Duft der Heimat. Shisha-Raucher an der Sonnenallee. Foto: ZDF und Enrico Demurrayp

Reportage in Berlin-Neukölln Das ZDF durchstreift die Sonnenallee

Madlen Haarbach
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Die Sonnenallee ist eine ganz eigene Welt. Ein Recherche-Team des ZDF hat versucht sie zu ergründen.

1999 begleiteten Millionen Zuschauer das Leben von Michael Ehrenreich am kürzeren Ende der Sonnenallee, im Schatten der Berliner Mauer. Die wohl prominenteste geteilte Straße, der Leander Haußmann im gleichnamigen Film ein Denkmal setzte, ist mittlerweile allerdings eher als „Schara Al Arab“, als arabische Straße, bekannt. Die Filmemacher Enrico Demurray, Angelika Wörthmüller und Saara von Alten haben sich für die ZDF-Reihe „Mein Land, Dein Land“ an beiden Enden der Sonnenallee umgesehen und führen hinter die Fassaden.

Der nördliche Teil Neuköllns ist schon lange vom Arbeiter- zum Migrantenviertel geworden, der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund liegt teilweise bei bis zu 70 Prozent. Friseursalons reihen sich an Geschäfte mit orientalischen Backwaren und Schaufenster mit Hochzeitsgewändern, arabische Satzmelodien mischen sich mit dem Getöse der stark befahrenen Straße.

Kein Zutritt von außen

Nicht alle sehen die Entwicklungen positiv: Der deutsch-türkische Polizist Ahmed beklagt, dass viele Flüchtlinge hier zu Opfern würden. Kriminelle Großfamilien nützten die Not der Gestrandeten aus und rekrutierten Drogendealer in den Flüchtlingsunterkünften. Stadtführerin Johanna beschreibt ihre Ängste vor Übergriffen. Auch in einer Alt-Berliner Eckkneipe mit Stammtisch und Schlagerkaraoke wird die Entwicklung im Kiez kritisch distanziert beobachtet.

Auch die Filmemacher sind an Grenzen gestoßen: „Wir wurden während der Recherchephase sehr herzlich empfangen“, erzählt Saara von Alten. Nach stundenlangem Teetrinken hätten viele Menschen jedoch erklärt, nicht im Film auftauchen zu wollen. „So offen die Menschen uns anfangs begegneten, einen richtigen Schritt hinein in die Gesellschaft schafft man als Deutsche nur schwer“, beschreibt sie die Schwierigkeiten während der Dreharbeiten.

Daher zeigt der Film vor allem: Auch, wenn die Mauer die Straße nicht mehr teilt, leben die Bewohner der Sonnenallee in verschiedenen Welten, die sich oft nur in der Schlange beim Dönerimbiss kurz begegnen. Madlen Haarbach

Die Reportage „Mein Land, Dein Land: Die Berliner Sonnenallee“ wird am Samstag, 2. September, um 17.35 Uhr im ZDF gezeigt.

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