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Ein Friseur schneidet einer Kundin in seinem Salon die Haare Foto: Roland Schlager/APA/dpa
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Studie liefert Hinweise So hoch ist das Infektionsrisiko in Supermarkt, Schule und Friseur

Sollten Schulen, Friseure und Co. wieder öffnen? Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Risiko einer Ansteckung. Eine Studie zeigt, wo es besonders hoch ist.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen? Eine Frage, die an diesen kalten Tagen nicht nur im Privaten, sondern auch bei möglichen Öffnungen von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kitas sowie bei Restaurants, Geschäften und Friseuren besonders relevant ist.

Eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin (TU), die dem Tagesspiegel vorliegt, liefert hierzu neue Erkenntnisse. Das Ergebnis: In Büros und Schulen sind Menschen einem höheren Risiko ausgesetzt als etwa im Theater oder beim Friseur – sofern die gängigen Hygiene-, Abstands- und Lüftungsregeln eingehalten werden. Wie kommt es dazu?

Lüftungsexperte Martin Kriegel hat für die Untersuchung mithilfe des Infektionsrisikomodells, das die TU zusammen mit dem Robert Koch-Institut und der Berliner Charité entwickelt hat, einen sogenannten situationsbedingten R-Wert abgeleitet. R-Wert 1 bedeutet hierbei, dass sich in einer bestimmten Situation oder in einem bestimmten Raum bei einem Infizierten eine weitere Person ansteckt.

Um den R-Wert berechnen zu können, hat Kriegel unter anderem die Aufenthaltsdauer, den Luftstrom und die Art der Aktivitäten im Raum berücksichtigt (zum Beispiel liegen, sitzen, Sport, wenig oder viel sprechen). Für das Infektionsrisiko entscheidend sei die eingeatmete Dosis an Aerosolpartikeln. Diese hänge neben der Ausstoßmenge eben auch von der Atemaktivität (Quelle und Empfänger) und der Aufenthaltsdauer im Raum ab.

Studie setzt Einhaltung der AHA+L Regeln voraus

Vorausgesetzt hat Kriegel für die Studie außerdem, dass die AHA+L Regeln eingehalten werden, also insbesondere gelüftet und Abstand gehalten wird. Außerdem geht er davon aus, dass eine Alltagsmaske oder aber eine medizinische Maske eine Filtereffizienz von 50 Prozent aufweist. „Sie setzt sich zusammen aus der verringerten Emission bei der infizierten Person und aus der Filterleistung beim Einatmen bei den gesunden Personen“, heißt es in der Studie.

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Kriegel und seine Kollegen kommen dabei zu dem Ergebnis, dass ein Supermarkt mit Maskenpflicht auf einen R-Wert von 1 kommt. Es bedeutet, dass hier ein Infizierter maximal eine weitere Person anstecken wird. Der Wissenschaftler geht hier von einer Aufenthaltsdauer von einer Stunde und einer leichten körperlichen Tätigkeit mit wenig Sprechanteil aus.

Theater- und Friseurbesuch ungefährlicher

Ein Büro mit mehreren Personen habe hingegen bei einer 50 Prozent reduzierten Belegung, einer Aufenthaltsdauer von acht Stunden und ohne Maskenpflicht einen Wert von 8. Ein Infizierter steckt hier also maximal acht weitere Menschen an.

Die Abbildung zeigt, wie hoch der R-Wert in den jeweiligen Räumen ist. Foto: TU Berlin Vergrößern
Die Abbildung zeigt, wie hoch der R-Wert in den jeweiligen Räumen ist. © TU Berlin

Als weiteres Beispiel nennt die Studie einen zweistündigen Theaterbesuch. Bei einer Belegung von 30 Prozent und mit einer Maskenpflicht auch auf dem Sitzplatz sei das Risiko für eine Infektion nur halb so hoch wie im Supermarkt. Bei einer weiterführenden Schule, in der Räume nur zu 50 Prozent belegt sind und es eine Maskenpflicht gibt (sechs Stunden Aufenthalt), wird der R-Wert hingegen auf 2,9 beziffert, ohne Maske liegt der R-Wert hier doppelt so hoch.

„In Büros und Schule ist das Risiko sehr hoch“

Bei einem Friseurbesuch mit Maske (zwei Stunden Aufenthalt) kommen die Wissenschaftler auf einen Wert von 0,6, in einem Fitnessstudio (1,5 Stunden Aufenthalt) mit 50-prozentiger Belegung und ohne Maske auf 3,4. In einem Restaurant (1,5 Stunden Aufenthalt), das nur die Hälfte der Sitzplätze anbietet, liegt der Wert bei 2,3. In einem Kino (zwei Stunden Aufenthalt) mit 30-prozentiger Belegung ist der R-Wert bei 1.

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Was heißt das nun für mögliche Öffnungsstrategien? Experte Kriegel hat diese Untersuchung gemacht, weil ihm wichtig war, die einzelnen Räumlichkeiten miteinander vergleichen zu können beziehnungsweise die R-Werte in den Räumen in ein Verhältnis setzen zu können.

Sein Fazit: „In Büros und Schule ist das Risiko einer Ansteckung sehr hoch.“ Der entscheidende Faktor ist Kriegel zufolge hier nämlich die Aufenthaltsdauer. Acht Stunden Arbeit oder zwei Stunden Kino – das sei ein großer Unterschied. Je länger man sich in einem Raum aufhalte, umso größer sei die eingeatmete Dosis an Aerosolpartikeln. „ Und ab einer bestimmten Dosis kommt es dann zu einer Infektion.“

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