Runde Sache. Mit dem „International Paralympic Day“ wurde vorm Brandenburger Tor schon für die Spiele geworben. Foto: Thilo Rückeisp

Debatte um Paralympics in Berlin Kein Start vor Olympia

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Die Idee, dass Berlin Paralympische Spiele vor Olympia veranstaltet, kommt nicht bei allen gut an. Die Reihenfolge sollte nicht einfach vertauscht werden, betonen die Kritiker.

Es sah nach einem ersten Punktsieg aus, doch dieser Punkt wird Berlin nun wieder abgezogen. Berlin wollte seine Olympiabewerbung durch das Prädikat der Inklusiven Spiele aufwerten und hatte sich dafür etwas Besonderes ausgedacht: Erstmals sollten die Paralympischen vor den Olympischen Spielen stattfinden, als Wertschätzung für den Behindertensport. Der Vorschlag erregte viel Aufmerksamkeit. Doch daraus wird nichts. Das hat nun der oberste Vertreter des Paralympischen Sports erklärt.

Sir Philip Craven, der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), sagte der „FAZ“ auf die Frage, ob er die vertauschte Reihenfolge für eine gute Idee halte: „Nein, und ich glaube auch nicht, dass das vom IPC positiv aufgenommen würde – genauso wenig wie vom IOC. Wir haben eine klare Abmachung, dass die Paralympischen den Olympischen Spielen folgen, und das passt uns gut.“ Auch der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Friedhelm Julius Beucher, sagte auf Nachfrage: „Ich halte die bestehende Reihenfolge für nachhaltig.“ Darauf habe er die Berliner von Anfang an hingewiesen.

Offenbar ist Beuchers Anmerkung nicht angekommen oder gehört worden. Andreas Statzkowski, der im Senat für Sport zuständige Staatssekretär, verweist auf einen kommenden Workshop, in dem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit Berlin über strittige Fragen des Bewerbungskonzepts sprechen werde. „Dazu gehört wohl auch die Frage der Reihenfolge. Aber wir kennen die verschiedenen Punkte bisher nur aus den Medien“, sagte Statzkowski.

Gute Absichten

Beucher nimmt Berlin immerhin die guten Absichten ab. „Die von Berlin mit diesem Vorschlag angeregte Diskussion befeuert die Wertschätzung für die Paralympics.“ In der Sache hätten die Paralympics aber nichts von der vertauschten Reihenfolge. „Von der Begeisterung für die Olympischen Spiele profitieren anschließend auch die Paralympics, mehr als das umgekehrt der Fall wäre“, sagte Beucher. Und organisatorisch sei es leichter, erst die größere Veranstaltung durchzuführen und dann das kleinere Ereignis. Die Spiele von London griffen die Reihenfolge sogar mit Witz auf. Der für die Übertragung zuständige britische Fernsehkanal Channel 4 warb nach Olympia für die Paralympics mit dem Slogan: „Thanks for the warm-up.“

Die Paralympics sind eine der größten Sportveranstaltungen der Welt und beharren selbst auf Eigenständigkeit. Im Sport gibt es aber auch durchaus Stimmen, dass mit einer umgekehrten Reihenfolge Paralympia aufgewertet werden könnte und das Großereignis der Spiele gefühlt früher beginnen würde.

Schwierigkeiten mit der Umsetzung

In der nationalen Vorausscheidung hat Berlin bei der Inklusion nun Schwierigkeiten, weiter zu punkten. Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann will die Barrierefreiheit des Nahverkehrs bis 2018 und die Pläne für barrierefreie Sportanlagen verstärkt als Argument für Hamburg einbringen. Berlins Sport-Staatssekretär Statzkowski möchte sich dagegen die Stärken seiner Stadt beim inklusiven Sport nicht kleinreden lassen. Schon lange führe Berlin regelmäßig große Behindertensportveranstaltungen durch wie die Internationale Deutsche Meisterschaft der Schwimmer und die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten, also in den beiden paralympischen Kernsportarten. „Damit können wir uns bundesweit sehen lassen, und ich glaube nicht, dass eine andere Stadt hierbei so viel Erfahrung vorweisen kann“, sagte Statzkowski.

Der Ausbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks zum ersten inklusiven Sportpark Deutschlands sei ein „Leuchtturmprojekt“. Auf dem Gelände könnten auch mehrere Behindertensportverbände angesiedelt werden. Berlin veranstalte am 15. November zudem eine Fachkonferenz zur Inklusion im Sport und sammele dabei weitere Ideen. Das Thema Inklusive Spiele will Statzkowski auf jeden Fall beibehalten. Und der Sprecher des Berliner Behindertensportverbandes, Reinhard Tank, hält es für falsch, sich IOC und IPC zu beugen, „nach dem Motto: Das haben wir immer schon so gemacht. Man sollte auf jeden Fall diskutieren dürfen“.

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