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Der Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. Bernd Wannenmacher
© Bernd Wannenmacher

Wegen Antisemitismus des US-Industriellen FU-Asta fordert Umbenennung des Henry-Ford-Baus

Studierendenvertreter fordern erneut einen alternativen Namen für das repräsentativste FU-Gebäude. Das Uni-Präsidium hält dagegen.

Der Asta der Freien Universität Berlin fordert zum wiederholten Mal die Umbenennung des zwischen 1952 und 1954 errichteten Henry-Ford-Baus, dem bis heute repräsentativsten FU-Gebäude. Der Industrielle und Erfinder des Fließbandes Henry Ford (1863 bis 1947) sei als bekennender Antisemit und Unterstützer des NS-Regimes kein geeigneter Namensgeber, erklärte jetzt der Asta.

Nach der kürzlich beschlossenen Umbenennung der Beuth-Hochschule für Technik – deren aktueller Namenspatron Christian Peter Wilhelm Beuth ebenfalls ein manifester Antisemit war – sei es an der Zeit, dass der Akademische Senat und das Präsidium der FU nun auch ein transparentes Verfahren zur Umbenennung des Henry-Ford-Baus initiierten. Der Asta hatte die Forderung schon 2007, nach der Wiedereröffnung des grundsanierten Gebäudes, erhoben.

Henry Ford, der eine ganze Epoche industrieller Warenproduktion prägte, veröffentlichte 1920 eine antisemitische Textsammlung unter dem Titel „The International Jew“. Ins Deutsche übersetzt, avancierte sie zum Standardwerk antijüdischer Schmähschriften, von der sich auch Hitler inspiriert fühlte. In dem von Ford publizierten Journal „The Dearborn Independent“ erschien unter anderem ein Nachdruck der „Protokolle der Weisen von Zion“, dem bis heute wirkmächtigsten Manifest antisemitischer Verschwörungsideologie.

Ford wurde von den Nazis geehrt

1938 wurde Ford als erstem US-Amerikaner das „Großkreuz des deutschen Adlerordens“ verliehen, die höchste Ehrung, die Ausländern im Dritten Reich zuteilwerden konnte. Die Ford Motor Company war zudem am Ausbau der deutschen Streitkräfte beteiligt und beschäftigte in ihren deutschen Werken auch Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern.

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Eignet sich eine solche Person als Gallionsfigur eines Hauptgebäudes der Freien Universität Berlin? Während der Kontroverse um den Namen im Jahr 2007 argumentierte das FU-Präsidium, der Bau sei in Wahrheit nach Henry Ford II., dem Enkel des Industriellen benannt. Dieser hatte über die mit den Mittels seines Großvaters begründete Ford Foundation den Henry-Ford-Bau finanziert. Diese Darstellung bekräftigte die FU am Dienstag auf Anfrage. Ford II. sei damals Präsident der Stiftung gewesen; sein Großvater dagegen habe niemals als aktives Mitglied zur Stiftung gehört.

Ist das Gebäude nach Fords Enkel benannt?

Der Asta der FU hält die Enkel-These nach wie vor für unglaubwürdig. Der Historiker Ralf Hoffrogge, der 2007 dem Asta angehörte, erklärte damals, dass sich in den Unterlagen des Akademischen Senats zur Benennung des Gebäudes kein Verweis auf den Junior finde. Im Senatsbeschluss vom 3. März 1954 sei lediglich vom „Henry-Ford-Bau“ die Rede, ohne weitere Erklärungen, welcher Ford denn nun gemeint sei.

Die Fachschaftsinitiative Geschichte der FU-Berlin äußerte im damaligen Streits, im Grunde sei die Frage obsolet. Der Bau sei schließlich mit den Geldern des alten Henry Ford finanziert worden. Diese Lesart bestätigte der Asta nun in seiner aktuellen Stellungnahme. Zudem erklärten die Studierendenvertreter gegen eine damalige Verlautbarung der FU, dass selbst wenn die Enkel-These zuträfe, diese nur wenigen bekannt sein dürfte.

Die Assoziation mit dem Fließbandentwickler und Antisemiten drängt sich demnach auf, unabhängig davon, wer der Namensgeber ist. Der Asta betonte, es gebe in der Geschichte der Uni zahlreiche emanzipatorische Persönlichkeiten, die anstelle von Ford gewürdigt werden könnten.

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