Frauke Petry im März 2017 bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saarland. Foto: imago/Becker&Bredelp

AfD-Chefin mit RückzugsgedankenFrauke Petry und ihr Kampf um Anerkennung

von Armin Lehmann54 Kommentare

Für die AfD hat Frauke Petry ihr Leben umgekrempelt. Kurz vor dem Ziel, dem Bundestag, schwindet ihre Kraft – und die der Partei. Nun spricht die Vorsitzende sogar über einen Rückzug. Ein Porträt als Blendle-Empfehlung.

Es ist nur ein kurzes Auflachen, aber es ist zu spüren, wie sie es getroffen hat. Frauke Petry spricht das Wort, das der politische Gegner bei einer Debatte im sächsischen Landtag benutzt hat, mit Verachtung in der Stimme aus. Ihr „Klippschulniveau“, habe der gesagt. Sie wiederholt es: „Klippschulniveau“.

An einem Frühjahrstag sitzt die Vorsitzende der sächsischen AfD und Sprecherin der Bundespartei in ihrem Büro in Dresden und redet über ihr „dickes Fell“, das sie sich zulegen musste, weil es der Konkurrenz nur darum gehe, sie und die AfD zu diskreditieren; ständig erlebe sie Angriffe unter der „persönlichen Gürtellinie“. Sie sagt: „Wenn Politiker anderer Parteien nicht in der Lage sind anzuerkennen, dass wir sinnvolle Vorschläge machen, wenn es nur um blinde Abgrenzung und Abwertung geht, macht mich das wütend. Das ist frustrierend.“

Bald in diesem Jahr soll ihr fünftes Kind zur Welt kommen, und sie will zudem ihre politische Laufbahn mit dem Einzug in den Bundestag krönen. Doch was vor Monaten noch wie selbstverständlich erschien, ist in Gefahr. Die Beliebtheit der AfD sinkt und sinkt in den Umfragen, zuletzt schaffte sie nur noch sieben Prozent. Der Druck auf Petry und ihre zerstrittene Partei wächst. Noch im April entscheidet ein Bundesparteitag, wer die AfD in diese Bundestagswahlen führen soll. Wie mächtig Frauke Petry künftig noch werden kann, hängt auch von diesem Votum ab.

In ihrem Büro hat sie nicht viel Zeit. Sie trägt Rock und Blazer und antwortet so lange entspannt auf Fragen, bis sie einen Angriff wittert. Dann verrutscht ihr das an sich mädchenhafte Gesicht, die Brauen ziehen sich hoch, der Mund legt sich schief, die Mimik: ein einziges Misstrauensvotum. Selbst die, die sie mögen, sprechen von „unglaublicher Vehemenz“, die sie ausstrahlen kann.

"Sie will ankommen"

Wer sich bei denen umhört, die die 41-Jährige begleitet oder privat erlebt haben, wer wissen will, was sie antreibt, trifft schweigsame, oft verletzte Personen. Die allermeisten, die reden, wollen ihren Namen nicht öffentlich genannt wissen. Einer dieser Weggefährten, der sie gut kennt, sagt: „Sie will ankommen als ein angesehenes Mitglied dieses Systems.“ Sie selbst sagt in ihrem Dresdner Arbeitszimmer: „Wir wollen das demokratische System nicht abschaffen, sondern verbessern.“ Man kann reinkommen in den Bundestag mit nationalen oder antiislamischen Parolen, aber kann man damit auch im Parlament reüssieren, wie Petry es gerne hätte?

Hart im Streben: Wie Frauke Petry mit Politik und Partei ringt und warum sie an Grenzen kommt, lesen Sie in unserem Porträt im Online-Kiosk Blendle.