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Erste Fälle der indischen Variante in Berlin: Die WHO stuft B.1.617 als „besorgniserregend“ ein. Foto: David Gannon/AFP
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WHO stuft B.1.617 als „besorgniserregend“ ein Indische Variante erreicht Berlin – neue Daten aus Großbritannien

Die WHO warnt nun auch vor der Mutante B.1.617 aus Indien. Während Berlin die ersten Fälle meldet, gibt es in Großbritannien Grund zur Sorge – und Optimismus.

Die indische Variante B.1.617 des Coronavirus ist nun auch mit Sicherheit in Berlin angekommen. Gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung am Dienstag, dass seit Anfang April mindestens zwölf solcher Fälle bekannt sind.

Das wird erst jetzt bekannt, da zum Nachweis der Mutante eine aufwendige Sequenzierung der Proben notwendig wurde. Es ist wahrscheinlich, dass es daher für die letzten Wochen noch zu Nachmeldungen kommt.

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Diese Nachricht erreicht Berlin am Tag, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) B.1.617 als „besorgniserregende Variante“ eingestuft hatte. Bereits am Freitag hatte die britische Gesundheitsbehörde Public Health England einen Subtypen der Mutante, B.1.617.2, als „besorgniserregend“ eingestuft – aufgrund rasant steigender Fallzahlen mit dieser Variante.

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„Vorliegende Informationen weisen auf eine erhöhte Übertragbarkeit“ der indischen Variante mit der Bezeichnung B.1.617 hin, sagte die führende WHO-Wissenschaftlerin Maria Van Kerkhove am Montagabend. Nach vorläufigen Studienergebnissen könnte zudem das menschliche Immunsystem weniger stark auf diese Variante reagieren, sagte sie.

Corona-Varianten werden von der WHO in zwei Kategorien einteilt: „Varianten unter Beobachtung“ („variants of interest“), die weit verbreitet sind, sowie „besorgniserregende Varianten“ („variants of concern“).

Letztere sind ansteckender oder schwerer bekämpfbar, oder führen zu schwereren Krankheitsverläufen. Es gebe aber noch keine Hinweise, dass Virustests, Medikamente oder Impfstoffe weniger wirksam gegen die indische Variante seien, sagte Van Kerkhove. Bislang hatte die UN-Behörde nur die sogenannten britischen, südafrikanischen und brasilianischen Varianten als „besorgniserregend“ bezeichnet.

In Indien stecken sich täglich Hunderttausende mit dem Virus an. Seit Beginn der Pandemie sind in dem Land gut 22,6 Millionen Infektionen gezählt worden. In Großbritannien sind derzeit 520 Fälle der Variante bekannt, in der vergangenen Woche waren es noch 202. Zwei weitere in Indien entdeckte Subtypen der Variante – B.1.617.1. und B.1.617.3 – bleiben in England weiterhin unter Beobachtung.

Derzeit liegt der Anteil der indischen Variante B.1.617.2 unter den täglichen Tests in Großbritannien bei mehr als zehn Prozent. Zum Vergleich: Die südafrikanische Variante B.1.351 und die brasilianische Variante P.1 machen weniger als ein Prozent der Fälle aus. Das geht aus offiziellen Daten der britischen Gesundheitsbehörden hervor.

Was Sorge bereitet: Der Verlauf seit dem ersten Auftreten von B.1.617.2 ähnelt dem der britischen Variante B.1.1.7. Das zeigt eine Visualisierung der „Financial Times“. Auch die britische Variante machte rund 40 Tage, nachdem sie das erste Mal in Großbritannien nachgewiesen wurde, rund zehn Prozent der Fälle aus. Drei Monate später wurde B.1.1.7 dann in rund 95 Prozent der Tests nachgewiesen.

Bekannt ist in Großbritannien, dass die Hälfte der Fälle mit B.1.617.2 auf Reisende zurückzuführen ist. Das teilte die Behörde Public Health England mit. In Großbritannien wird jede Person, die aus Indien einreist, auf die Variante getestet. Gleiches fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach weiterhin auch für Deutschland.

Es sei erstaunlich und beängstigend, wie schnell sich die indische Variante in Großbritannien verbreitet. Er fordert aufgrund der vorliegenden Daten, „dass wir sehr konsequent weiter die Einreisende von Fernreisen kontrollieren müssen“. Dann stünden die Chancen gut, sich weitere Mutanten zu ersparen.

Was Mut macht: Eine Auswertung aus Großbritannien zeigt, welch positive Auswirkungen Impfungen auf schwere Verläufe auch von B.1.617 haben können. In einem Pflegeheim in London infizierten sich 15 Menschen mit der Variante etwa eine Woche, nachdem sie das zweite Mal mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft worden waren. Das berichtet der „Guardian“.

[Mehr zum Thema: Berliner Impfärzte erzählen aus der Praxis: „Die Leute rauchen, aber wollen keine Impfung mit Astrazeneca“ (T+)]

Obwohl sich die Wirksamkeit des Impfstoffs noch nicht voll entfaltet haben konnte, überlebten alle 15 Infizierten. Einem Wissenschaftler der Oxford-Universität zufolge wäre die Wahrscheinlichkeit, dass keiner der Heimbewohner an einer Infektion stirbt, ohne Impfschutz bei 1:800 gestanden. In einem von fünf Fällen wären fünf der Infizierten an den Folgen des Virus gestorben.

Da in Großbritannien bereits mehr als die Hälfte der Bürger:innen zumindest eine Impfdosis erhalten haben und rund 26 Prozent sogar voll geimpft sind, besteht die Hoffnung, dass die Ausbreitung der „besorgniserregende Variante“ aus Indien nicht erneut zu einem exponentiellen Wachstum führt.

In Deutschland hat erst rund ein Drittel der Bürger:innen zumindest eine Impfdosis erhalten und rund zehn Prozent sind voll geimpft. Inwieweit sich eine Ausbreitung von B.1.617 in Deutschland auswirken würde, ist derzeit schwer abzusehen.

Das Virus, das die weltweite Corona-Pandemie ausgelöst hat, hat bereits tausende Mutationen durchlaufen, einige davon sind bedenklicher als andere. Indien meldete der Sequenzdatenbank der Global Initiative for Sharing All Influenza Data (Gisaid) erstmals im Oktober 2020 das Auftreten des Genoms B.1.617.

Das Land mit seinen 1,36 Milliarden Einwohnern erlebt derzeit eine heftige zweite Corona-Welle. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Immer wieder gibt es Berichte über Todesfälle wegen mangelnden Sauerstoffs in Kliniken. Deutschland und andere Staaten schickten inzwischen Nothilfe. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass in Indien erst jede zehnte Person zumindest einmal geimpft ist.

Nach WHO-Angaben sinkt die Zahl der Neuinfektionen in den meisten Regionen, einschließlich Europa und dem amerikanischen Kontinent. In Südasien und Südostasien gibt es jedoch weiterhin einen starken Anstieg. Weltweit wurden vergangene Woche mehr als 5,4 Millionen Fälle und fast 90.000 Tote im Zusammenhang mit der Pandemie gezählt. (mit Agenturen)

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