Tatort Naugarder Straße? Hier wohnten die Vermisste und der Tatverdächtige zeitweise im selben Haus. Foto: Ann-Kathrin Hipp
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Mord in Berlin - Prenzlauer Berg Nach Fund in Tiefkühltruhe: Womöglich weitere Rentnerin getötet

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Der Mann, der im Tatverdacht steht, einen Rentner ermordet und zerstückelt zu haben, könnte eine weitere Seniorin getötet haben. Auch von ihrem Konto hob er jahrelang Geld ab.

Im Zusammenhang mit dem Mord an dem Rentner, der am 9. Januar 2017 tot in einer Tiefkühltruhe gefunden wurde, scheint es offenbar noch einen weiteren Mord gegeben haben. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten am Montagmittag mit, dass der 55-jährige Tatverdächtige auch Zugriff auf die Rentenzahlungen einer heute 92-jährigen Frau hatte, die nach derzeitigem Ermittlungsstand seit dem Jahr 2000 als verschwunden gilt. Eine Vermisstenanzeige hatte es laut Polizei damals aber nicht gegeben. Bei der Frau handelt es sich um Irma Kurowski. Sie wohnte bis zum Jahr 2002 in der Naugarder Straße 49 in Prenzlauer Berg, wo zu dieser Zeit auch der Tatverdächtige wohnte. Die Seniorin wurde im August 2002 von Amts wegen bei dieser Anschrift abgemeldet.

Erst am vergangenen Mittwoch war bekannt geworden, dass die Polizei am 9. Januar die zerstückelten Überreste eines heute 90-jährigen Mannes in einer Tiefkühltruhe in einer Wohnung in der Hosemannstraße gefunden hatte. Die beiden Wohnungen liegen nur etwa 250 Meter auseinander. Die Obduktion des Rentners hatte ergeben, dass er vermutlich bereits vor zehn Jahren ermordet worden war. Während der Ermittlungen stellten die Beamten außerdem fest, dass ein Unbekannter jahrelang Geld vom Konto des Toten abgehoben hatte - zuletzt im Januar.

Durch Videoaufnahmen einer Bankfiliale konnte die Polizei den Mann identifizieren und ihn einen Tag nach dem grausigen Fund, am 10. Januar, in der Nähe der Wohnung des Rentners festnehmen. Der 55-jährige Tatverdächtige führte persönliche Gegenstände des Opfers mit sich. Der Mann sitzt momentan in Untersuchungshaft und hatte bis Mitte letzter Woche kein Geständnis abgelegt.

"Sowas gab es hier noch nie"

In der Naugarder Straße hat die Kriminalpolizei inzwischen an alle Türen Bilder der Vermissten aufgehängt. Vor einem Bild bleibt eine ältere Frau stehen und liest. Sie wohnt bereits seit den 90er Jahren in der Straße. "Sowas gab es hier noch nie", sagt sie und schüttelt den Kopf. Sie kennt die Frau nicht, es sei aber generell eine Gegend, in der man die Nachbarn nicht kenne, sagt die Frau. Beamte klingeln trotzdem an allen Türen der Nachbarn und suchen nach Zeugen. Laut Pressestelle konnte die Polizei bis jetzt keine Verwandten von der Vermissten ausfindig machen.

Auch in der Bierstube, die direkt gegenüber liegt, kennen die Menschen die Vermisste nicht. Viele wohnen noch nicht lange genug im Kiez. Auch ihnen drückt die Polizei Flyer mit dem Bild der Vermissten in die Hand. Es wirkt etwas verzweifelt. Ein Mann, der zumindest das andere Opfer kennen will, bitten die Kriminalbeamte für eine Aussage mit aufs Revier zu kommen.

"Momentan keine Hinweise auf weitere Morde"

Ob der Tatverdächtige eventuell weitere Menschen umgebracht haben könnte, um sich an ihren Renten zu bereichern, wollte die Polizei am Montagmittag nicht ausschließen. "Im Moment gibt es dafür keine Hinweise, aber unsere Ermittlungen dauern an", so ein Sprecher der Polizei.

Irma Kurowski gilt seit 2000 als vermisst. Foto: Polizei
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Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass Irma Kurowski einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und bitten die Bevölkerung deshalb um Hinweise. Wer Irma Kurowski gesehen hat oder Verwandte kennt, soll sich bei der 8. Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer 030/4664911888, per E-Mail an LKA118@polizei.berlin.de oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden. Bis jetzt konnte die Polizei keine Verwandten von der Vermissten ausfindig machen.

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