Der Fundort. Der Fußweg zwischen Bahndamm und Zoo. Foto: dpa, Paul Zinken
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Tote im Tiergarten Obduktion bestätigt Mord - aber noch vieles ist im Dunkeln

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300 Meter Fußweg vom Schleusenkrug zum Bahnhof Zoo wurden Susanne S. zum Verhängnis. Für die Fahnder gibt es noch etliche offene Fragen.

Die Zettel hängen noch im Tiergarten. „Wo ist meine Frau Susanne?“, steht darauf, dazu ein Foto und die Bitte, sich an die Polizei zu wenden. Der Mann von Susanne F. hatte sie nach ihrem Verschwinden an Laternenmasten zwischen Bahnhof Zoo und dem Lokal Schleusenkrug aufgehängt. Nur wenige Touristen sind am Samstagvormittag hier im Nieselregen unterwegs. Sie interessieren sich nicht für die Aushänge.

Und es ist ohnehin zu spät, seit Freitagabend gibt es die bittere Gewissheit: Die 60 Jahre alte Frau wurde ermordet. Die Obduktion bestätigte dies am Sonnabend. Zu einem möglichen Motiv gibt es keine Angaben, die Kripo sucht Zeugen.

Die Leiche lag wenige Meter neben dem Verbindungsweg entlang der Bahntrasse. Ob die Polizei irgendeine Spur hat, verrät sie wie üblich nicht. Die promovierte Kunsthistorikerin hatte mit drei Freundinnen am Dienstag im Schleusenkrug gesessen, um 22.20 Uhr hatte sie sich verabschiedet. Auf den 300 Metern Fußweg zum Bahnhof Zoo muss Susanne F. überfallen worden sein.

Wieso schlugen die Leichen-Spürhunde nicht an?

In diesem Fall gibt es viele Fragen. Am Mittwoch hatte die Polizei diesen Weg mit Spürhunden abgelaufen. Wieso schlugen die Tiere nicht an? Passanten fanden die Leiche erst am Freitagmittag im Gebüsch. Haben die Müllhaufen und die vielen Fäkalien die als so klug geschilderten Tiere abgelenkt? Dass die Leiche hier erst nach der Suche abgelegt worden sein könnte, will die Polizei nicht ausschließen. Doch das dürfte eher ein hypothetisches Szenario sein.

Obdachlose campieren am Weg. Warum hörten sie nichts?

Und wieso hat niemand etwas gehört? Hat die Frau nicht geschrien? Oder kannte sie den Mörder? Entlang des Weges – aber von diesem aus nicht zu sehen – campieren mehr als ein Dutzend Obdachlose, ein weiteres Dutzend unterhalb der Bahnbrücke an der Hertzallee. Dort ist auch eine Wache der Bundespolizei, keine 50 Schritte entfernt.

Der Weg ist beleuchtet, berichtet einer der Kellner im Schleusenkrug, „aber es ist dennoch düster“. Die Frage, wie denn die Stimmung sei nach dieser schrecklichen Nachricht, blockt ein Kollege ab: „Sag lieber nichts mehr.“ Die wenigen Gäste können in der Zeitung lesen, dass F. hier zuletzt lebend gesehen wurde.

Vor einigen Jahren hatte der Bezirk Mitte den Wildwuchs auf 250 Metern gerodet, um der Vermüllung Herr zu werden und den Obdachlosen ihren Sichtschutz zu nehmen. Die letzten 50 Meter hin zur Hertzallee wurden vergessen, sie gehören ganz sicher zu den verwahrlosten Ecken der Stadt. Jeden Tag laufen tausende Berliner und Touristen hier entlang. Eine davon war Susanne F.

Die Mordkommission kennt die Parkwege im Tiergarten gut. Nahe des Lokals war 2004 der Obdachlose Klaus-Dieter Sch. getötet worden.

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