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Die Fischkutter im Einsatz vor der peruanischen Küste sind Teil der größten auf eine Fischart spezialisierten Fangflotte der Welt. Foto: Arnaud Bertrand, IRD
© Arnaud Bertrand, IRD

Wärmerer Ozean, kleinere Fische Klimawandel bedroht Perus Sardellenfischerei

Im Pazifik vor Peru könnten kleinere Fische die Sardellen verdrängen. Diese Auswirkung des Klimawandels hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen.

Der kühle Humboldt-Strom vor der Pazifikküste Südamerikas gilt als reichster Fischgrund der Welt. In den letzten 20 Jahren lieferte allein Peru laut Welternährungsorganisation FAO bis zu zehn Prozent der jährlichen Fänge auf dem Globus. Mit rund einhunderttausend Arbeitsplätzen ist die Fischerei in dem Land ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft.

Ihr droht jedoch der Zusammenbruch, wenn aufgrund des Klimawandels die Wassertemperatur steigt und die kleineren Grundeln die bisher dort meist gefangenen bis zu 20 Zentimeter langen Sardellen ersetzen.

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Massenaussterben von Arten in den Ozeanen

Für eine solche Entwicklung gibt es klare Hinweise aus der Vergangenheit, erklären Renato Salvatteci von der Christian-Albrechts-Universität Kiel und sein Team jetzt in der Zeitschrift „Science“. Ähnliches geschah bereits vor rund 120.000 Jahren, als eine wärmere Epoche das Wasser dort um rund zwei Grad Celsius erwärmte.

„Dieser Blick in die Vergangenheit ist wichtig, weil man so andere Einflüsse durch die Menschheit wie zum Beispiel die Überfischung ausschließen kann“, erklärt Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, der an dieser Studie nicht beteiligt war. „Wir kennen Beispiele von Klimaänderungen, die das Wasser erwärmten, während gleichzeitig immer kleinere Organismen in den Meeren schwammen“, sagt der Paläoumweltforscher.

Bei steigenden Wassertemperaturen laufen auch die Organismen der Fische und anderer Wasserbewohner auf höheren Touren. Daher brauchen sie mehr Sauerstoff, von dem im wärmeren Wasser aber viel weniger vorhanden ist. „Diese Kombination aus Sauerstoff-Mangel und steigenden Temperaturen löste in den vergangenen Jahrmillionen bereits mehrere Massenaussterben von Arten in den Ozeanen aus“, berichtet Kießling. Der derzeitige Klimawandel könnte ähnliche Folgen haben.

Das Team um Salvatteci hat Sedimente vom Meeresgrund vor der Küste seines Heimatlandes Peru untersucht, die sich in der Zeit von vor rund 130.000 bis vor 116.000 Jahren abgelagert hatten. Damals war gerade eine Eiszeit zu Ende gegangen und die Temperaturen auf der Erde lagen ein wenig höher als in der Zeit vor der Industrialisierung. Das Wasser vor der Küste Perus war vor 120.000 Jahren rund zwei Grad Celsius wärmer als heute, zeigen die Analysen. Ähnliche Verhältnisse erwartet der Weltklimarat IPCC für das Jahr 2100, wenn die Welt bei einer Klimapolitik bleibt, wie sie im Jahr 2010 gemacht wurde.

Anhand der Wirbel aus den Sedimenten konnte das Team das Vorkommen der Arten abschätzen (erste Reihe Grundelwirbel, zweite Reihe Sardellenwirbel). Foto: Renato Salvatteci, Universität Kiel Vergrößern
Anhand der Wirbel aus den Sedimenten konnte das Team das Vorkommen der Arten abschätzen (erste Reihe Grundelwirbel, zweite Reihe Sardellenwirbel). © Renato Salvatteci, Universität Kiel

Wie das Fischleben im Humboldt-Strom dann langfristig aussehen könnte, schließen die Forschenden aus fossilen Wirbelknochen, die in den Sedimenten enthalten sind. Von den meist etwa 14 Zentimeter langen Sardellen, die heute den Fisch-Reichtum des Humboldt-Stroms vor Peru ausmachen, sind in den Schichten aus der letzten Warmzeit kaum Wirbel enthalten. Wirbel von den fünf oder sechs Zentimeter langen Grundeln sind deutlich häufiger.

„Vermutlich war die Biomasse in der letzten Warmzeit ähnlich hoch wie heute“, sagt Salvatteci. Damals wie heute quollen vor der Küste Perus große nährstoffreiche Wassermengen aus der Tiefe zur Oberfläche. Nur gab es statt der relativ großen Sardellen mehr der kleineren Grundeln.

Weltweit spürbar Auswirkungen

Für die Fischerei wäre diese Entwicklung eine schlechte Nachricht. „Die kleineren Fische lassen sich viel schlechter fangen als die Sardellen“, erklärt Salvatteci. Der Klimawandel scheint also die Arbeitsplätze in der Fischindustrie Perus zu gefährden. Die dort gefangenen Sardellen werden fast gänzlich zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet und dienen als Futter für Fische in Aquakulturen in aller Welt. Schlechtere Fänge vor der peruanischen Küste hätten erheblichen Einfluss auf den Weltmarkt.

Die Sardellen (Engraulis ringens) werden fast ausschließlich zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl verwendet, die wichtige Bestandteile von Futtermitteln für Aquakulturen und Nutztiere sind. Foto: Arnaud Bertrand, IRD Vergrößern
Die Sardellen (Engraulis ringens) werden fast ausschließlich zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl verwendet, die wichtige Bestandteile von Futtermitteln für Aquakulturen und Nutztiere sind. © Arnaud Bertrand, IRD

Zudem werden auch in anderen Gewässern der Erde die Wassertemperaturen wahrscheinlich steigen und daher auch dort die Sauerstoff-Konzentrationen sinken. Besonders in den Regionen mit bereits heute relativ warmem und Sauerstoff-armem Wasser könnte sich dadurch die Artengemeinschaften hin zu kleineren Fischen ändern, was die Fischerei in vielen einkommensschwachen Ländern gefährden würde.

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