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Mindestens 169 Hepatitis-Fälle unklarer Ursache hat die WHO schon registriert. Foto: Matthias Balk/dpa
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WHO veröffentlicht Bericht Erstes Kind wegen mysteriöser Hepatitis gestorben

Mindestens 169 Kinder sind laut WHO an Hepatitis erkrankt, deren Ursache unklar ist. In Deutschland sind demnach bislang keine Fälle aufgetreten.

In einem Dutzend westlicher Länder sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mindestens 169 Kinder an Hepatitis mit unklarer Ursache erkrankt. Zwei Drittel der Leberentzündungen seien seit Anfang April in Großbritannien gemeldet worden. Der Rest verteile sich auf mehrere europäische Länder von Norwegen bis Rumänien sowie die USA.

Deutschland ist nach dem Bericht der WHO nicht darunter. Laut WHO ist noch nicht klar, ob es wirklich eine Häufung gibt, oder ob wegen der erhöhten Aufmerksamkeit für solche Leberentzündungen derzeit mehr Fälle entdeckt werden.

Keines der Kinder war mit klassischen Hepatitis-Viren infiziert. In der Regel verläuft eine Hepatitis bei Kindern Experten zufolge ohne Symptome oder nur mit geringer Beeinträchtigung. Bei vielen der nun betroffenen Kinder sind nach WHO-Angaben stark erhöhte Werte an Leberenzymen und Gelbsucht registriert worden.

Laut WHO benötigten 17 Kinder eine Lebertransplantation, mindestens eines sei gestorben. In 74 Patienten wurden Adenoviren gefunden. Die WHO wies jedoch darauf hin, dass diese Viren in der Regel nur leichtere Symptome wie etwa Atemwegserkrankungen hervorrufen.

Nun müsse ein möglicher Zusammenhang mit der Corona-Pandemie untersucht werden. Für die WHO ist es denkbar, dass Kinder nun anfälliger für Adenoviren sind, weil diese Erreger während der Pandemie weniger übertragen wurden.

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Außerdem wird der Hypothese nachgegangen, dass Zweifachinfektionen mit Adenoviren und dem Coronavirus eine Rolle spielen. Hepatitis als Nebenwirkung von Covid-Impfungen schließt die WHO aus: Die große Mehrheit der jungen Hepatitis-Patienten sei nicht geimpft.

Ein Zusammenhang mit Corona hält Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), theoretisch zwar für denkbar, aber nicht für sehr plausibel. Sonst hätte das SARS-CoV-2-Screening überzufällig häufig positiv ausfallen müssen, erklärte der Mediziner.

Derartige Hepatitis-Fälle wären zudem bereits früher in der Pandemie aufgefallen. Auch andere Fachleute fanden der European Centre for Disease Prevention and Control ECDC zufolge keine Verbindung zu Covid-19-Impfungen. Ebenso wenig zeigte sich ein Muster bei Reisen, Lebensmitteln, Getränken und Gewohnheiten der Betroffenen.

„Szenario, das wir in Deutschland sehen könnten“

Einen Zusammenhang mit der Corona-Impfung schließt auch Rodeck aus. Wahrscheinlicher sei, dass durch die Lockerungen in Großbritannien zunehmend Kinder in relativ kurzer Zeit aus der Isolation gekommen sind und so recht plötzlich vielen Keimen ausgesetzt waren, mit denen sie zuvor nur wenig in Kontakt gekommen sind.

So könnten sich die Hepatitis-Fälle mit Infektionen etwa durch Ebstein-Barr- oder Zytomegalieviren erklären lassen. „Grundsätzlich wäre das natürlich auch ein Szenario, das wir in Deutschland bei weitgehenden Lockerungen sehen könnten.“ Eine akute Virushepatitis im Kindesalter verläuft sehr oft asymptomatisch oder mit nur geringer Beeinträchtigung. 

Klinische Zeichen können Übelkeit/Erbrechen, Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht), Durchfall, Bauchschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber und Appetitlosigkeit sein. Zusätzlich kommen die Symptome der ursprünglich verursachenden Viruserkrankung dazu wie ein Infekt der oberen Luftwege. 

Wenn Eltern über Symptome bei ihren Kindern besorgt sind, sollten sie sich an ihren Hausarzt wenden, empfiehlt der Hepatologe Simon Taylor-Robinson vom Imperial College London. Er sieht im Moment noch kein Grund zur allgemeinen Beunruhigung zu sein, da die Zahl der Fälle gering sei. (dpa, Tsp)

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