Besonders einladend wirkt der Spreeradweg unter der Schlossbrücke. Foto: Jörn Hasselmannp

Spreeradweg von Charlottenburg nach SpandauKein Geld, kein Personal, keine Brücke

von Jörn Hasselmann31 Kommentare

1981 entwickelte Spandau den Plan für den Spreeradweg nach Charlottenburg. Er ist bis heute nicht ausgeschildert und in extrem schlechten Zustand.

„Noch mal 30 Jahre warten auf den Lückenschluss von Charlottenburg nach Spandau?“ – diese Frage zum Ausbau des Spreeradwegs stellte der Abgeordnete Daniel Buchholz (SPD) der Verkehrsverwaltung. Staatssekretär Jens-Holger Kirchner antwortete jetzt auf sechs Seiten. Er hätte es viel kürzer machen können, nämlich so: „Vermutlich ja“.

„Der Spreeradweg führt über 420 Kilometer von den Quellen der Spree in der Oberlausitz bis nach Berlin, wo die Spree in die Havel mündet“, heißt es im Internetlexikon Wikipedia. Für Touristen dürften die letzten Kilometer auf Berliner Stadtgebiet die schlechtesten sein. Von Erkner geht es überwiegend auf Straßen bis nach Mitte. Ab dem Charlottenburger Tor an der Straße des 17. Juni könnte der Rad- und Wanderweg direkt am Wasser verlaufen, weitgehend autofrei. Könnte.

Durch diese hohle Gasse muss er radeln. Hier die Passage unterhalb des Siemenstegs am Iburger Ufer. Foto: Jörn Hasselmannp

Der ADFC lässt den Radweg vorsichtshalber in Mitte enden, verzichtet auf das letzte Stück bis Spandau. Wer den Abschnitt kennt, versteht den ADFC: Keine Ausschilderung und überwiegend katastrophaler Zustand zwischen Schotter und Schlamm und eine Breite von teilweise einem Meter machen die Fahrt in Charlottenburg und Spandau zum Abenteuer. Zu finden ist der Weg ohnehin nur für Einheimische, teilweise müssen die Räder durch enge Gittertore geschoben werden. Auf den sechs Seiten hat der grüne Staatssekretär nun in seiner Antwort dokumentiert, was bislang alles nicht passiert ist und wieso. Da ist von „fehlenden personellen Kapazitäten in bezirklichen Straßen- und Grünflächenämtern“ die Rede, „Engpässen bei der Verkehrslenkung“ und „fehlender Bereitschaft von Baulastträgern“.
Denn der Spreeradweg hat einen Nachteil: die Spree. Von Spandau bis zur Schleuse Charlottenburg ist sie Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 17. Milliarden wurden verbaut in die Wasserstraße von Berlin zum Mittellandkanal, in Berlin wurde bislang nur diskutiert – was den Ausbau des Radwegs planungsrechtlich blockiert. Deshalb gibt es auch noch keine Ideen, wie die Brücke über die Spree nahe der Spandauer Zitadelle aussehen könnte (in der Grafik Nr. 10). So lange muss der Radfahrer auf die stark autobefahrene Charlottenburger Chaussee ausweichen. Fazit des grünen Staatssekretärs: „Auf Grund der geschilderten Problemlagen können derzeit keine gesicherten Aussagen zur Inbetriebnahme“ des Radwegs gemacht werden.

Die Passage an der Caprivibrücke sollte längst fertig sein. Ist sie aber nicht. Foto: Jörn Hasselmannp

Aber auch im Abschnitt vom Charlottenburger Tor bis zum Schlosspark merken Radfahrer, dass sie maximal geduldet sind. Nach Kirchners Angaben ist der Abschnitt bis zur Dovebrücke „fahrradtauglich ausgebaut“ im Jahr 2015, das schließt aber offenbar groben Schotter und Steinpflaster ein. Im Mai dieses Jahres sollte der Abschnitt Caprivibrücke bis Schlossbrücke fertig sein, so verheißt es ein Schild am Bauzaun quer über den Weg. Dem Vernehmen nach soll das kurze Stück frühestens Ende des Jahres fertig sein – wenig Asphalt, viel Kopfstein. In die Rampen wurden Rinnen eingelassen, hier kann Wasser ablaufen und der Radfahrer stürzen. Aber der Spreeradweg soll nur „eine Ergänzung für den langsamen und touristischen Radverkehr sein“ – und kein Radschnellweg für Pendler. Immerhin darf seit einigen Jahren im Schlosspark geradelt werden, die Stiftung hatte sich, wie berichtet, vehement dagegen gewehrt.

Da wo das Fahrrad steht, geht der Spreeradweg unter der Bahnbrücke weiter. Das muss man wissen, Schilder gibt es nicht. Foto: Jörn Hasselmannp

Nach Angaben des Bezirks Spandau gibt es die Idee Spreeradweg mit einer neuen Brücke seit 1981. Eine Initiative fordert dort im vergangenen Jahr mehr Einsatz. „Für eine Realisierung fehlten seitdem jedoch sowohl das Geld, als auch die Unterstützung der zuständigen Senatsverwaltungen“, teilte das Bezirksamt 2016 mit. Der Plan ist also schon 36 Jahre alt.

Schnellere Radler nach Spandau können den Fernradweg Berlin-Kopenhagen nutzen, der vom Weddinger Westhafen am Hohenzollernkanal in den Ortsteil Hakenfelde führt - vergleichsweise gut asphaltiert. Doch auch nach zehn Jahren hat es der Senat es nicht geschafft, eine etwa 100 Meter lange Lücke zu schließen. Radfahrer haben in Höhe des Football-Platzes zwei Möglichkeiten: Einen Kilometer Umweg fahren oder das Rad über ein Stück Strand tragen. Der Tagesspiegel hat diese Panne mehrfach kritisiert.

Und so geht es hinter der Schleuse weiter Richtung Spandau. Foto: Jörn Hasselmannp