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Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids war im Pandemiejahr 2020 nur kurzfristig zurückgegangen.  Foto: C. Hardt/imago images/Future Image
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Treibhausgas weiter auf Rekordkurs CO2-Emissionen wieder auf Vor-Krisen-Niveau

Der Rückgang durch die Pandemie war kein dauerhafter Effekt. Experten erwarten beim Kohlendioxid-Ausstoß Werte wie 2019.

Die Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas werden in diesem Jahr weltweit wieder annähernd das Niveau aus der Zeit vor der Covid-19-Pandemie erreichen. 2020 waren sie aufgrund der weltweit verhängten Infektionsschutz-Maßnahmen noch deutlich gesunken, um durchschnittlich 5,4 bis 5,6 Prozent. Dass dies kein dauerhafter Effekt ist, zeigen nun vorläufige Zahlen des „Global Carbon Project“, die am Donnerstag anlässlich der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow veröffentlicht wurden.

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Demnach nähern sich 2021 nach Hochrechnungen auf der Basis von Messungen bis Ende Oktober die Emissionen mit 36,4 Milliarden Tonnen wieder dem Niveau von 2019 an (36,7 Milliarden Tonnen). Damit wird in diesem Jahr voraussichtlich rund fünf Prozent mehr Kohlendioxid als im Jahr 2020 (34,8 Milliarden Tonnen) ausgestoßen.

„Die Emissionen aus Kohle- und Gasverbrauch nehmen 2021 stärker zu, als sie 2020 gesunken sind, die Emissionen aus der Verbrennung von Öl bleiben jedoch unter dem Niveau von 2019“, schreiben die Forschenden in ihrem vorläufigen Bericht, der als Preprint in der Zeitschrift „Earth System Science Data“ erschienen ist. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte es im kommenden Jahr ungeachtet aller Klimaschutzversprechen einen neuen Höchstwert bei den Emissionen des Treibhausgases geben.

Rückkehr zu Trends aus der Vor-Corona-Zeit

Jährlich ziehen die Wissenschaftler:innen des „Global Carbon Projects“ Bilanz darüber, wie viel CO2 weltweit in die Atmosphäre gelangt und von natürlichen Senken wieder aufgenommen wird. Bei Ländern mit hohem CO2-Ausstoß scheinen demnach die Emissionen in diesem Jahr zu den Trends aus der Zeit vor der Corona-Pandemie zurückzukehren: „Das heißt sinkende CO2-Emissionen in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union und steigende CO2-Emissionen in Indien.“

In China, dem mit Abstand größten Verursacher von Treibhausgasen, gab es bereits 2020 einen deutlichen Anstieg, nachdem die Volksrepublik die Corona-Pandemie schneller eingedämmt hatte als andere Länder. So waren die Emissionen dort im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gestiegen, während sie in den USA um 10,6 und in der EU um 10,9 Prozent zurückgegangen waren.

In den USA und der EU Abwärtstrend seit 15 Jahren

Einen Abwärtstrend gibt es in den USA und der EU bereits seit rund 15 Jahren, während es in China seit etwa 20 Jahren steil nach oben geht. 2021 werden dort die Emissionen nach den neuen Zahlen um vier Prozent auf 11,1 Milliarden Tonnen steigen (31 Prozent der globalen Emissionen). Damit liegen sie 5,5 Prozent über dem Niveau von 2019.

[Ein aktuelles Interview mit dem deutschen Klimaökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zu dem Klimagipfel in Glasgow, zu den Benzinpreisen, den Folgen des CO2-Preises und der Bedeutung des sozialen Ausgleichs finden Sie hier.]

In der EU und den USA wird der CO2-Ausstoß 2021 voraussichtlich jeweils 7,6 Prozent höher liegen als 2020 (2,8 Milliarden Tonnen, rund sieben Prozent der globalen Emissionen). Damit liegen die Emissionen in der EU immer noch 4,2 Prozent unter dem Niveau von 2019, in den USA 3,7 Prozent darunter. In Indien erwarten die Experten einen Anstieg von 12,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Tonnen (sieben Prozent der globalen Emissionen), was dann 4,4 Prozent über dem Niveau von 2019 liegen würde.

„Der Wieder-Anstieg der CO2-Emissionen fast auf das Niveau von 2019 zeigt, dass es bisher kaum strukturell wirksame Lösungen in den Plänen der Länder gibt, um den Ausstoß dauerhaft zu reduzieren“, lautet die Einschätzung von Judith Hauck vom „Global Carbon Project“. 

Das Ziel, bis 2050 unterm Strich keine Treibhausgase mehr auszustoßen, könne nur gelingen, wenn die gesamten CO2-Emissionen jedes Jahr um durchschnittlich 1,4 Milliarden Tonnen gesenkt werden, so die Klimawissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI). „Deshalb müssen wir nun schnell wirkende Lösungen finden und global umsetzen, um Emissionen dauerhaft zu senken.“ 

Höchstwert bei CO2-Konzentration in der Atmosphäre

Die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre hatte im Mai dieses Jahres den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Nach Angaben der US-Behörde für Wetter, Klima und Ozeanographie (NOAA) verzeichnete das Mauna Loa-Observatorium in Hawaii, das seit 1958 Messungen vornimmt, für den Mai 2021 durchschnittlich 419 Teile pro Million (ppm). Im Mai werden gewöhnlich die höchsten Kohlendioxidwerten im Jahr gemessen.
Der weltweite Anteil an CO2, der in der Atmosphäre bleibt, steigt nach dem neuen Bericht auch in diesem Jahr weiter an, um 2.0 ppm auf voraussichtlich 415 ppm. 

[Alle aktuellen Entwicklungen rund um die gegenwärtig laufende Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow lesen Sie im aktuellen Blog des Tagesspiegels]

Den Forschenden zufolge reagieren die CO2-Senken an Land und in den Ozeanen wie erwartet auf diesen Anstieg und nehmen mehr CO2 auf. „Allerdings setzt ihnen der Klimawandel zu: Modell-Abschätzungen zeigen, dass er die Kohlenstoffsenken an Land um etwa 15 Prozent abschwächt und im Ozean um etwa fünf Prozent“ , heißt es.

In diesem Jahr haben die Forschenden die Ozeansenke zum ersten Mal nicht nur aus Modellen berechnet, sondern auch Beobachtungs-basierte Abschätzungen einbezogen. Das vorläufige Ergebnis: 2021 haben Ozeane etwa 10,6 Milliarden Tonnen CO2 aufgenommen. Damit setze sich der Trend fort, dass die CO2-Aufnahme der Ozeane zunimmt, parallel zum steigenden CO2-Gehalt der Atmosphäre. 

„Die Entwicklung der Ozeansenke in den nächsten Jahrzehnten, als Reaktion auf den steigenden CO2-Gehalt sowie den fortschreitenden Klimawandel, wird sich auch auf die Atmosphäre auswirken. Wie genau, erforschen wir am AWI“ , sagte Judith Hauck.

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