In einer Schulklasse tippen Kinder auf ihren Laptops. Foto: Marc Tirl/dpa-Zentralbild/dpa
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Zum Schulgipfel im Kanzleramt Laptops für alle!

Es reicht nicht, nur die Lehrkräfte mit digitalen Dienstgeräten auszustatten. Der nächste Schulgipfel muss auch an die Schüler denken - an alle. Ein Kommentar

Zu spät? Diese Kritik des Bundeselternrats am Schulgipfel im Kanzleramt ist wohlfeil. Das Treffen auf Einladung von Angela Merkel, mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (beide CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und Länderministern und -ministerinnen verschiedener Couleur kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

Erst jetzt, nachdem die großen Ferien Land für Land zu Ende gehen, haben alle, die es sehen wollen, freie Sicht auf die digitalen Defizite. Beispiel IT-Ausstattung: In der Notsituation der Schulschließungen haben sich Kinder, Jugendliche und ihre Lehrkräfte mit den Geräten und den Lernmaterialen beholfen, die schon da waren. Mehr schlecht als recht, wie am Freitag erneut von Bildungsexperten kritisiert wurde.

Für einen geregelten Schulalltag mit Präsenzunterricht und der selbstverständlichen Einbindung von digitalem Lernen im Klassenzimmer und zu Hause aber fehlen einheitliche und sichere Systeme und Geräte.

Der Gipfel könnte Berlin helfen

Beispiel Berlin: Hier offenbarte eine Tagesspiegel-Recherche in dieser Woche, warum die Schulen noch immer keine Breitbandanschlüsse haben und deshalb die Klassenzimmer nicht mit Wlan versorgen können: Der Ausbau wurde noch nicht einmal in Auftrag gegeben. Dabei ist schnelles Internet eine Voraussetzung, um auch in den Schulen sinnvoll mit digitalen Geräten zu arbeiten.

[Berlin und der Breitbandausbau - die Recherche von Susanne Vieth-Entus finden Sie hier]

Es stimmt zwar: Kein Schulgipfel dieser Welt kann der Berliner Verwaltung bei dieser Planungskatastrophe helfen. Aber die Absichtserklärung nach dem Treffen am Donnerstagabend, jede Schule zügig an schnelles Internet anzuschließen, könnte Berlin und anderen Ländern bei der Finanzierung helfen.

Zudem sollen alle Schülerinnen und Schüler individuell einen schnellen Internetzugang bekommen, der maximal zehn Euro kostet. Auch diese Absicht geht in die richtige Richtung. Für den Plan, in einem gemeinsamen Kraftakt von Bund und Ländern alle Lehrkräfte mit Dienstlaptops auszustatten – 500 Millionen Euro soll das kosten –, gilt das nur eingeschränkt.

Inkompatibler Geräte-Mix für die Schüler

Denn was bringt es, wenn Lehrerinnen und Lehrer an einer Schule über neue und leistungsstarke Geräte verfügen, ihre Schüler aber weiterhin mit einem inkompatiblen Mix aus Smartphones, PCs, Laptops und Tablets hantieren?

Ministerin Karliczek und die Ländervertreter sahen sich bisher nur dazu finanziell in der Lage, bedürftige Kinder und Jugendliche auf Staatskosten auszustatten.

Genau hier könnten der Schulgipfel im Kanzleramt und zwingend folgende Treffen über Partei-, Länder- und Föderalismusgrenzen hinweg einen Durchbruch bringen: Endlich den Fehler des Digitalpakts zu korrigieren und allen Schülerinnen und Schülern Leihgeräte zu geben, die in den Schulen von IT-Fachkräften gewartet werden. Das muss drin sein.

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