Infotag für Studieninteressierte an der TU Berlin. Foto: TU Presse/Jacek Ruta
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Welches Studienfach passt zu mir? Wie Abiturienten ihren Weg an die Uni finden

Miriam Lenz
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Überall laufen die Abiturprüfungen auf Hochtouren. Und schon stellt sich die Frage nach dem richtigen Studienfach. Wir geben Tipps für Abiturienten.

Abi – und dann? Diese Frage stellt sich in diesen Tagen und Wochen wieder für viele Abiturienten. Wer sich für ein Studium interessiert, sieht sich einer schier unglaublichen Auswahl an Studiengängen gegenüber: Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) führt etwa 10 300 grundständige Studiengänge auf. Das kann leicht überfordern, stellt die Studienwahl doch häufig die erste große Entscheidung dar, die junge Menschen in ihrem Leben treffen müssen. Wie findet man nun den Studiengang, der zu einem passt?

„Es gibt nicht den Königsweg zum richtigen Studienfach“, sagt Stefan Petri, der Leiter der Studienberatung und der Psychologischen Beratung an der Freien Universität (FU). Jeder Studieninteressierte habe andere Voraussetzungen und müsse seinen eigenen Entscheidungsprozess durchlaufen. Für Baris Ünal, der die Allgemeine Studienberatung an der Technischen Universität (TU) leitet, gibt es einige zentrale Fragen, die sich aber jeder Studieninteressierte stellen sollte: „Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich? Wo möchte ich leben? Darüber sollte jeder vor der Studienwahl nachdenken.“ Es sei wichtig, sich selbst genau kennenzulernen und einschätzen können. In einem nächsten Schritt solle man sich über das Studienangebot informieren und dieses mit den eigenen Wünschen und Fähigkeiten abgleichen.

Studienorientierungstests und Fachwahlassistenten

Weiß man noch gar nicht, welche Fächer einen interessieren könnten, können sogenannte Studieninteressentests hilfreich sein. Auf der Webseite www.hochschulkompass.de der HRK wird beispielsweise solch ein Test angeboten. Am Ende erhält man ein „Interessenprofil“, das anzeigt, wie stark die eigenen wirtschaftlich-unternehmerischen, administrativ-verwaltenden, technisch-praktischen, sozialen, kreativ-kulturellen und theoriegeleitet-forschenden Interessen ausgeprägt sind. Auf Grundlage dessen werden dann mögliche passende Studiengänge vorgeschlagen.

„Wer hofft, dass solche Tests den einzig richtigen Studiengang für einen auswerfen, wird allerdings enttäuscht werden“, sagt Stefan Petri. Es sei wichtig, dass man sich mit den vorgeschlagenen Studiengängen weiter auseinandersetze. Das ist beispielsweise mithilfe der Online-Studienfachwahl-Assistenten (OSA) einiger Universitäten möglich, die einzelne Fächer vorstellen. Die FU bietet inzwischen für all ihre Bachelor-Studiengänge einen solchen OSA an: Der Aufbau und die Inhalte des Studiengangs werden erläutert, Studierende und Professoren erzählen in Video-Interviews vom Studienalltag, Absolventen berichten von ihrem jetzigen Berufsleben. „Für viele Studieninteressierte sind gerade diese Einblicke sehr hilfreich“, sagt Stefan Petri.

Die Angebote der Studienberatung nutzen

Ein nächster Schritt auf dem Weg zum richtigen Studienfach kann ein Besuch in der Studienberatung der Hochschulen sein. Neben allgemeinen Informationsveranstaltungen zur Studienwahl und Bewerbung bieten die Berliner Universitäten und Fachhochschulen individuelle Beratungstermine für Studieninteressierte an. „In diesen Gesprächen können wir die vielen Informationen, denen sich die Studieninteressierten gegenübersehen, gemeinsam mit ihnen einordnen und verknüpfen“, sagt Baris Ünal.

Mit ihrer jahrelangen Erfahrung und Expertise könnten die Studienberater individuelle Lösungen für Studieninteressierte finden, zum Beispiel wenn der Notendurchschnitt an der einen Hochschule nicht für das Wunschfach reiche, an einer anderen aber schon. „Häufig helfen die Beratungsgespräche auch einfach, die Angst vor der Entscheidung zu nehmen“, sagt Stefan Petri.

Ein spezielles Angebot zur Entscheidungsfindung bietet die Humboldt-Universität an: Hier können Studieninteressierte, die zwischen zwei oder mehr möglichen Studienfächern schwanken, ein halbtägiges Entscheidungstraining in der Kleingruppe absolvieren. Geleitet werden die Seminare von einer Studienberaterin und einem psychologischen Berater.

Zu den Infotagen der Universitäten gehen

Wer sich einmal eine Uni von innen anschauen und dabei gleich mit Studierenden, Lehrenden und Studienberatern in Kontakt kommen möchte, der kann die Infotage der verschiedenen Universitäten besuchen. Die FU und die TU öffnen ihre Türen für Studieninteressierte am Dienstag, 29. Mai., und Mittwoch, 30. Mai. „Infotage bieten die Möglichkeit, einen großen Überblick über verschiedene Fächer zu bekommen, aber auch allgemeine Informationen zum Thema Studium zu erhalten“, sagt Stefan Petri. An den beiden Infotagen können Studieninteressierte an der FU und der TU unter anderem Vorstellungen von verschiedenen Studiengängen besuchen, sich mit Studierenden über ihr Fach unterhalten und an regulären Lehrveranstaltungen teilnehmen. Das genaue Programm findet sich auf den Webseiten der beiden Universitäten. Berliner Schülerinnen und Schüler können für den Besuch der Infotage vom Unterricht befreit werden.

Doch auch wer es nicht zu den Infotagen schaffen sollte, kann in den Studienalltag reinschnuppern. „Sich in eine Vorlesung in einem Fach, das einen interessiert, zu setzen oder mit Studierenden, die man kennt, einen Tag mitzulaufen, ist eigentlich immer eine gute Idee“, sagt Baris Ünal. „Man sollte die Dozierenden aber immer vorher fragen, ob das in Ordnung ist“, merkt Stefan Petri an.

Ein Orientierungsstudium machen

Für Studieninteressierte, die sich auch nach eingehender Recherche und Reflexion nicht entscheiden können, was sie studieren möchten, kann ein Orientierungsstudium das Richtige sein. In Berlin können Studienanfänger zwei Semester lang in den Programmen „MINTgrün“ der TU und „EinS@FU“ der FU Veranstaltungen verschiedener Studiengänge besuchen. Der Schwerpunkt im Orientierungsstudium an der TU liegt auf den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

An der FU können Veranstaltungen aus den Bereichen Naturwissenschaften, Philosophie, Geistes-, Geschichts- und Kulturwissenschaften belegt werden. Während der zwei Semester legen die Programmteilnehmer regulär Prüfungen ab. Bestandene Module können für ein anschließendes Studium angerechnet werden. Teil beider Programme sind Veranstaltungen der Studienberatung, die bei der Entscheidung nach dem Orientierungsjahr helfen sollen. „Nach einem Jahr Orientierungsstudium wissen aber ohnehin die allermeisten sehr viel besser, was sie wollen und welcher Studiengang für sie geeignet ist“, sagt Baris Ünal.

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