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Ein US-Virologe hat von chinesischen Forschern gelöschte Coronavirus-Sequenzen gefunden und ausgewertet. Foto: Arne Dedert/dpa
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War das Virus schon früher im Umlauf? Chinesische Forscher ließen Coronavirus-Sequenzen verschwinden

Wissenschaftler, die zum Corona-Ausbruch in Wuhan forschten, haben im Sommer 2020 Datensätze gelöscht. Ein US-Virologe hat einige Sequenzen nun gefunden.

Chinesische Forscher haben die U.S. National Institutes of Health (NIH) angewiesen, Sequenzen von Coronavirus-Fällen aus der Frühphase der Pandemie in Wuhan von einer der wichtigsten wissenschaftlichen Datenbasis zu löschen. Das bestätigte die NIH, wie mehrere US-Medien berichten.

Das Institut habe die Daten gelöscht, nachdem es eine Anfrage von einem chinesischen Forscher bekommen habe, der die Daten drei Monate zuvor hochgeladen hatte. Die NIH erklärte den Schritt damit, dass die Wissenschaftler, die die Daten hochladen, die Rechte an diesen hielten und es ihnen deshalb zustehe, diese zurückzuziehen.

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Details zu diesem Vorfall lieferte der Virologe Jesse Bloom in einer noch nicht in einem wissenschaftlichen Fachmedium veröffentlichten Arbeit am Dienstag. Demnach beinhalten die gelöschten Daten Coronavirus-Sequenzen, die im Januar und Februar 2020 in Wuhan von hospitalisierten Patienten oder solchen, bei denen eine Covid-19-Infektion vermutet wurde, gesammelt worden waren.

Bloom, Virologe am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, konnte allerdings einige der Sequenzen, die auf der NIH-Datenbasis gelöscht sind, in einem anderen Fachjournal auffinden.

In seiner Arbeit schreibt Bloom: „Ich habe einen Datensatz mit Virussequenzen aus der Frühphase der Pandemie in Wuhan identifiziert, der aus dem Archiv der U.S. National Institutes of Health (NIH) gelöscht worden war. Ich habe die gelöschten Daten von Google Cloud wiederhergestellt und teilweise Sequenzen von 13 Viren aus der Frühphase der Pandemie rekonstruiert.“

Verdacht liegt nah, dass das Virus schon früher im Umlauf war

Stammesgeschichtliche Analysen dieser Sequenzen mit bestehenden Daten ließen vermuten, so Bloom, dass die Sequenzen vom Huanan Seafood Market in Wuhan, wo das Virus zuerst auf den Menschen übergesprungen sein soll, nicht völlig repräsentativ für die Viren in der Frühphase der Pandemie in Wuhan seien.

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Stattdessen beinhalte der Vorläufer der bekannten Coronavirus-Sequenzen drei Mutationen im Vergleich zu den Viren auf dem Markt, die ihn den verwandten Fledermaus-Coronaviren ähnlicher machten. Das legt den Verdacht nahe, dass das Sars-CoV-2 bereits früher im Umlauf war, bevor des den Huanan Seafood Market in Wuhan erreichte.

Die wissenschaftliche Relevanz von Blooms Arbeit ist noch unklar. Klar ist bislang nur: Blooms Erkenntnisse können die Theorie, dass das Coronavirus auf einem Markt in Wuhan erstmals auf den Menschen übertragen wurde, weder bestätigen noch widerlegen.

Bloom selbst nennt das Vorgehen der chinesischen Forscher, den Datensatz zu löschen, zumindest „verdächtig“. „Es scheint so, als ob die Sequenzen gelöscht wurden, um ihre Existenz zu verschleiern“, sagte Bloom der „New York Times“. Die Sequenzen vom Markt sind unter anderem auch die Grundlage des Berichts, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit chinesischen Forschern zum Virus-Ursprung erstellt hat.

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