einen Salat aus Babyoctopus und Garnelen. Alles ist optisch liebevoll aufbereitet, die Vorspeisen werden serviert auf schicken Tellern mit Extrafächern, so dass nichts zusammenläuft (13,90 Euro). Dazu gibt es zwei Sorten Brot, einmal Pita mit einem dichten Belag aus Schafskäse und Tomaten (3 Euro) und ein etwas sehr dickes Baguette mit Knoblauch und Tomate (2,50 Euro).
Noch entwicklungsfähig erschien mir der gebackene Schafskäse in einer mit Sesam bestreuten Blätterteighülle. Die Varianten mit Gemüse, die wir von anderswoher kennen, machen den Käse einfach etwas saftiger. Der war zwar cremig innen, aber wirkte durch die strenge Hülle trotzdem trocken (6,90 Euro). Und die Garnelen, die in einer tomatigen Knoblauchsauce angekündigt waren, fanden sich in heißem Öl mit vielen Kräutern drin und drei kleinen Cherry-Tomaten. Allerdings war die Qualität sehr gut (8,90 Euro).

Den Nachtisch wählt man von einer vorgedruckten Karte, meist ein Hinweis auf Industrieprodukte. Die Mousse von griechischem Kaffee mit einem Klacks Schokoladensauce war fest in der Konsistenz, mit Krokant-Streuseln bedeckt und wirkte, als sei er eher aus der Packung als vom Steglitzer Herd (5,90 Euro).

Freundlich serviert

Anstandslos hatte der Kellner zu Beginn den von uns monierten zimmerwarmen Sauvignon Blanc gegen eine wirklich kalte Flasche ausgetauscht (19,90 Euro). Fast besser war noch der überraschend samtige offene Rotwein (6,50 Euro). In Gegenden, die nicht mit Hipster-Restaurants überflutet sind, hat man, wie hier, gute Chancen auf einen aufmerksamen Service. Es gibt genug Personal, die Kellner sind freundlich, und sie haben alles im Blick.
Auch der Ouzo danach wird hier großzügig und mit viel Charme serviert.

- Estiatorion Jevssis. Lepsiusstr. 45, Steglitz, Tel. 79747669, Mo-Sa 16-24 Uhr, So und Feiertage 12-24 Uhr

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