Gärtnern auf arabisch und deutsch: Tomate, Melisse und Chili. Foto: Judith Langowskip

Projekt "Inselgarten"Gemeinsam gärtnern in Schöneberg

von Judith Langowski0 Kommentare

Einige kommen aus Schöneberg, andere aus Syrien: Ein Garten bringt Alt- und Neuberliner zusammen. Dort wird gegärtnert, gegrillt und gegessen.

Nach dem letzten kräftigen Regen sind die Gemüse- und Kräuterpflanzen in den 16 Hochbeeten ein wenig lädiert, aber auch gut gewässert. „Der Garten ist explodiert“, ruft Joanna Matzenauer, die das Projekt „Inselgarten“ für Geflüchtete und Kiezbewohner auf der Roten Insel in Schöneberg leitet. Eine Handvoll Leute ist an diesem Tag zum Gärtnerworkshop erschienen. Der Garten ist Teil der Initiative „Über den Tellerrand“, die sich durch Kochkurse mit Geflüchteten einen Namen gemacht hat. Auf dem kleinen Platz hinter dem Bio-Supermarkt an der Julius-Leber-Brücke laufen die Teilnehmer mit Gärtner Burkhard Bohne von Beet zu Beet und begutachten, was in den nächsten Wochen gemacht werden muss.

Jeden Freitag ab 17 Uhr sind die Inselgärtner bei den Hochbeeten. Die thematischen Workshops mit Gärtner Bohne finden einmal im Monat statt. An den restlichen Freitagen wird gemeinsam umgesetzt, was mit Bohne besprochen wurde. Geflüchtete Familien und Menschen aus dem Kiez arbeiten zusammen. „Alle bringen ein, was sie wissen“, erzählt Joanna Matzenauer. Das bringt Gleichgewicht in die Gruppe. „Zwei Teilnehmer aus Syrien haben selber Landwirtschaft studiert und erzählen, wie sie das in Syrien gemacht haben.“ Es wird aber nicht nur gemeinsam gegärtnert, sondern auch danach gegrillt und gegessen.

Das Projekt „Inselgarten“ gibt es seit März 2016. Die Hochbeete wurden mithilfe einer Architektin der Technischen Universität und dem Team der Kreuzberger Prinzessinnengärten aufgebaut. Auch ein Bienenstock steht auf dem Gelände, zwei weitere stehen an den S-Bahn-Gleisen in Laufweite. Um die kümmern sich ebenfalls freiwillige Helfer unter der Anleitung von Imker Karsten Schischke. Gerade wurde zum zweiten Mal in diesem Jahr Honig geschleudert. „Auch da kann jeder mitmachen“, sagt Matzenauer.

Die Freitagstreffen im Inselgarten sind offen für alle, die sich gerne beim Gärtnern ausprobieren. Neugierige können jederzeit durch das Gelände zwischen Cheruskerstraße und Kolonnenstraße laufen und die Entwicklung der Pflanzen beobachten. Ganz vorsichtig kann man dann die Klappe des Bienenstocks öffnen und hinter einem Glas das rege Treiben der Bienen sehen. Judith Langowski

Roßbachstraße 6. Weitere Informationen: www.ueberdentellerrand.org, Workshoptermine auf der Facebookseite von „Über den Tellerrand Community Berlin“