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Kampf gegen das Coronavirus: Mediziner in Daegu, Südkorea Foto: AFP/Ed Jones
© AFP/Ed Jones

Update Wie das Coronavirus die Welt lähmt Überblick über eine verstörende Woche

In Deutschland sterben erstmals Menschen nach einer Infektion, Italien wird zum Sperrgebiet, die Epidemie zur Pandemie – was in den vergangenen Tagen geschah.

Noch ist längst nicht abzusehen, wie sich die Krise wegen der Ausbreitung des Coronavirus weiter entwickeln wird. Fest steht schon jetzt: Die Menschen in Europa haben eine hochemotionale Woche hinter sich, Tage mit bis dahin für die meisten kaum vorstellbaren Nachrichten, schockierenden Geschichten und Berichten, die bisher allenfalls als Drehbuch für Science-Fiction-Filme getaugt hätten. Hier ein Überblick über fünf verstörende Tage:

MONTAG:
Nachdem sich das Coronavirus in vielen Ländern immer weiter ausbreitet, wird klar, dass Italien derzeit Europas Hotspot der Epidemie ist. Die italienische Regierung weitet daher Sperrungen aus und schränkt die Bewegungsfreiheit im gesamten Land ein. Premierminister Giuseppe Conte sagt am späten Abend, es gebe keine Zeit zu verlieren. Rund 60 Millionen Menschen sind von den Maßnahmen betroffen.

Am Wochenende hatte die Regierung die Lombardei und andere Gegenden in Norditalien zu Sperrzonen erklärt. Aus ihnen hinaus und in sie hinein darf man nur mit triftigen Gründen - zum Beispiel wegen der Arbeit. Mittlerweile haben sich in Italien fast 10.000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben.

Straßenszene in Rom Foto: Reuters/Guglielmo Mangiapane Vergrößern
Straßenszene in Rom © Reuters/Guglielmo Mangiapane

Auch in Deutschland sterben erstmals Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Es handelt sich um eine 89-jährige Frau aus Essen, die den Folgen einer Lungenentzündung erliegt, und um einen 78-jährigen Mann aus Gangelt im besonders betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Der Mann litt unter Vorerkrankungen wie Herzproblemen und Diabetes und stirbt an Herzversagen. Am Sonntag war bereits ein Feuerwehrmann aus Hamburg in Ägypten am Virus gestorben. Die Zahl der Infizierten in Deutschland stieg auf 1139, knapp die Hälfte davon verzeichnete NRW.

Angesichts der Entwicklung wird auch in Deutschland der Ton der Warnungen schärfer. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft alle Bürger dazu auf, daran mitzuwirken, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen und bereitet die Bürger auf längere Einschränkungen im Alltagsleben vor: "Wir reden deutlich über mehrere Monate", sagt er. Und weiter: "Wir müssen den Ausbruch verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem weiter funktionieren kann. Dazu brauchen wir die gesamte Gesellschaft. Wir brauchen jeden einzelnen Bürger und jede einzelne Bürgerin."

[Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Deutschland und international können Sie hier im Newsblog verfolgen.]

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Foto: AFP/Tobias Schwarz Vergrößern
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) © AFP/Tobias Schwarz

Schärfer wird auch die Debatte um die Absage von Großveranstaltungen. Dennoch findet das Top-Spiel der 2. Fußball-Bundesliga zwischen dem VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld wie geplant statt. Fast 55.000 Zuschauer sind im Stuttgarter Stadion dabei.

Auch Berlin bereitet sich auf eine deutliche Zunahme der Zahl der Infizierten vor. Man starte die zentrale Beschaffung von Schutzausrüstung, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Da diese Waren europaweit Mangelware seien, müsse geprüft werden, was auf dem Markt verfügbar sei. Zudem seien die Krankenhäuser dabei, mehr Kapazitäten für die Beatmung schwer erkrankter Patienten zu schaffen, sagt die SPD-Politikerin. "Wir brauchen mehr Beatmungsmöglichkeiten." Derzeit gebe es gut 1000 solcher Betten.

Zudem nehmen mehrere neu eingerichtete Untersuchungsstellen für das Coronavirus die Arbeit auf. Von den 48 bekannten Infektionen in Berlin hängt nach Einschätzung der Behörden ein großer Teil mit einem Abend in einem Club zusammen. Nach einem positiven Test bei einem Gast der "Trompete" im Stadtteil Tiergarten werden 16 weitere Infektionen bei Menschen, die am gleichen Abend dort feierten.

[Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Berlin können Sie hier im Newsblog verfolgen.]

In Brandenburg hat einer Coronavirus-Verdachtsfall an einer Schule weitreichende Folgen: Bis zu 2250 Menschen sind in häuslicher Quarantäne. Das teilte der Landkreis Ostprignitz-Ruppin am Abend mit. Die isolierten Menschen sind demnach über mehrere Landkreise Brandenburgs und weitere Bundesländer verteilt. Die Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt (Dosse), der Hort sowie Reitinternate bleiben vorsorglich bis einschließlich 17. März geschlossen. Dann endet die mögliche Inkubationszeit. Betroffen von der Quarantäne sind Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Angehörige.

DIENSTAG:
Die Europäische Union (EU) sieht sich durch das Coronavirus zum Handeln gezwungen und will die Wirtschaft mit 25 Milliarden Euro gegen die schlimmsten Folgen der Epidemie wappnen. Nach einer Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs kündigt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an, das Geld werde aus den Strukturfonds kommen und solle rasch fließen. Die EU wolle damit unter anderem das Gesundheitswesen, den Arbeitsmarkt sowie kleinere und mittlere Unternehmen stützen. In der Videokonferenz einigen sich die Spitzenpolitiker auf vier Punkte, die Vorrang haben sollen:

  • Die Ausbreitung des Virus soll begrenzt werden. Die Gesundheit der EU-Bürger habe höchste Priorität.
  • Die EU-Kommission will den Bedarf an medizinischem Material ermitteln und Vorschläge gegen eine mögliche Knappheit machen. Zuvor hatte es Kritik an deutschen und französischen Ausfuhrbeschränkungen für Schutzmasken gegeben.
  • Die Forschung soll verstärkt werden, um einen Impfstoff zu finden. Die Kommission stellt dazu 140 Millionen Euro bereitgestellt und wählt 17 Projekte dafür aus.
  • Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise wollen die Union und ihre Mitgliedstaaten "alle notwendigen Instrumente nutzen".

Die Bundesregierung bringt weitere Krisenmaßnahmen im Kampf gegen Virus Sars-CoV-2 auf den Weg. Der Bund wird auch für die intensivmedizinische Versorgung in Kliniken eine zentrale Beschaffung übernehmen. Dies beschließt der Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium. Um Liefer- und Versorgungsengpässe zu vermeiden, sollen Lastwagen ausnahmsweise auch sonntags fahren dürfen und mehr Sonntagsarbeit möglich werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt, die intensivmedizinische Ausstattung sei im internationalen Vergleich gut. Aber auch sie könne unter Stress kommen, da Betten oft schon genutzt würden. Daher solle jetzt begonnen werden, planbare Operationen zu verschieben.

Nach Empfehlungen des Krisenstabs sollen alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt werden. Bei allen Veranstaltungen mit bis zu 1000 erwarteten Teilnehmern solle mit der zuständigen Gesundheitsbehörde eine Risikoabschätzung nach den Orientierungshilfen des Robert Koch-Instituts (RKI) getroffen werden. Die Bundespolizei wird angewiesen, ihre Kontrollen "insbesondere an den Südgrenzen" Deutschlands nochmals intensivieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass sich rund zwei Drittel der Deutschen mit dem Virus anstecken könnten. 60 bis 70 Prozent könnten sich infizieren, sagte sie nach Teilnehmerangaben in der Unions-Fraktionssitzung.  Der Bundestag wird nach Angaben der Unionsfraktion zusätzlich bis zu eine Milliarde Euro für den Kampf gegen die Epidemie bewilligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka Vergrößern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) © dpa/Bernd von Jutrczenka

Hunderttausende Fußballfans erfahren, dass sie in den kommenden Wochen keine Spiele in den Stadien verfolgen können. Auch die Nationalelf muss ihren EM-Test gegen Italien am 31. März in einer leeren Nürnberger Arena austragen, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilt. Mit Blick auf Bundesliga-Fußballspiele ohne Zuschauer sagt Merkel: "Spiele vor leeren Rängen sind nicht das Schlimmste, das diesem Land passieren kann."

Die Epidemie sorgt in weiten Teilen Europas für massive Einschränkungen des Reiseverkehrs und des öffentlichen Lebens. Auch Slowenien schließt seine 232 Kilometer lange Grenze zum Nachbarland. Weitere Länder wie Tschechien und Spanien schränken den Reiseverkehr ein und untersagen Großveranstaltungen. Das Robert Koch-Institut stuft ganz Italien als Coronavirus-Risikogebiet ein. Die Bundesregierung rät von allen nicht erforderlichen Reisen in das gesamte Land ab. Die Zahl der Infizierten in Italien springt über die Marke von 10.000. Nach Angaben des Katastrophenschutzes steigt sie binnen eines Tages um 10,7 Prozent auf 10.149. Die Zahl der Menschen, die an der Lungenkrankheit gestorben sind, legt um 36 Prozent auf 631 zu.

In Deutschland sind mit ersten Fällen in Sachsen-Anhalt nun alle Bundesländer in Deutschland von Sars-CoV-2-Nachweisen betroffen. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland liegt dem RKI zufolge bei 1139. Das RKI ruft die Gemeinden und Krankenhäuser in dazu auf, ihre Krisenpläne zu aktivieren. "Es ist eine ernste Situation", sagt RKI-Präsident Lothar Wieler.

Erstmals in der Geschichte der Fußballbundesliga wird es ein sogenanntes "Geisterspiel" geben, die Stadt Mönchengladbach untersagt Zuschauer für das Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwochabend.

In Berlin werden alle geplanten Veranstaltungen in den großen Sälen der staatlichen Theater, Opern- und Konzerthäuser abgesagt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) teilt mit, dies gelte vorerst bis zum Ende der Osterferien, also bis zum 19. April. Er empfiehlt auch den großen Privattheatern so zu verfahren. Die Zahl der bestätigten Fälle steigt in Berlin auf 58.

MITTWOCH:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Verbreitung des Virus als Pandemie ein. Angesichts der weltweiten Ausbreitung des Erregers sei er "tief besorgt" über das "alarmierende Niveau der Untätigkeit" im Kampf gegen das Virus, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Weltweit infizierten sich seit Ende Dezember nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP bereits mehr als 124.000 Menschen, mehr als 4500 Menschen starben.

China, Ausgangspunkt der Lungenkrankheit Covid-19, meldet eine weitere Entspannung der Lage. Die nationale Gesundheitskommission gibt lediglich 22 neue Todesfälle und 24 neue Infektionsfälle bekannt. Die Restriktionen in der Millionenmetropole Wuhan werden gelockert. Die Zahlen aus China werden von internationalen Experten allerdings angezweifelt.

In Europa verschärft sich die Lage dagegen weiter. Es gibt es inzwischen rund 950 Tote, mehr als 22.000 Menschen sind infiziert. Italien schließt Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte. Nur Lebensmittelläden und Apotheken seien weiter geöffnet, erklärt Premierminister Giuseppe Conte.

Die Krankenhäuser vor allem in der besonders betroffenen Region Lombardei sind am Limit. Insgesamt haben sich nach offizieller Statistik nun mehr als 12.400 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 820 sind gestorben. Experten gehen von einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus. Österreich setzt seinen Personenzugverkehr zu Italien vollständig aus und schließt zahlreiche Einrichtungen. Polen und die Ukraine kündigen Schulschließungen an. Frankreich untersagt Besuche in Altenheimen.

Hintergrund über das Coronavirus:

Angesichts der Lage in Europa verhängt US-Präsident Donald Trump am Abend (Ortszeit) ein 30-tägiges Einreiseverbot für Menschen aus dem Schengen-Raum. Großbritannien ist davon ausgenommen. Trump wirft den EU-Staaten in seiner Fernsehansprache vor, nicht rasch genug auf die Ausbreitung des neuartigen Erregers reagiert zu haben. Das Coronavirus breitet sich auch in den USA aus. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität starben dort bereits fast 40 Infizierte, die Zahl der bestätigten Ansteckungsfälle stieg auf mehr als 1300.

US-Präsident Donald Trump Foto: AFP/Doug Mills/Pool Vergrößern
US-Präsident Donald Trump © AFP/Doug Mills/Pool

Angesichts der steigenden Zahl von Infektionen mit dem Coronavirus ruft Kanzlerin Angela Merkel (CDU) alle Bürger zur Solidarität aufgerufen. Mit Blick auf besonders gefährdete ältere und chronisch kranke Menschen sagt sie auf der Bundespressekonferenz in Berlin: "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen." Merkel empfiehlt, wegen der Ansteckungsgefahr vorübergehend möglichst auf den Handschlag als Begrüßungsritual zu verzichten. "Dafür eine Sekunde länger in die Augen gucken und lächeln, und nicht schon mit der Hand beim Nächsten sein, ist auch eine gute Möglichkeit." Es sei die zentrale Aufgabe, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. "Es ist eben nicht egal, was wir tun, es ist nicht vergeblich, es ist nicht umsonst." Es gehe um das Gewinnen von Zeit, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten.

Das Virus erreicht auch den Bundestag: Der 41-jährige FDP-Abgeordnete Hagen Reinhold aus Mecklenburg-Vorpommern ist infiziert, wie die Partei mittelt. Deutschlandweit zählt das RKI 1567 Coronavirus-Fälle und drei Tote. "Soziale Distanzierung" sei derzeit das wichtigste Anliegen, sagt der RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Angesichts der Absage von Kulturveranstaltungen und des spürbaren Besucherrückgangs kündigt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an, sich für betroffene Künstler und Kultureinrichtungen einzusetzen. Sie werde "Betroffene nicht im Stich lassen".

Borussia Mönchengladbach gewinnt das erste "Geisterspiel" in der Geschichte der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln mit 2:1.

Das Rheinderby Mönchengladbach gegen Köln als „Geisterspiel“ Foto: imago images/Team 2 Vergrößern
Das Rheinderby Mönchengladbach gegen Köln als „Geisterspiel“ © imago images/Team 2

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Berlin steigt deutlich auf 81 von 58 am Vortag. Die meisten Betroffenen kommen aus Charlottenburg-Wilmersdorf (15) und Friedrichshain-Kreuzberg (12).

Um eine Ausbreitung des Virus in der Hauptstadt weiter einzudämmen, verbietet die Berliner Gesundheitsverwaltung nach längerem Zögern nun doch größere Veranstaltungen und Versammlungen bis zum Ende der Osterferien. Das gelte bis einschließlich 19. April, sagt Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Der Start ins Sommersemester an den Universitäten wird zunächst um eine Woche auf den 20. April verschoben.

Im öffentlichen Nahverkehr gibt es in Berliner Bussen Änderungen. Um die Fahrer vor Ansteckung zu schützen, wird der Ein- und Ausstieg an der ersten Tür und der Fahrkartenverkauf im Bus ausgesetzt, kündigt die BVG an.

Auch Brandenburg kündigt an, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zu verbieten. Nach dem Coronavirus-Verdachtsfall in der Schule im brandenburgischen Neustadt (Dosse) mit bis zu 2250 Menschen in häuslicher Isolation ergeben die acht ersten Tests keine Infektionen. An der Schulschließung bis zum 17. März wird festgehalten. Die Zahl der Infizierten steigt auf 24 nach 16 am Vortag.

[Mehr zum Thema: Amtsarzt zu Coronavirus in Berlin – "Müssen praktisch alle sozialen Kontakte unterbinden"]

DONNERSTAG:
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge hat sich das Virus inzwischen in 115 Länder ausgebreitet und zu fast 4300 Todesfällen geführt. Die Aktienkurse an der Wall Street beschleunigen ihren freien Fall nochmals. Das wegen des Coronavirus von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Europäer verschärfte die Talfahrt vom Vortag. Der Dow Jones Industrial büßte zehn Prozent ein. Damit ist es einer der schwärzesten Tage der US-Börsengeschichte ein. Der Dax schließt mit einem Minus von 12,24 Prozent - der stärkste Tagesverlust seit 1989.

Kurssturz an der Wall Street: Ein Börsenhändler ist entsetzt. Foto: dpa/AP/Mark Lennihan Vergrößern
Kurssturz an der Wall Street: Ein Börsenhändler ist entsetzt. © dpa/AP/Mark Lennihan

In vielen europäischen Ländern wird die Lage immer schlimmer. In Italien ist die Lage in den Krankenhäusern dramatisch. Die intensivmedizinische Versorgung in Norditalien steht vor dem Kollaps. Alte können nicht mehr behandelt werden. Ärzte schildern schreckliche Zustände. In der Lombardei sind aktuell nachweislich 7280 Menschen erkrankt, 617 Menschen starben in der Region an Covid-19. Im gesamten Land sind 12.462 Menschen an Covid-19 erkrankt und 827 Menschen gestorben. Österreich kündigt an, dass alle Skigebiete geschlossen werden.

Und Spanien droht, das nächste Italien zu werden. Das Land ist inzwischen nach Italien und Frankreich das europäische Land mit den meisten Coronavirus-Fällen. Die Behörden registrieren 2968 Covid-19-Erkrankte, mindestens 84 Menschen starben bisher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft die Bevölkerung wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus zu drastischen Einschnitten auf. Wo immer möglich sollten die Menschen auf Sozialkontakte verzichten, sagt die CDU-Politikerin am Donnerstagabend nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin. Alle nicht notwendigen Veranstaltungen sollten abgesagt werden.

Für wie ernst die Bundesregierung die Lage hält, macht Vizekanzler Olaf Scholz später in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" klar: "Es geht um Leben und Tod für uns alle", sagt der SPD-Politiker.

Bei finanziellen Hilfen für von der Corona-Krise betroffene Firmen will die Bundesregierung keine Prioritäten setzen. Auf die Frage, wem zuerst geholfen werde, sagt Scholz: "Gott sei Dank haben wir diese schwierige Entscheidung nicht zu treffen. Schlichtweg, weil wir genug Geld haben. Wir können allen helfen. Und wir werden es auch tun."

In Deutschland sind bislang mehr als 2400 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. Am Abend wird der nächste Coronavirus-Todesfall in Deutschland gemeldet - es ist der dritte im besonders betroffenen Kreis Heinsberg. Die Todesopfer in Deutschland sind zwischen 67 bis 89 Jahre alt. Während die meisten großen Fußball-Ligen in Europa ihren Spielbetrieb eingestellt haben, kann sich die Bundesliga nicht auf ein weiteres Vorgehen verständigen und will den Spieltag am Wochenende ohne Zuschauer durchziehen.

Die CDU sagt ihren für den 25. April geplanten Sonderparteitag mit 1001 Delegierten zur Wahl eines neuen Vorsitzenden ab. Einen Ausweichtermin wagt noch niemand festzulegen.

Im Kampf gegen das Coronavirus: Eine Medizinerin in Italien Foto: AFP/Miguel Medina Vergrößern
Im Kampf gegen das Coronavirus: Eine Medizinerin in Italien © AFP/Miguel Medina

In Berlin sind jetzt 118 Menschen nachweislich infiziert, 37 mehr als am Vortag; die meisten sind zu Hause unter Quarantäne. Das Myfest, der Karneval der Kulturen und die Lange Nacht der Wissenschaften werden abgesagt. Ab Samstag schließt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach eigenen Angaben bis auf weiteres sämtliche Häuser für Besucher: Das umfasst fast zwei Dutzend Sammlungen, Museen, Instituten - darunter auch die als Weltkulturerbe eingestufte Museumsinsel. Die staatlichen Theater, Opern und Konzerthäuser stellen ihren Spielbetrieb vor Publikum ab Freitag vollständig ein. Dem wollen einige Privattheater nach Rücksprachen mit den Gesundheitsämtern folgen. Auch zahlreiche Clubs, darunter das Berghain, machen zu.

Auch Brandenburg beschließt, Großveranstaltungen ab einer Teilnehmerzahl von 1000 Menschen bis auf weiteres zu untersagen. Veranstaltungen mit mindestens 100 Teilnehmenden müssen den Kreisbehörden in Brandenburg schriftlich angezeigt werden. Offiziell bestätige Infektionen gibt es in Brandenburg 30.

FREITAG:
Zum Ende der Woche wird die Lage immer dramatischer. Weltweit steigt die Zahl der Toten durch das Coronavirus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP zufolge auf mehr als 5000. Die meisten Todesfälle gibt es demnach in China, Italien und dem Iran. Auf dem chinesischen Festland kamen 3176 Menschen ums Leben. In Italien sind es bis jetzt 1016.

Der Iran beklagt nach neuesten Angaben 514 Tote. Innerhalb von 24 Stunden gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums einen Anstieg um 85 Todesfälle  - der höchste seit Beginn der Krise in dem Land. Das Militär teilt mit, hart durchgreifen zu wollen. Geschäfte und Straßen des Landes sollen binnen 24 Stunden komplett "geleert" und alle Staatsbürger auf das Virus getestet werden. Im Iran leben fast 82 Millionen Menschen, fast so viele wie in Deutschland.

In Europa verschärfen mehrere Staaten ihre Maßnahmen nochmals deutlich: Spanien kündigt an, am Samstag wegen der Coronavirus-Krise den Alarmzustand auszurufen. Premier Pedro Sánchez  sagt, Spanien stehe "vor harten, schwierigen Wochen". Der Alarmzustand ist die dritthöchste der in der spanischen Verfassung vorgesehenen Notfallstufen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem neuen Virus SARS-CoV-2 liegt bereits bei 120 - 36 mehr als am Vortag. Mehr als 4000 Menschen infizierten sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums mit dem Covid-19-Erreger.

In Österreich soll der Einzelhandel von Montag an außer im Lebensmittelverkauf, bei Apotheken, Tankstellen und Kiosken pausieren. Restaurants, Cafés und Bars dürfen ab diesem Tag nur noch bis 15 Uhr geöffnet bleiben, wie die Regierung in Wien mitteilt. Auch der Flugverkehr wird eingeschränkt. Die Verbindungen nach Frankreich, Spanien und in die Schweiz werden ausgesetzt. Wien ordnet an, zwei Gebiete im Bundesland Tirol wegen der weltweiten Epidemie abzuriegeln.

Tschechien und die Ukraine schließen ihre Grenzen komplett. Weil eine schwere Wirtschaftskrise befürchtet wird, schlägt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ein milliardenschweres Notprogramm vor. Die EU-Staaten sollen trotz europäischer Schulden-, Defizit- und Beihilferegeln nahezu freie Hand bekommen, Unternehmen, Arbeitnehmer und Bürger mit großzügigen Hilfen in der Krise zu unterstützen. Denn die EU-Kommission rechnet nun für 2020 statt mit Wachstum mit einer deutlichen Schrumpfung der Wirtschaft.

Die Bundesregierung will daher für Unternehmen und Jobs angesichts dramatischer Auswirkungen der Krise einen enormen Schutzschild aufbauen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigen dafür unbegrenzte Kreditprogramme für betroffene Firmen an. Der Bund habe dafür Garantierahmen in Milliardenhöhe angehoben. Der Staat übernimmt damit erheblich mehr Risiko, falls Kredite nicht zurückgezahlt werden. Außerdem geht es um die Stundung von Steuern und Abgaben in Milliardenhöhe. Altmaier und Scholz machen zudem klar: Bei einer weiteren Verschärfung werde der Bund nachlegen. "Es wird nicht gekleckert, es wird geklotzt", sagt Scholz.

In Deutschland müssen zudem Millionen Eltern, Kinder und Jugendliche ihren Alltag neu planen. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am späten Donnerstagabend Schul- und Kitaschließungen zur Option erklärt hatte, entschließen sich die meisten Bundesländer dazu, flächendeckend ihre Einrichtungen zu schließen. Auch in Brandenburg soll der reguläre Schulunterricht aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus ab Mittwoch vorerst ausgesetzt werden.

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, und Peter Altmaier (CDU, rechts), Bundesminister für Wirtschaft und Energie Foto: dpa/Michael Kappeler Vergrößern
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, und Peter Altmaier (CDU, rechts), Bundesminister für Wirtschaft und Energie © dpa/Michael Kappeler

Bis wenige Stunden vor dem geplanten Anpfiff des Abendspiels in Düsseldorf beharrte die Fußball-Bundesliga auf ihrem Vorhaben, als einzige der Top-Ligen Europas an diesem Wochenende noch Spiele zuzulassen. Am späten Nachmittag kommt dann doch die Meldung: Der Spielbetrieb wird ausgesetzt – vorerst bis zum 2. April. Rafal Gikiewicz, Torhüter vom 1. FC Union Berlin, twittert vor der Entscheidung: "Fußballer werden in dieser Situation behandelt wie Affen im Zirkus."

In Deutschland sind nach Angaben des RKI 3062 Fälle des Coronavirus bestätigt, es gibt bisher fünf Tote. "Wir gehen davon aus, dass das ein Stresstest wird für unser Land, für unsere Krankenhäuser", sagte RKI-Chef Lothar Wieler.

In Berlin und Brandenburg geben viele weitere kulturelle Einrichtungen ihre Schließung bekannt. Zoo und Tierpark bleiben trotz der Ausbreitung des vorerst geöffnet. In der Hauptstadt ist inzwischen bei knapp 160 Menschen das Virus nachgewiesen worden. In Brandenburg stieg die Zahl der Infizierten auf offiziell 39.
Am Abend dann die nächste dramatische Entscheidung: Ab Mitte der Woche müssen in Berlin alle Clubs, Bars und Kneipen schließen. Bei der Gastronomie wolle man aber den Bereich aufrechterhalten, der mit einem Essensangebot der Versorgung diene, sagt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Die rechtlichen Grundlagen für diesen Schritt sollten demnach am Dienstag beschlossen werden. Ob die Schließungen dann unmittelbar oder erst am Mittwoch gelten sollten, war zunächst nicht klar. Am 20. April wolle man die Situation wieder bewerten.

Im Kampf gegen das Coronavirus ruft US-Präsident Donald Trump am Freitagabend deutscher Zeit den nationalen Notstand ausgerufen. Damit könnten bis zu 50 Milliarden Dollar gegen die Epidemie mobilisiert werden, sagt Trump bei einer Ansprache im Garten des Weißen Hauses. Die Verkündung des nationalen Notstandes war angesichts des sich auch in den USA ausbreitenden Virus erwartet worden.

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