Anbaden. Seit 2015 gehen Schwimmer an der Museumsinsel ins Wasser – allerdings im Juli. Mit dem „Berliner Flussbad-Pokal“ soll für das Baden in der Spree geworben werden. Bis 2025 soll das Flussbad zu einer festen und dauerhaften Institution werden. Foto: Thilo Rückeis
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Berliner Flussbad 2025 soll in der Spree gebadet werden

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Fünf Fraktionen unterstützen das Baden in der Spree zwischen Fischerinsel und Bode-Museum. In acht Jahren soll es so weit sein.

Es kommt selten vor, dass Regierung und Opposition einer Meinung sind. Aber am Donnerstag wagten SPD, Linke und Grüne, CDU und FDP gemeinsam den Sprung ins kalte Wasser. Sie forderten den Senat auf, das etwas verrückte Projekt „Flussbad Berlin“ zu unterstützen. Damit Berliner und Touristen in einigen Jahren im Spreekanal zwischen Fischerinsel und Bode-Museum baden gehen können, ohne sich zu vergiften. Nur die AfD mäkelte ein bisschen herum und enthielt sich bei der Abstimmung der Stimme.

Die Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel sprach von „der Mammutaufgabe des Jahrhunderts“. Schließlich sei das letzte Berliner Flussbad 1925 geschlossen worden. Es sei doch eine schöne Vision, die alte Tradition hundert Jahre später wieder aufzunehmen. Die Abgeordnete freut sich schon darauf, mit ihren beiden Kindern kopfüber in die Spree zu springen. Ihr CDU-Kollege Gottfried Ludewig kann sich sogar vorstellen, dass schon 2022 angebadet wird. Mit dem Flussbad in der historischen Mitte Berlins könnten für die Menschen neue Freiräume entwickelt werden. „Ein Projekt, das der Stadt Attraktivität und Glanz verleiht“, so der FDP-Politiker Stefan Förster.

Probleme müssen noch gelöst werden

Auch der SPD-Umweltexperte Daniel Buchholz geriet in der ausgesprochen freundschaftlich geführten Parlamentsdebatte am Donnerstag ins Schwärmen. Es sei doch eine faszinierende Idee, ausgerechnet dort in die Spree zu steigen, „wo Berlin aus dem Kahn heraus entstanden ist“. Das Gebiet an der Fischer- und Museumsinsel wurde schon vor über tausend Jahren erstmals besiedelt und gehört zum Gründungskern Berlins.

Trotz aller Begeisterung im politischen Raum wird es nicht einfach sein, das Projekt umzusetzen. „Wir werden uns mächtig anstrengen müssen“, sagte die Linken-Abgeordnete Marion Platta voraus. Die Probleme werden im Parlamentsbeschluss, der am Donnerstag gefasst wurde, im Detail aufgezählt. Mehrere Bundes-, Landes- und Bezirksbehörden, die nicht alle Hurra schreien, müssen für eine beschwimmbare Spree ins Boot geholt werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass neue Planungen oder Bauvorhaben in dieser Stadtregion das Flussbad unmöglich machen. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse müssen geklärt und technische Möglichkeiten gefunden werden, das Kanalwasser nachhaltig zu reinigen. Zu den Bedenkenträgern gehören auch die Denkmalschützer, immerhin gehört die Museumsinsel zum Weltkulturerbe – dieser Status soll auf keinen Fall gefährdet werden.

Bereits vier Millionen Euro Fördermittel wurden bewilligt

Nicht zuletzt kostet das Flussbad Geld. In den vergangenen Jahren sind von Bund und Land bereits vier Millionen Euro als „Entwicklungsförderung“ zur Verfügung gestellt worden. Im Berliner Haushalt wird das bestehende Projektbüro mit 250 000 Euro ab 2019 unterstützt, um dessen Arbeit abzusichern. Darüber hinaus soll der Senat ein „Arbeitsgremium“ einrichten, um die hohen bürokratischen Hürden schrittweise beiseitezuräumen. Das Abgeordnetenhaus erwartet nun jedes halbe Jahr einen Fortschrittsbericht.

Bereits im Juni wurde in Mitte – mit Hilfe der „European School of Management und Technology“ – eine Ausstellung zum Flussbad eröffnet, um das originelle Vorhaben bekannter zu machen. Ein weiteres PR-Projekt ist der seit 2015 jährlich ausgetragene „Berliner Flussbad-Pokal“. Das Wettschwimmen musste in diesem Jahr wegen der starken Wasserverschmutzung nach sommerlichem Starkregen allerdings abgesagt werden.

Die Brüder Jan und Tim Edler, beide Architekten und Künstler, werben seit 1998 beharrlich für das Flussbad. Inzwischen hat der offenbar auch politisch gut vernetzte Verein über 300 Mitglieder.

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