Kirschblüte vor der Holzlaube, dem FU-Gebäude der kleinen Fächer. Foto: Freie Universität Berlin
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Wechsel der Theologie von der FU zur HU Dahlem bleibt länger katholisch

Alle Theologien kommen an die Humboldt-Uni - auch die katholische. Aber die "vollständige Verlagerung" von der Freien Universität braucht mehr Zeit als gedacht.

Die Humboldt-Universität soll künftig den drei großen Religionen ein gemeinsames Dach bieten. Die Evangelische Theologie gehörte einst zu den Gründungsfakultäten, seit 2012 etabliert sich das Selma Stern-Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, das seinen Sitz an der HU hat. Und jetzt kommen die Islamische und – als zweite christliche - die Katholische Theologie dazu.

Dass damit die katholische Ära an der Freien Universität enden wird, gilt mit den neuen Hochschulverträgen als ausgemacht. Von einer „vollständigen Verlagerung des Katholischen Seminars“ an die HU ist dort die Rede. Im Herbst soll das neue HU-Institut seinen Betrieb aufnehmen, die beiden FU-Professuren wurden bereits nach Mitte verlagert. Insgesamt wird das Fach an der HU mit sechs Professuren ausgestattet. Doch Dahlem, wo das Seminar für Katholische Theologie 1957 gegründet wurde, bleibt noch deutlich länger katholisch als erwartet, wie sich jetzt zeigt.

Studierende waren verunsichert

Als HU-Präsidentin Sabine Kunst und Gründungsdirektor Johannes Helmrath das neue Zentralinstitut vor 14 Tagen bei einer Pressekonferenz vorstellten, sprachen sie davon, dass 30 bis 40 Studierende der FU an die Humboldt-Uni wechseln könnten. Kein Wort über jene, die womöglich nicht wechseln wollen. Insgesamt hat das FU-Seminar 61 Studierende. An sie erinnerte der einzige noch amtierende Professor an der FU, Rainer Kampling. Die Studierenden müssten in Dahlem Vertrauensschutz genießen, also ihr Studium dort beenden dürfen, wo sie es begonnen haben.

„Für die Studierenden war länger unklar, ob sie geschlossen an die HU wechseln müssen“, sagt Masterstudent Moritz Göthel, der Mentor für Bachelorstudierende ist. Viele, die auch im Hauptfach an der FU studieren, wollten in ihrem gewohnten Studienumfeld bleiben und ungern zwischen beiden Unis pendeln. Anderen, die etwa im Hauptfach schon an der HU sind, käme der Wechsel gelegen. Attraktiv seien beide Unis, so Göthel, die FU durch die Einbindung der Theologie in den Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften und die HU durch die größere Zahl an Professuren in der Katholischen Theologie und das „interreligiöse Potenzial“.

"Notwendiges Maß an Sicherheit"

Auf Anfrage des Tagesspiegels bei der FU ist jetzt zu erfahren: Die Uni sichere ihren Studierenden „selbstverständlich Vertrauensschutz zu“. Wie lange, werde eine Aufhebungsordnung des FU-Fachbereichs zeigen. Aus der HU heißt es, dass es sich nach Absprache der Präsidien um die in solchen Fällen übliche Frist von sechs Semestern Regelstudienzeit im Bachelor plus zwei Semester handeln werde. Weil zum Wintersemester 2018/19 letztmalig an der FU Studienanfänger in Katholischer Theologie zugelassen wurden, müsste das Dahlemer Seminar demnach bis zum Sommer 2022 bestehen bleiben.

„Für die Studierenden bedeutet die Möglichkeit, an der FU ihren Abschluss zu machen, dass sie zu ihrem Recht kommen und ein für ein gutes Studium notwendiges gewisses Maß an Sicherheit haben“, sagt Kampling. Mentor Moritz Göthel meint, der jetzt beschrittene Weg sei aus studentischer Perspektive der beste: „Der Wechsel ist möglich, aber nicht zwingend.“ Nun sei zu hoffen, dass die Anerkennung von Studienleistungen an der HU „wohlwollend gehandhabt“ werde. Im Mai soll es für potenzielle HU-Studierende eine erste Informationsveranstaltung geben.

Die katholische Bibliothek bleibt in Dahlem

„Theologisch“ wird die Freie Universität auch über 2022 hinaus bleiben, weil die Bibliothek des Seminars wohl – anders als von der HU gewünscht - nicht umzieht. Eine Volluniversität wie die FU, an der im großen Umfang historisch und kulturgeschichtlich geforscht wird, brauche auch ohne Theologie eine einschlägige Bibliothek, meint Kampling.

Beim Umzug des Seminars aus seiner angestammten Dahlemer Villa 2015 in die "Holzlaube" der „Kleinen Fächer“ wurde auch seine Büchersammlung in die dortige Campusbibliothek integriert, existiert aber weiter als geschlossener Präsenzbestand. Ihr hoher Wert besteht unter anderem in dem 8400 Bände starken Bücherschatz zu den jüdischen-christlichen Beziehungen, den die Witwe des im Nationalsozialismus ins Exil vertriebenen jüdischen Religionswissenschaftlers Ernst Ludwig Ehrlich 2008 dem Seminar für Katholische Theologie schenkte.

Kampling selber steht – gemeinsam mit einer Gastprofessorin und einer Handvoll wissenschaftlicher Mitarbeiter – bereit, die Studierenden an der FU weiterhin zu betreuen. Im März wäre er regulär in den Ruhestand gegangen, hat jetzt aber für zunächst ein Jahr verlängert. Erleichterung auch an der HU: „Ich würde es begrüßen, wenn wir gemeinsam einen reibungslosen Übergang hinbekämen“, sagt Gründungsdirektor Johannes Helmrath. „Dass Herr Kampling dazu gegebenenfalls auch weiter die Studierenden in Dahlem betreut, ist sehr verdienstvoll.“

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