Große Ehre: 1993 wurde der Platz vor dem Funkhaus in Schöneberg nach Hans Rosenthal benannt Foto: RBB
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Moderator und Entertainer Auf den Spuren von Hans Rosenthal

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Er war eine westdeutsche Fernseh-Ikone: Eine Dokumentation des RBB begibt sich mit Hans Rosenthals Kindern auf eine Reise durch seine bewegte Vergangenheit.

Der Sprung ihres Vaters ist für Birgit Hofmann heute noch eine Last. „Ich bin die Tochter von Hans Rosenthal, daran erinnern sich die Leute als Erstes, wenn sie mich sehen“, sagt sie in der Dokumentation „Mein Vater Hans Rosenthal“, die am Samstag im RBB und heute vorab im Kino Babylon läuft.

Über 15 Jahre war das sein Ritual: Er streckt den Zeigefinger in die Luft, holt mit den Knien Schwung, springt mit beiden Beinen ab und ruft: „Das war spitze!“ Schaut man sich Rosenthals Sprung heute an, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. In diese bürgerlich-miefige, aber anständige alte Bundesrepublik. Keiner verkörperte sie so wie der Moderator Hans Rosenthal.

Die Titel seiner Sendungen lassen, zumindest bei einem Teil des deutschen Fernsehpublikums, noch heute Erinnerungen wach werden: „Allein gegen alle“, „Spaß muss sein“, „Ich weiß was“ und natürlich donnerstags, 19.30 Uhr im ZDF, „Dalli Dalli“.

Dass hinter der Fassade des Entertainers eine traurige Vergangenheit liegt, wussten nur wenige. Die Dokumentation „Mein Vater Hans Rosenthal“ will diese aufarbeiten und begibt sich auf eine filmische Spurensuche mit den beiden Rosenthal-Kindern Birgit Hofmann und Gert Rosenthal. Sie wurden dafür von den Berliner Filmemacherinnen Susanne Heim und Maico Riegelmann mehrere Wochen begleitet.

„Zwei Leben in Deutschland“

So fahren sie zu Beginn des Films in einen Wald an der deutsch-polnischen Grenze. Hier in der Niederlausitz besuchte Hans Rosenthal eine sogenannte Hachschara-Einrichtung, in der er sich 1940 für die Auslieferung nach Palästina vorbereiten wollte. Von dem Gebäude sind nur noch die Grundmauern erhalten. 30 Jahre sei der Vater jetzt tot, sagt Gert Rosenthal, es sei an der Zeit, zu schauen, welche Schritte er vor 1945 gemacht habe.

Zu Hause, erzählen die beiden, wurde über die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg fast nicht gesprochen. Wollte er die Kinder schützen? Hatte er gar Angst, über das Vergangene zu reden? Hans Rosenthal wird 1925 geboren und wächst in einem jüdischen Elternhaus auf.

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wird seine Familie Opfer ihrer Politik, dazu kommen persönliche Schicksalsschläge: Der Vater erliegt 1937 einem Nierenleiden, die Mutter stirbt vier Jahre später an Darmkrebs. Rosenthal und sein Bruder Gert müssen in ein Waisenhaus. Gert wird 1942 in das KZ Majdanek deportiert und ermordet. Hans Rosenthal muss da schon Zwangsarbeit leisten, unter anderem als Totengräber auf einem Friedhof.

Im März 1943 taucht er unter, versteckt sich in der Laubenkolonie Dreieinigkeit in Lichtenberg. Sein Überleben hat er drei Frauen zu verdanken, die ihn bis zum Ende des Krieges schützen. Heute stehen statt Lauben dort Plattenbauten, eine Gedenktafel erinnert an die drei Helferinnen. Birgit Hofmann sagt: „Wir kennen ihn ja nur als erwachsenen Mann. Es tut gut, die Verbindung in die Vergangenheit zu sehen.“

Hans Rosenthal hat erst spät in der Bundesrepublik über seine jüdische Vergangenheit gesprochen. In seiner Autobiografie „Zwei Leben in Deutschland“ aus dem Jahre 1980 bekennt er sich, ein „Berliner Jude“ zu sein. Er wolle mit seinen Unterhaltungsshows versuchen, den Antisemitismus in Deutschland abzubauen, sagte er einmal. In jeder Sendung, mit jedem Sprung.


„Mein Vater Hans Rosenthal“ läuft am Sonnabend, 17.25 Uhr, im RBB.

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