In geschmeidiger Mission. In der Tegeler Haftanstalt dürfen Sicherungsverwahrte künftig Katzen halten. Das hat auch therapeutische Hintergründe. Foto: Brakemeier/dpa
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Haustiere für gefährliche Täter Jetzt kommen Katzen ins Gefängnis

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In der Justizvollzugsanstalt in Tegel dürfen Gefangene jetzt Haustiere halten. Das soll soziale Fähigkeiten bei Sicherungsverwahrten fördern, die wegen ihrer Gefährlichkeit in Haft bleiben müssen. Doch es gibt Katzenjammer.

Nun leben sie ganz legal hinter Gittern, die Kätzchen. Bislang lebten „Minka“ und später eine zweite Katze nur geduldet in Berlins größtem Gefängnis. Die Anstaltsleitung hat gleich mehrere neue Katzen beschafft, um den Gefangenen erstens eine Freude und zweitens sie zu besseren Menschen zu machen. Neues Heim der Katzen ist das neue Haus für die Sicherungsverwahrten, derzeit werden die Tiere in einem separaten Raum im Parterre an das Leben hinter Gittern eingewöhnt. Sicherungsverwahrte sind Täter, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit auch nach Verbüßung der Haft im Gefängnis bleiben müssen.

Doch wie eigentlich immer in Tegel gibt es Ärger, wenn die Justiz etwas Neues ausprobiert. Ein Sicherungsverwahrter protestierte schriftlich gegen die „Einpferchung“ der Tiere und dass „das Gebäude zum Stall umfunktioniert wird“. Die Antwort schrieb Anstaltsleiter Martin Riemer höchstselbst, sie liegt dem Tagesspiegel vor. „Die bisherigen Erfahrungen mit Tieren im Justizvollzug haben gezeigt, dass der Umgang mit Tieren grundsätzlich soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Geduld, Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen und den Aufbau von Verantwortungsbewusstsein fördert“, schreibt Riemer dem Sicherungsverwahrten Hans Herbert (Name geändert). Und gibt Herbert einen Tipp: „Wünschen Sie keinen direkten Kontakt zu den Tieren, passieren Sie diesen Bereich lediglich.“

Dass die Anstalt alle Insassen immer genauestens im Blick hat, auch das geht aus dem Schreiben an Herbert hervor:  „Sie konnten am 17.11.2014 um 13.45 Uhr von einem Bediensteten beobachtet werden, wie Sie selbst den Kontakt zu den Katzen suchten, indem Sie sie streichelten“, heißt es wörtlich in dem Schreiben von Anfang Dezember.

Dabei mag Herbert, der seit knapp 20 Jahren in Tegel lebt, eigentlich Katzen, wie er dem Tagesspiegel ausrichten ließ. Es sei nur ärgerlich, dass die Katzen ausgerechnet in dem Raum „eingewöhnt“ werden, in dem eigentlich der Einkauf ausgegeben werden soll. Dies geschehe nun „in Kälte und Nässe auf dem Hof“, kritisierte ein Gefangener. In Berlins größtem Knast sind derartige Beschwerden an der Tagesordnung. Vor einiger Zeit wurde den Langzeitgefangenen ein neuer Freizeitraum mit Tischtennisplatte spendiert. Ergebnis: Klagen über Lärm.

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Schon im alten Flügel für Sicherungsverwahrte lebten Katzen, sie wurden von Bediensteten und einigen Insassen gepflegt. Als der Tagesspiegel im Sommer darüber berichtete, verwies die Leitung der JVA noch auf „Tierarztkosten und mögliche Allergien“. „Kleintierhaltung ist weder generell erlaubt noch verboten“, so die Justiz im Juli. Die Architekten des neuen Hauses haben auf der Freifläche neben dem Sportplatz, wie berichtet, einen Platz für „Kleintierhaltung“ eingeplant. Nun kommt tatsächlich neues Leben in den Knast.

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