Überflieger. Benjamin Hadrigan galt als Schulversager. Jetzt steht der 17-jährige Österreicher kurz vor dem Abitur. Seit zwei Jahren studiert er neben der Schule Wirtschaftsrecht. Über seine Lernstrategien hat er jetzt ein Buch veröffentlicht. Foto: Promo
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Siebzehnjähriger Buchautor Hadrigan „Besser lernen mit WhatsApp“

Rabea C. Westarp

Benjamin Hadrigan will die Bildung ein bisschen revolutionieren. Im Interview erklärt er, wie sich seiner Ansicht nach die Schule verändern muss.

Herr Hadrigan, als Sie aufs Gymnasium kamen, galten Sie als versetzungsgefährdeter Schulversager. Nun studieren Sie neben der Schule und haben gerade einen Bestseller geschrieben, mit dem Sie die Schule umkrempeln wollen. Wie kam es dazu?

Meine Lehrerin prophezeite mir immer, ich würde das Gymnasium nie schaffen. Das habe ich als Herausforderung gesehen. Vor der nächsten Klassenarbeit habe ich also stundenlang gelernt und ihr versprochen: „Nächstes Mal schreibe ich eine Eins!“ Das hat nicht auf Anhieb geklappt, aber mein Ehrgeiz war geweckt. Ich habe also viel Zeit damit verbracht, die richtige Lernmethode für mich zu finden – und war letztlich erfolgreich.

In Ihrem Buch „#Lernsieg“ üben sie grundsätzliche Kritik am Schulsystem. Was sollte sich ändern?

Es ist meiner Meinung nach fatal, dass man in der Schule zu keinem Zeitpunkt lernt, wie man denn eigentlich lernt. Was für ein Lerntyp bin ich? Welche Lernmethoden machen mir Spaß und sind deshalb für mich effektiv? Jedes Kind freut sich auf seine Einschulung, weil es Lust hat, etwas zu lernen. Diese Lust, dieser Wissensdrang kommt den meisten Schülern und Schülerinnen in ihrer Schullaufbahn abhanden. Das müsste nicht sein. Würde man beim Einstieg auf die weiterführende Schule etwa ein Jahr lang ein Fach anbieten, in dem es darum geht, den Schülern zu vermitteln, wie man effektiv und mit Freude lernt, wäre so viel getan.

Wäre damit alles getan?

Nein. Unser Bildungssystem müsste umstrukturiert werden, angefangen bei einem normalen Schultag. Kinder und Jugendliche haben teilweise fünf oder sechs verschiedene Fächer am Tag. Bei so kurzen Stunden und den schnellen Wechseln zwischen Fächern, Lehrern und Klassenräumen vergisst man vieles direkt wieder. Sinnvoller wären weniger Fächer an einem Tag und dafür längere Stunden.

Den Digitalpakt Schule, der in Deutschland die Digitalisierung von Schulen fördern soll, kritisieren Sie ebenfalls. Warum?

Ich stehe dem Digitalpakt gespalten gegenüber. Ohne Zweifel sollte man in Bildung investieren, aber die Frage ist doch, in was genau? Alle Schüler und Schülerinnen haben heutzutage ein Handy und kennen sich damit wahrscheinlich besser aus als die Lehrkräfte. Schnelles Internet und moderne Computer sind schön und gut, aber im Endeffekt können Smartphones all das auch. Sie sind das Medium der Zukunft. Meiner Meinung nach wäre eine Investition in die Fortbildung der Lehrkräfte viel sinnvoller. Sie müssen sich ebenfalls mit moderner Technik vertraut machen – und so ausgebildet werden, dass sie ihren Schülern das Lernen mit Freude beibringen können.

In Ihrem Buch vermitteln Sie Schülerinnen und Schülern, mit Spaß für die Schule zu lernen. Dafür sollen sie soziale Medien wie Snapchat, WhatsApp und Instagram nutzen. Diese Plattformen sind alle auf Entertainment und Kommunikation ausgelegt. Wie kann man sie zu Lernzwecken nutzen?

Bei all diesen Plattformen geht es um Kommunikation – und darum, Dinge vereinfacht darzustellen, etwa, wenn man ein Foto auf Instagram postet und es mit einem simplen Hashtag versieht. Auch beim Lernen geht es darum, Stoff zu vereinfachen und wichtig von unwichtig zu unterscheiden. Wir machen uns also die extrem einfache Struktur dieser Plattformen zunutze und gebrauchen sie für unterschiedliche Phasen des Lernens. Instagram bietet sich an, um komplexe Sachverhalte zu strukturieren und aufzuteilen. Snapchat löscht die gesendeten Bilder nach wenigen Sekunden unwiderruflich, das eignet sich super, um einander abzufragen. In Videocalls und Gruppenchats bei WhatsApp und kann man sich im Team Unverständliches gegenseitig erklären. Die Mischung macht’s – und die sieht für jeden Lerntyp ein wenig anders aus.

Dann ist die Nutzung dieser Plattformen eigentlich eine neue Methode, um Altbewährtes umzusetzen?

Absolut! Ich habe nicht das Rad neu erfunden. Ich habe traditionelle Lernmethoden ins 21. Jahrhundert übertragen. Die meisten jungen Leute in meinem Alter verbringen wirklich viel Zeit auf diesen Plattformen. Deren Nutzung macht ihnen also Spaß. Logisch also, dass die Einbindung in ihre Lernstrategien ihnen ebenfalls Freude bereitet. Genau darum geht es beim Lernen!

WhatsApp, Instagram und Co. stehen häufig wegen mangelhaften Datenschutzes in der Kritik. Sehen Sie darin keine Gefahr?

Ich bin mit dem Handy aufgewachsen, für mich war immer klar, dass alles, was ich damit tue, Spuren hinterlässt. Ich halte es für wichtig, dass es eine Diskussion darüber gibt, wer was mit diesen Spuren tun darf, und dass aus dieser Diskussion entsprechende Gesetze hervorgehen. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die sich damit befassen, und es beruhigt mich, wenn es mehr werden. Ich selbst achte darauf, welche Spuren ich hinterlasse, aber im öffentlichen Führen dieser Diskussion sehe ich nicht meine Rolle. Die sehe ich darin, zu zeigen, dass sich das Handy nicht nur für Spiel und Spaß, sondern eben auch für erfolgreiches Lernen verwenden lässt.

Folgt man Ihrem Konzept, hieße das, es kommt allein auf die Lernstrategie an. Glauben Sie nicht, manchen Menschen liegen manche Fächer einfach mehr oder weniger als anderen?

Nein. Ich bin überzeugt davon, dass es niemals am Stoff selber liegt, sondern einzig an der angewendeten Lernmethode. Es gibt visuelle, auditive, motorische und kommunikative Lerntypen. Wer seine ganze Schulzeit lang versucht, gut in Mathe zu werden, aber konstant die falschen Methoden für seinen Lerntypus anwendet, kann keinen Erfolg haben. Ich hatte mal einen Nachhilfeschüler, der wirklich unheimlich viel gelernt hat. Er hat sich zig Lernzettel geschrieben, sie immer wieder durchgelesen und trotzdem schlechte Noten bekommen. Als ich dann mit ihm gelernt habe, wurde ganz schnell klar: Visuelles Lernen liegt ihm nicht, er ist der auditive Lerntyp. Hatte er seine Lernmethode erst einmal gefunden, schrieb er auch gute Noten.

Schon mit 15 haben Sie neben der Schule ein Studium in Wirtschaftsrecht angefangen. Wie schaffen Sie das?

Alles, was ich mache, macht mir Spaß, ich denke das ist der Schlüssel. Außerdem habe ich kürzlich ein Modelabel gegründet – zum kreativen Ausgleich sozusagen. Dazu zwingt mich keiner, das ist einfach meine Art der Freizeitbeschäftigung.

Was soll danach kommen?

Mein Buch ist ja gerade erst erschienen, das wird jetzt erst mal Zeit in Anspruch nehmen – Promotion, Interviews und so. Danach werde ich als Lerncoach verschiedene Schulen besuchen. Und dann werde ich mich erst mal wieder komplett auf meine eigene Schullaufbahn konzentrieren, denn im nächsten Jahr steht meine Matura-Prüfung an, wonach ich dann auch gleich mein Studium beenden werde. Und dann – ich weiß nicht, vielleicht ein zweites Buch? Lust hätte ich. Ich könnte mir aber auch vorstellen, mal im Bildungsbereich tätig zu sein. Ein wenig Jugend würde der Bildungspolitik guttun!

- Das Buch „#Lernsieg. Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp“ von Benjamin Hadrigan ist beim Verlag edition a erschienen und kostet 20 Euro.

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