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Die Gesellschaft soll an den Forschungsfragen der Wissenschaft stärker beteiligt werden. Dazu soll das Wissenschaftsjahr 2022 neue Formate bieten. Foto: imago images/IPON
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Wissenschaftsjahr 2022 Die Öffentlichkeit an Forschungsfragen beteiligen

Das Wissenschaftsjahr 2022 soll die Bürgerbeteiligung fördern. Ziel sei ein offener und kritischer Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

Im Wissenschaftsjahr 2022 soll die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Wissenschaft und Forschung im Mittelpunkt stehen. Wie Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) am Freitag erklärte, ist in diesem Jahr die gesamte Bevölkerung eingeladen, ihre Fragen an Wissenschaft und Forschung direkt einzubringen.

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Partizipation sei wichtig, das habe aktuell beispielsweise das Thema Impfung in der Pandemie gezeigt. Bezüglich der Impfstoffe seien in der Öffentlichkeit viele Ängste und Vorbehalte entstanden. "Das sind Diskussionen, die man führen und aushalten muss", sagte Stark-Watzinger. Um diesen Dialog zu fördern, soll im Wissenschaftsjahr die Zivilgesellschaft über Beteiligungsformate stärker einbezogen werden. "Wissenschaft betrifft die Gesellschaft insgesamt", so Stark-Watzinger. Daher sollten die Bürger:innen nun auch beteiligt werden

Ein Ideenlauf, an dem sich alle beteiligen können

Erstmalig werde dazu das Wissen aus der Breite der Bevölkerung abgefragt: "Diese Beziehung soll keine Einbahnstraße sein, sondern ein gegenseitiges Verständnis." Dazu werde ein "Ideenlauf" gestartet, an dem sich alle beteiligen können. "Die Bürgerinnen und Bürger sollen die Wissenschaft durch ihre Ideen und Fragen mit gestalten", sagte Stark-Watzinger. "Jeder ist Träger von Wissenschaft."

Ähnliche Formate gibt es bereits in den Niederlanden, Belgien und Irland. In dem "Mitmachjahr" werden die Fragen aus der Öffentlichkeit von einem aus rund 30 Bürger:innen bestehenden Citizen-Panel und einem Gremium aus der Wissenschaft bearbeitet. So soll in die Forschung getragen werden, was die Menschen aktuell beschäftigt. Ziel sei, die  Forschung stärker in den Dienst der Menschheit zu stellen. "Dazu brauchen wir die Gesellschaft als Ganzes." 

Verständnis für die Arbeit der Forschung schaffen

Durch den den Dialog in dem Themenjahr soll auch Vertrauen und Verständnis für die Arbeit der Forschung geschaffen werden, beispielsweise in welchen Zeithorizonten die Wissenschaft arbeitet, sagte DFG-Präsidentin Katja Becker. Wissenschaftler:innen müsse zudem der Rücken gestärkt werden, wenn sie Anfeindungen und Angriffen aus der Bevölkerung ausgesetzt sind. Dazu müssten den Menschen vor allem auch Ängste genommen werden.  Progressive Politik brauche alle Ressourcen, die Forschung wie auch die gesellschaftliche Akzeptanz, so Becker. Forschungsfragen durch Beteiligung bürgernah zu gestalten, gewährleiste auch die grundsätzliche Freiheit von Forschung.

Monika Buchenscheit, eine beteiligte Bürgerin und Vertreterin des Citizen Panels im Wissenschaftsjahr, betonte, dass Wissenschaft keine Ergebnisse präsentieren sollte, die der Bürger einfach zu akzeptieren habe. Vielmehr sollten die Menschen durch die Beteiligung erkennen, dass sie zu dem Dialog dazu gehören.

Das kreative Potenzial der Öffentlichkeit einbringen

Das Wissenschaftsjahr 2022 mit dem Titel "Nachgefragt!" ist initiiert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Initiative Wissenschaft im Dialog. Ziel ist es dabei unter anderem, das kreative Potenzial der Öffentlichkeit in Wissenschaft und Forschung einzubringen, beispielsweise zu Fragen der Energiewende, Klimawandel oder Pandemie. 

Diese Fragen sollen Ausgangspunkt für einen offenen und kritischen Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik werden. Geplant sind dafür innovative und kreative Formate im ganzen Land. "Ziel ist es, neue Ideen und Zukunftsimpulse für Forschung und Innovation in Deutschland zu gewinnen", so das BMBF. Zum Ende des Jahres soll zusammen mit Bürger:innen ein Konzept  zur Forschungs- und Innovationspolitik für die Bundesrepublik vorgelegt werden. 

Die Gesellschaft stehe am Beginn des 21. Jahrhunderts vor großen Herausforderungen. Es gelte Fragen zu klären, wie und wovon sich eine wachsende Weltbevölkerung ernähren wird oder der Einfluss unserer Lebensführung auf das globale Klima. "Es ist daher entscheidend, dass wir alle uns mit den Erkenntnissen von Wissenschaft und Forschung auseinandersetzen, nachfragen und die eigene Perspektive und das eigene Wissen einbringen – um gemeinsam mehr zu erreichen", so die Initiatoren.

Neue Technologien betreffen die ganze Gesellschaft

Was für diesen Prozess wichtig ist, soll der Dialog im Themenjahr klären. "Wissenschaft und Forschung verändern sich und gehen gezielt in den Austausch mit der Gesellschaft, Fragen nach Relevanz und Reputation stellen sich neu und anders", heißt es von den Initiatoren. 

Neue Technologien etwa in der Medizin und Biotechnologie würden die ganze Gesellschaft betreffen, hinzu kämen neue gesellschaftliche Entwicklungen wie beispielsweise die Mobilitätswende. "Deshalb ist es umso wichtiger, in den Austausch zu treten, neue Perspektiven in Forschung und Wissenschaft einzubinden und für jede und jeden Teilhabe möglich zu machen." Im Wissenschaftsjahr sollen diese Entwicklungen aufgegriffen und gewichtet, sichtbar gemacht und weiter vorangetrieben werden.

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