Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance
© Hendrik Schmidt/dpa/picture alliance

Wissenschaftskrimi Alter der Himmelsscheibe von Nebra bestätigt

Die älteste konkrete astronomische Darstellung der Welt ist tatsächlich der Bronzezeit zuzurechnen. Wissenschaftler beziffern ihr Alter mit 3800 Jahren.

Große Erleichterung in Sachsen-Anhalt: Die Himmelsscheibe von Nebra, Weltkulturerbe und älteste konkrete astronomische Darstellung der Welt, ist tatsächlich der Bronzezeit zuzurechnen. Damit ist ihr Alter von 3800 Jahren wissenschaftlich gesichert. Zu diesem Ergebnis kommt eine 13-köpfige Forschergruppe, die ihre Untersuchungen in der von dem Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Fachzeitschrift „Archaeologia Austriaca“ nun veröffentlicht hat.

Damit widerlegen die Forscher einen in diesem Sommer veröffentlichten Aufsatz der deutschen Prähistoriker Rupert Gebhard und Rüdiger Krause, die in den „Archäologischen Informationen“ Nr. 43 nachweisen wollten, dass die Himmelsscheibe keineswegs aus einem Hortfund stamme und höchstens der Eisenzeit zuzurechnen sei. In diesem Fall wäre sie dann höchstens rund 2200 Jahre alt (vgl. Tagesspiegel vom 10.9.2020).

Bestätigung durch Nachgrabungen

Im Sommer 1999 hatten zwei Raubgräber auf dem Mittelberg bei Nebra den Hort gefunden, der die Himmelsscheibe, zwei Schwerter, zwei Beile, zwei Armspiralen und einen Meißel enthielt. 2002 wurde dieser Fund durch die Schweizer Polizei sichergestellt und in das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt gebracht, wo alle Objekte seither intensiv untersucht wurden.

Die neuesten Forschungen bestätigen den Hortfund, den die deutschen Prähistoriker bestritten hatten. Durch Nachgrabungen konnten die Angaben der Täter bestätigt werden, detaillierte chemische Untersuchungen des Füllmaterials der Raubgrube hätten den Fundort bewiesen.

Noch eindeutiger sei die hohe Konzentration an Kupfer und Gold in dem ungestörten Boden unter der Grube. Diese Konzentrationen seien auf die lange Lagerung solcher Gegenstände im Boden zurückzuführen, bestätigte Ernst Pernicka vom Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim

Die Bodenproben der Fundstelle stimmen nach Angaben des Landeskriminalamtes Brandenburg mit den Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe, einem Schwert und einem Beil überein. Auch die Spuren an einer weggeworfenen Wasserflasche der Täter sowie an ihrer Spitzhacke deuten in diesem Wissenschaftskrimi eindeutig auf die Fundstelle hin.

Aber die Gruppe wollte bei der neuen Untersuchung nichts dem Zufall überlassen. Sie untersuchten auch das Kupfer der Himmelsscheibe und das der Beifunde. Das Kupfer aller Funde stammt aus derselben Lagerstätte im Salzburger Land, was mit der Untersuchung von Spurenelementen und Bleiisotopenverhältnissen belegt werden konnte. 

Schwer wiegt dieser Befund, denn die Produktion dieses Kupfers begann in der frühen Bronzezeit im 18. Jahrhundert vor Christus und endete im 9. Jahrhundert vor Christus. „Das Kupfer jener Zeit war marktdominierend“, sagt Pernicka. Die Eisenzeit beginnt aber erst ein Jahrhundert später.

Fundort des Goldes identifiziert 

Auch der Fundort des Goldes ist identifiziert, es stammt aus dem Gebiet des Carnon River in Cornwall, wo man den Abbau im 17. und 16. Jahrhundert vor Christus kennt. Ganz nebenbei ist dies auch ein Beleg für die Handelsbeziehungen zwischen der britischen Insel und der Region um Nebra in der frühen Bronzezeit. Auch die Zinn- und Bleiisotopenverhältnisse aus dem Nebraer Hort korrelieren mit denen von anderen bekannten frühbronzezeitlichen Objekten.

Aber es sprechen auch andere Dinge gegen die Datierung in die Eisenzeit. Eine Schiffsdarstellung wie auf der Himmelsscheibe kannte man in der Eisenzeit nicht, wohl aber war sie in der Bronzezeit ein typisches Motiv. Die Forschergruppe ließ keine Gelegenheit aus, die Datierung auf die Bronzezeit wasserfest zu machen. 

Die Untersuchung der organischen Reste, die an einem der Schwerter hafteten, wiesen mit Hilfe der Radiokarbondatierung eindeutig in die Zeit um 1600 vor Christus, ebenso die der anderen Hortfunde. Damit steht für die Forschergruppe eindeutig fest, dass alle Funde aus einem Hort stammten. 

Gebrauchsspuren belegen, dass die Himmelsscheibe genutzt und auch umgearbeitet wurde. Gegen Ende der frühen Bronzezeit wurde sie dann in dem Hort mit den anderen Funden in den Boden gelegt, lange bevor die Eisenzeit begann. Es hat seit dem Fund der Himmelsscheibe über 150 Einzelpublikationen gegeben, eine neue  Monographie ist für das nächste Jahr geplant.

Umfangreiche Ausstellung in Halle

Diese Ergebnisse kommen nun gerade rechtzeitig, denn im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, wo die Himmelsscheibe dauerhaft ausgestellt ist, arbeitet man längst an der großen Landesausstellung „Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – neue Horizonte“, die vom 4. Juni 2021 bis zum 9. Januar 2022 gezeigt werden soll und den Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit beleuchtet. 

Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem British Museum erarbeitet und bezieht auch die anderen Satellitenorte wie das Ringheiligtum von Pömmelte, das Sonnenobservatorium Goseck, die Arche Nebra, das Salzlandmuseum Schönebeck und das Planetarium Halle mit ein. 

Die Kooperation mit dem British Museum unterstreicht die europäische Dimension der frühen Bronzezeit, gibt es doch beispielsweise eine auffällige Ähnlichkeit etwa zwischen Stonehenge und dem Ringheiligtum von Pömmelte.

Zur Startseite