Die Rummelsburger Bucht mit Blick auf Alt-Stralau. Foto: Kitty Kleist-Heinrichp

Berlin-Lichtenberg "Baden Verboten"-Schilder am Rummelsburger See aufgestellt

Robert Klages
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Der Rummelsburger See ist stark belastet. Jetzt wurden drei Badeverbots-Schilder aufgestellt. Umweltstadtrat Nünthel zweifelt aber an der Notwendigkeit der Schilder.

Am Rummelsburger See wurden drei Verbotsschilder aufgestellt: "Baden verboten." Der Boden des Sees ist voller Schadstoffe, am Ufer testet das Umweltamt mit einem Bagger gerade, wie man den giftigen Seeschlamm herausbekommen kann. Über 100 Jahre lang sind Industrieabwässer in den See geflossen. Dass hier niemand baden gehen sollte, sei eigentlich klar, sagen Bezirkspolitiker. Einige gaben zuletzt an, ihren Kindern den Kontakt mit dem Wasser zu untersagen. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und viele andere essen den Fisch aus dem See nicht. Das Umweltamt hat den Bau von Einstiegen ins Wasser untersagt. Und zuletzt hatte das Wasserstraßenamt vor dem "dauerhaften Aufenthalt" auf dem Wasser gewarnt.

Trotzdem springen auch in diesem Sommer wieder einige in den See, bei der Segelschule plantschen Kinder, am Ufer entstehen neue Wohnungen und mitten auf dem See hat ein Nobel-Fischrestaurant eröffnet. Nun hat der Umweltausschuss die Verbotsschilder beschlossen. Die Schilder stehen am 22-Stunden-Anleger und an zwei Stellen des Paul-und-Paula-Ufers. Gut fürs Geschäft mit Fischverzehr und Booten dürften sie ebenso wenig sein wie für die Vermietung der Neubau-Wohnungen. Die Lichtenberger Grünen hatten die Schilder gefordert, damit alle Nutzer des Sees und auch Touristen auf die gesundheitlichen Risiken hingewiesen werden.

"Eben auch eine Form der Transparenz"

"Es entspricht schon einmal einer angemessenen Fürsorgepflicht des Bezirkes gegenüber den Anwohnern und der Gäste an der Rummelsburger Bucht, wenn alle informiert sind und das Risiko einschätzen können", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Sebastian Füllgraff. "Das ist eben auch eine Form von Transparenz, wenn auch unangenehm, die wir schaffen müssen." Natürlich müsse nun die Ursachenbekämpfung weiter angegangen werden.

Der schlichte Hinweis "Baden verboten" ist den Grünen allerdings zu wenig. Die Schilder sollten eigentlich auch über den ökologischen Zustand des Sees informieren. Die nun aufgestellten Schilder seien nicht die, die im Bezirksamt beschlossen wurden. In dem Antrag heißt es ursprünglich, es sollen Schilder in "angemessener Zahl" errichtet werden, "die auf das Bade- und Angelverbot, die gesundheitlichen Risiken in und auf dem Wasser und Informationen zum ökologischen Zustand des Gewässers und der Seesedimente hinweisen." Auch sollten die Schilder eigentlich "noch vor der Badesaison auf den Weg gebracht" werden.

Lichtenbergs Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) zeigte sich trotzig, die Schilder überhaupt aufstellen lassen zu müssen. Schließlich gelte grundsätzlich für alle Gewässer ein Badeverbot. „Gebadet werden darf eigentlich nur dort, wo ein Schild das ausdrücklich erlaubt", so der Stadtrat. Er hält es zudem für übertrieben, den See so schlecht zu reden und meint, lediglich die Sedimente auf dem Boden des Sees seien "verunreinigt", nicht jedoch das Wasser. Bisher habe sich ja auch kein Bootsverleiher oder Angler beschwert.

Einer weiteren Erläuterung würden die Schilder nicht bedürfen. Für die Prüfung der Wasserqualität sei der Bezirk nicht zuständig, und demzufolge auch nicht für das Aufstellen von Schildern, die auf eine besondere Gefährdung hinweisen. Wenn das Wasser nicht geprüft wurde, bleibt nur die Frage, wie sich Nünthel so sicher sein kann, dass das Wasser "nicht verunreinigt" sei.

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