Die nordkoreanische Flagge weht in Berlin-Mitte. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Korea-Konflikt Pjöngjang reicht bis Berlin-Mitte

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Lars von Törne hat Kim Jong Un und Konfuzius in Berlin besucht - und zwei sehr unterschiedliche Seiten Koreas kennengelernt.

Die Gäste der Jugendherberge nebenan schwanken zwischen Staunen und Spotten. Da stehen sie dann vor dem Schaukasten der Botschaft Nordkoreas in der Glinkastraße in Mitte und witzeln darüber, wie akkurat man jene Fotos gerahmt hat, auf denen das zu sehen ist, was große Teile der Welt derzeit in Schrecken versetzt.

Verehrung. So inszeniert die nordkoreanische Führung die angebliche Unterstützung der Bevölkerung für ihren Kurs. Foto: Lars von Törne
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Zehn Aufnahmen sind es, die mit kurzen Bildunterschriften versehen dem Flaneur vor Augen führen, wie Kim Jong Un sich die Welt wünscht und womit er ihr droht. Ein Bild zeigt lächelnde, Blumen schwenkende Nordkoreaner bei einer Militärparade, dazu der Text: „Die Teilnehmer der Massendemonstration jubeln Kim Jong Un begeistert zu.“ Auf einem anderen kündigt die aufgehende Sonne über einer Hauptstraße Pjöngjangs „die Morgendämmerung des Sieges des Sozialismus an“.

Raketen, Raketen, Raketen

Raketen, Raketen, Raketen. Foto: Lars von Törne
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Vor allem aber sieht man hier: Raketen, Raketen, Raketen. Mit denen beunruhigt Nordkorea ja gerade mal wieder den Rest der Welt, nicht zuletzt wegen der kaum weniger beunruhigenden Rhetorik Donald Trumps. Hier in Mitte sind die Raketen des Diktators vor allem ein Objekt des Stolzes. Zwei Fotos zeigen die beiden Testläufe einer „Hwasong 14“, die kerzengerade in den Himmel steigt – die erste nordkoreanische Rakete, die US-Festland erreichen könnte.

Vier weitere Bilder zeigen nicht genauer definierte Raketen, vielleicht auch jene, die kürzlich über Japan hinwegschoss. Absurde Protzgesten, über die man genauso lachen könnte wie über das infantile Erscheinungsbild des „verehrten Obersten Führers“ auf einem weiteren Foto – wenn es hier nicht um Leben und Tod ginge.

Oase des Friedens: Koreanischer Garten auf der IGA

Noch verrückter erscheint all dies, wenn man tags drauf bei einem Besuch der Internationalen Gartenausstellung in Marzahn im Koreanischen Garten landet. Der ist eine Oase des Friedens, wurde allerdings nicht von Nordkorea gestiftet, sondern von der Republik Korea im Süden der Halbinsel. Begrüßt wird man hier von zwei Beok Su, freundlich blickenden Steinfiguren, die Besucher Koreas traditionell an den Eingängen von Dörfern oder Tempeln empfangen.

Nebenan im Chinesischen Garten steht eine Statue von Konfuzius, dessen Philosophie ja auch das Leben in Korea lange prägte. In den Sockel ist ein Spruch eingraviert: „Was Du nicht willst, das man Dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Ein Motto, das man sich in diesen Tagen als Leitspruch der Akteure im Raketen-Wettrüsten wünscht.

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