Christiane Beck und Dorothea Kroll mit Patient Seydi und Mama Dilara sowie Senator Czaja und Stadtrat Bewig. Foto: p

Berlin-Spandau Wo es besonders wenig Kinderärzte gibt

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Die Bevölkerung wächst, doch die Zahl der Kinderärzte ist rückläufig: Was den Versorgungsgrad betrifft liegt Spandau unter den Berliner Bezirken an drittletzter Stelle. Ein Ortstermin.

Die kinderärztliche Versorgung in Spandau ist nur auf dem Papier ausreichend. 23 Mediziner sind in neun Praxen tätig, doch viele von ihnen arbeiten nur in Teilzeit. Damit kommt der Bezirk auf 17 Vollzeitstellen.

Damit liegt Spandau unter den Berliner Bezirken an zehnter Stelle, nur in Neukölln und Reinickendorf gibt es noch weniger Kinderärzte pro Einwohner. Mit der Abwanderung zweier Praxen nach Tegel und Lichterfelde hat sich die Situation „spürbar verschlechtert“, so der Sprecher der niedergelassenen Spandauer Kinder- und Jugendärzte, Herbert Grundhewer.

Drei Ortsteile ohne Kinderarzt

„Es gibt Regionen in Spandau, die nicht so versorgt sind, wie wir es uns wünschen würden“, sagt Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU). In Hakenfelde, Haselhorst und Siemensstadt gibt es überhaupt keine Kinderpraxen mehr, trotz des regen Zuzugs von einkommensschwachen Familien aus anderen Bezirken und der zunehmenden Unterbringung von Flüchtlingen in Spandau.

Vor diesem Hintergrund konnte jetzt der Wegfall einer weiteren Praxis verhindert werden. Seit 1993 behandeln Christiane Beck und Dorothea Kroll in der Moritzstraße am Rande der Altstadt kleine Patientin. Damals gab es noch keine Sperrbezirke für die Ansiedlung von Ärzten. Weil Christiane Beck eine Weiterbildung als Psychotherapeutin machte und dafür auch Erwachsene behandelte, wurde ihre Praxis seinerzeit als Hausarztsitz eingestuft, obwohl hier fast ausschließlich Kinder betreut werden.

Jetzt will die Medizinerin in den Ruhestand gehen und die Praxis einer Kinderärztin als Nachfolgerin übergeben. Doch angesichts der vermeintlichen Überversorgung in Berlin wäre eine Umwandlung in einer Kinderarztpraxis nicht möglich gewesen und der vakante Hausarztsitz eingezogen worden. Mehr als 1000 kleine Patienten aus Spandau hätten nicht mehr im Bezirk versorgt werden können, da die anderen Kinderärzte hier über keine Zusatzkapazitäten in dieser Größenordnung verfügen.

Zulassungsausschuss erlaubte Umwandlung

In ihrer Not wandte sich Christiane Beck an Stadtrat Bewig, der Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin kontaktete. Deren über die Nachbesetzung von Arztsitzen entscheidender Zulassungsausschuss hat nun festgestellt, dass die Voraussetzungen für einen Wechsel des Fachgebietes sowie auch der notwendige Versorgungsbedarf vorliegen und die Umwandlung in eine amtliche Kinderarztpraxis genehmigt.

Mit der Einführung der bezirklichen Versorgungssteuerung 2013 habe der Trend, dass Ärztinnen und Ärzte gern aus den Randbezirken in die Innenstadtbezirke gezogen sind, gestoppt werden können, betonte Senator Czaja, der die Praxis am Dienstag gemeinsam mit Stadtrat Bewig besuchte. Die nun doch geglückte Umwandlung der Spandauer Praxis zeige, dass der neue Weg einer gerechteren ärztlichen Versorgung zugunsten der Patienten funktioniere.

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