Unterkunft für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge: das Rathaus Friedenau. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Homo- und Transsexuelle in Berlin Heim kann Sicherheit queerer Flüchtlinge nicht gewährleisten

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Homo- und transsexuelle Flüchtlinge fühlen sich in stark belegten Unterkünften bedroht. Aus dem Rathaus Friedenau, in dem viele Familien leben, wurden sie nun wegverlegt – zur Sicherheit.

Die drei Flüchtlinge leben jetzt in Treptow. Die Adresse muss geheim bleiben. Zwei von ihnen sind homosexuell, das dritte Mitglied ist eine transsexuelle Frau. Das Gebäude, in dem sie jetzt leben, wird von der Schwulenberatung Berlin betrieben, es ist ein besonderes Heim. Dort leben nur queere Flüchtlinge, also homosexuelle oder transsexuelle Menschen. Sie werden besonders oft belästigt und angegriffen.

Bisher hatten sie für einige Zeit im Rathaus Friedenau gewohnt, einer Unterkunft für „besonders schutzbedürftige Menschen“. Doch die Leitung dort fürchtete, sie könne deren Sicherheit nicht mehr gewährleisten. Die drei Flüchtlinge selbst wollen nicht darüber sprechen. Doch Christoph Mann, der Heimleiter in Treptow, sagt: „Ich vermute stark, dass es Übergriffe gab, ansonsten wären die drei nicht bei uns.“

Jessica Mettlen, Heimleiterin im Rathaus Friedenau, hat sie selbst nach Treptow vermittelt, hat angerufen und um Aufnahme gebeten. Sie sagt nur: „Wir haben es für besser gehalten, sie dort unterzubringen.“ Ein Heim für besonders Schutzbedürftige, das besonders schutzbedürftige Menschen weiterschickt, weil es deren Schutz nicht gewähren kann, das hat eine besondere Qualität.

Mehr Sicherheitsleute sind notwendig

Das Rathaus Friedenau hält eigentlich 26 Notfallplätze für homosexuelle Menschen vor. Im Moment ist keiner dieser Plätze mehr belegt. Die beiden Männer und die Frau waren die Letzten, die gegangen sind; sie waren am längsten geblieben. Die anderen homosexuellen Flüchtlinge zogen schon nach eine Woche wieder aus. Warum, erklärt Jessica Mettlen, könne sie nicht sagen.

Das Thema Sicherheit kam auf, als im Februar 110 Flüchtlinge ins Rathaus verlegt wurden, wo zuvor nur sieben wohnten. Die Neuen waren zuvor in der ehemaligen Teske-Schule in Schöneberg untergebracht, hinzu kamen noch 64 allein reisende Frauen. Es sind also 174 Plätze belegt. Durch die Zuweisung so vieler Menschen habe sich der Alltag im Haus verändert, sagt Mettlen nur.

Marcel de Groot, Geschäftsführer der Schwulenberatung, kommentiert die Situation so: „Es ist nicht besonders schlau, alle verschiedenen schutzbedürftigen Gruppen zusammenzubringen. Nur weil sie alle diesen Status haben, bedeutet das nicht, dass sie sich alle lieb haben.“ Arabische Familienväter und homo- und transsexuelle Menschen unter einem Dach? Eine schwierige Mischung, auch wenn die queeren Flüchtlinge auf einem anderen Flur lebten.

„Um umfassenden Schutz zu gewährleisten, bräuchten wir mehr Sicherheitsleute“, sagt Jessica Mettlen. Derzeit seien lediglich 14 Security-Leute im Heim. „Und als wir hörten, dass Treptow noch freie Plätze hat, haben wir es für besser gehalten, die Flüchtlinge dorthin zu schicken.“

„Momentan ist das erforderliche Sicherheitspersonal vorhanden“

Nur: Freie Plätze hat Treptow streng genommen gar nicht. Dort sind zwar Räume für 122 homosexuelle Flüchtlinge vorgesehen, aber offiziell von den Behörden freigegeben sind derzeit nur 19. Wer dort aufgenommen wird, muss bereits in einer akuten Bedrohungssituation leben.

Die 174 Flüchtlinge waren auf Vermittlung des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) ins Rathaus Friedenau gekommen, das Lageso konnte kein Problem erkennen. „Familien mit Kindern haben – wie besonders Schutzbedürftige – ebenfalls einen besonderen Raumbedarf“, sagt Regina Kneiding, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. „Sie sind in Familienzimmern besser untergebracht als in Turnhallen oder ähnlichen Großunterkünften.“ Daher habe sich ein Umzug in das Rathaus Friedenau „für diese Gruppe angeboten“.

Und was die Frage der Sicherheit betrifft: „Momentan ist das erforderliche Sicherheitspersonal vorhanden.“ Wenn mehr homosexuelle Flüchtlinge kämen, werde der Wohnbereich dieser Menschen „mit dem entsprechenden Sicherheitspersonal aufgestockt“.

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