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Eine junge Professorin unterrichtet Studierende in einem Seminarraum. Foto: mauritius images
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Twitter-Aktion #IchBinHanna Karliczek sieht Unis und Länder in der Pflicht

Die Bundesbildungsministerin fordert, mehr Dauerstellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen. Die SPD will den Anspruch sogar zum Gesetz machen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich gegenüber dem Tagesspiegel zur Twitter-Aktion #IchbinHanna geäußert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist aus Karliczeks Sicht nicht die richtige Adresse für die vehement vorgetragenen Proteste der jungen Wissenschaftler:innen.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viele Anstrengungen unternommen, um die Karrierewege in der Wissenschaft attraktiver und planbarer zu machen. Diese zum Teil dauerhaft laufenden Programme haben bewusst eine Botschaft an den wissenschaftlichen Nachwuchs ausgesandt: Es werden mehr Dauerstellen geschaffen“, sagte Karliczek dem Tagesspiegel am Rande eines Interviews.

Jetzt sei es an den Ländern, den Hochschulen und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aus Mitteln des „Zukunftsvertrags ,Studium und Lehre stärken’, der „Exzellenzstrategie“ und des „Paktes für Forschung und Innovation“ die vereinbarten Dauerstellen auch wirklich zu schaffen.

Zuvor hatte das BMBF in Reaktionen auf die Twitter-Aktion darauf hingewiesen, dass das Video, auf das sich die Nachwuchswissenschaftler:innen beziehen, von 2018 stammt. Insofern bilde es nicht den Stand der Dinge nach den bis 2019 beschlossenen Bund-Länder-Programmen ab.

"Längst nicht alle können langfristig im Wissenschaftssystem tätig sein"

„Wir schaffen außerdem mit dem Tenure-Track-Programm verlässliche Karrierewege. Allein dafür investieren wir eine Milliarde Euro“, sagte Karliczek. Mit allen Programmen sei der ausdrückliche Auftrag an die Länder verbunden, „das Potenzial für längerfristige Beschäftigung zu erhöhen“.

Allerdings bitte sie um Verständnis, dass das nicht „für alle, die promovieren und einige Jahre erfolgreich in der Wissenschaft gearbeitet haben“ gelten könne, so Karliczek. „Längst nicht alle in der Wissenschaft ausgebildeten Personen können langfristig im Wissenschaftssystem tätig sein.

Befristungen sind gerade in der wissenschaftlichen Qualifizierungsphase leider notwendig. Ohne die Sonderbefristungsregeln würden die Möglichkeiten für eine wissenschaftliche Qualifizierung massiv eingeschränkt.“ Das umzusetzen, was mit den zusätzlichen Bundesmitteln möglich sei: Dabei seien seit 2019 die Länder und die Hochschulen am Zug.

Sehr viel weitgehendere Vorstellungen für die Zukunft der jungen Wissenschaftler:innen-Generation als die amtierende Ministerin hat die SPD-Fraktion im Bundestag. „Wer nach der Promotion in der Wissenschaft verbleibt, soll entweder eine Dauerstelle oder einen verlässlichen Karriereweg in die Professur erhalten“, heißt es in einem Positionspapier, das der Bundestagsfraktion am Dienstag zum Beschluss vorgelegt werden soll.

SPD: Ein Jahr nach der Promotion Tenure Track oder feste Stelle

„Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist nicht mehr zu retten“, sagte Wiebke Esdar, Berichterstatterin für Bildung und Forschung. „Wer sich für die Wissenschaft entschieden hat, soll nach der Promotion nicht weitere sechs Jahre in Unsicherheit bleiben“, sagte Esdar. Die SPD will ein „Gesetz für Gute Arbeit in der Wissenschaft“ auf den Weg bringen.

Nach der Promotion soll eine Befristung nur für ein weiteres Jahr zulässig sein, danach müsse die Uni den Postdocs einen Tenure-Track (etwa als Junior-Professor:in) oder eine unbefristete Stelle (etwa als Lehrkraft für besondere Aufgaben oder Akademische Rätin/Rat) anbieten. Drittmittelbefristungen müssten der Laufzeit der Finanzierung entsprechen, mindestens jedoch drei Jahre.

Ein weiterer Schwerpunkt des SPD-Papiers liegt auf der Stärkung der Lehre an den Hochschulen. „Nach einem Jahrzehnt der Forschung muss jetzt ein Jahrzehnt der Lehre kommen“, sagte Oliver Kaczmarek, Sprecher der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Fraktion. Studium und Lehre müssten in den „in den Förderformaten des Bundes ein höheres Gewicht“ erhalten, heißt es.

So solle die Stiftung Innovation in der Hochschullehre zu einer Allianz für gute Hochschullehre werden – und „allgemeine und bundesweit gültige methodische Standards für gute Hochschullehre entwickeln sowie fortlaufend innovative Lehrprojekte fördern“.

Zu dem von den Hochschulen geforderten eigenen Digitalpakt heißt es, sie müssten systematisch dabei unterstützt werden, „die Digitalisierung zu konsolidieren und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln“. Dazu wird eine von Bund und Ländern getragene Digitalisierungspauschale vorgeschlagen.

Für Promovierende fordert die SPD mehr vom Bund geförderte Graduiertenschulen an den Unis.

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