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Endlich an die Uni. Drei Semester fand die Lehre hauptsächlich online statt. Jetzt soll es wieder mehr Angebote vor Ort geben. Foto: imago images/Joko
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Semesterstart in Präsenz „Es wird ein kleines Abenteuer“

Larena Klöckner

Die Berliner Hochschulen starten in das erste Semester, in dem es zurück auf den Campus geht. Lehrende und Studierende freuen sich, haben aber auch Zweifel. Eine Umfrage.

Freude, Spannung und auch Sorge: Wie Studierende und Dozierende den Semesterstart in Präsenz sehen: 


Friedrich Baltzer studiert im Bachelor Verkehrswesen an der Technischen Universität Berlin.

In einer Woche beginnt für mich das neunte Semester an der TU Berlin – und damit seit drei Semestern das erste, in dem wieder regelmäßig Veranstaltungen in Präsenz auf dem Campus stattfinden dürfen. Worauf ich mich besonders freue, ist das kleine Abenteuer am 18. Oktober, wenn es das erste Mal wieder zu einer Vorlesung an die Uni geht.

Mir hat es sehr gefehlt, sich auf den Fluren der TU über den Weg zu laufen, sich spontan auszutauschen oder zu den Vorlesungen zu verabreden. Gerade diese kurzen spontanen Interaktionen kamen in der vergangenen Zeit deutlich zu kurz.

Ich blicke aber auch mit etwas mit Sorge und Spannung auf den Semesterstart. Die Frage drängt sich auf, ob der Start in Präsenz nicht doch etwas verfrüht kommt und wie mit eventuellen Infektionen umgegangen wird. Wenn eine Vorlesung in Präsenz stattfindet und jemand mit Kontakt zu einer infizierten Person in Quarantäne muss, wie kommt die Person dann an die Vorlesung, wenn sie nicht aufgezeichnet wird?

Die Pandemie hat aber gezeigt, dass Universitäten in großen Teilen aus dem Homeoffice funktionieren können – auch wenn es überall ein paar Startschwierigkeiten gegeben hat. Ich hoffe daher sehr, dass wir die Vorteile beider Welten auch in Zukunft miteinander kombinieren können. So hat im vergangenen Semester ein Dozent angekündigt, seine Vorlesungen zukünftig hybrid zu gestalten, sodass sie von zu Hause aus und im Hörsaal gehört werden können.

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Friedrich Baltzer. © Privat

Jan Eickelberg ist Professor für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

Ich freue mich sehr darauf, dass es in den Kursen bald wieder zum direkten und unmittelbaren Austausch zwischen den Studierenden und mir und vor allem den Studierenden untereinander kommen wird. Denn wenn wir eines gelernt haben in der Corona-Zeit, dann, dass eine Hochschule ein Raum ist für den Austausch, für Diskussionen und für gegenseitiges Lernen und nicht nur eine bloße Ansammlung von Lehrveranstaltungen.

Die Erkenntnisse und eigenen Lernergebnisse aus der Onlinelehre möchte ich in die kommende Präsenzlehre integrieren. Zahlreiche digitale Elemente können schließlich auch im Hörsaal zum Einsatz kommen. So habe ich viele interaktive Videos produziert, Interviews mit Praktikern aufgenommen, diverse digitale Tools ausprobiert und mich von meinen Studierenden animieren lassen, einen Podcast zu starten.

Mir ist in den letzten Semestern auch bewusst geworden, wie sehr die Präsenzlehre wertgeschätzt werden sollte. Ich möchte dort wieder auf das fokussieren, was für den Kompetenzgewinn der Studierenden besonders bedeutsam ist: Interaktion, Diskussion und Dialog statt Monolog.

Im Sinne des Blended Learning können rein wissensvermittelnde Teile beispielsweise in Videos verlagert werden, die dann in der Präsenzlehre besprochen und diskutiert werden. Zudem haben wir während des Onlinesemesters einen echten Teamspirit zwischen Lehrenden und Studierenden erlebt. Genau mit diesem werden wir bestimmt auch die Sicherheit vor Ort garantieren und entsprechende Regeln einhalten können. Ich vertraue da auf die Vernunft aller Betroffenen.

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Jan Eickelberg. © Marc Garner

Dijana Kolak startet an der Freien Universität Berlin in ihr Bachelorstudium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaften.

Bereits während meiner Abizeit 2020 war es abzusehen, dass kein gewöhnlicher Studienstart bevorstehen würde. Umso bestätigter habe ich mich in meiner Entscheidung gefühlt, erst ein freiwilliges soziales Jahr zu machen, bevor ich mich in das Unileben werfe. Von anderen Studierenden habe ich gehört, dass die letzten beiden Semester der Horror waren.

Jetzt hatten die Universitäten ein Jahr lang Zeit, digitale Lernformate auszuprobieren. Deswegen sind meine Erwartungen an das kommende Wintersemester hoch.

Bei der zentralen Einführungsveranstaltung neben anderen Neustudierenden zu sitzen, auf dem Campus herumzulaufen – das war total schön. Dabei habe ich realisiert, dass ich jetzt anfange zu studieren. Vorher war das ein bürokratischer Vorgang. Mit der Campuscard in der Hand und umgeben von vielen Menschen wurde es dann ein bisschen realer.

Sobald die Infektionszahlen steigen sollten, hoffe ich, dass die Freie Universität Berlin auf die 2G-Regelung setzen wird. Und natürlich hoffe ich, dass so viel wie möglich in Präsenz stattfinden wird. Als Ersti ist es für mich wichtig, meine Kommiliton:innen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Das funktioniert am besten face to face – wenn auch mit Maske.

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Dijana Kolak. © Maximilian Csali

Stefan Schöch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Katholische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Meine aktuelle Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter habe ich im April übernommen. Wie viele der Studierenden kenne ich also noch nicht die Lehre in Präsenz. Besonders in Bezug auf die Interaktion stelle ich sie mir aber viel leichter vor. Das gilt auch für die Vorbereitung auf die Seminare. Die Onlinelehre war für mich recht aufwendig. Der Unterricht vor Ort wird wieder spontaner werden, es wird mehr direkter Austausch stattfinden.

Denn auch in der Kirchengeschichte steht das praktische Arbeiten am Materialobjekt – meist das gemeinsame Lesen und Besprechen von Texten – im Zentrum. Auch die besten Online-Formate erweisen sich dazu nicht als barrierefrei. Ich freue mich daher, wenn in Präsenz die Diskussionskultur wieder auflebt. Meine Lehrveranstaltungen betreffen vor allem Studierende in den ersten und zweiten Semestern. Deswegen wird besonderer Wert darauf gelegt, diese Veranstaltungen in Präsenz abzuhalten.

Mit den Leitfäden der HU wird hoffentlich ein sicheres Arbeiten in Präsenz möglich sein. Im Großen und Ganzen ist das eine breite Regelung, die Anwendung findet und von Lehrenden wie auch dem Wachpersonal überprüft wird. Zudem gibt es eine Teilnehmerbeschränkung. Am noch jungen Zentralinstitut für Katholische Theologie ist diese jedoch weniger relevant – in meinem Seminar sind wir aktuell nur etwa zwölf Teilnehmende.

Stefan Schöch. Foto: Privat Vergrößern
Stefan Schöch. © Privat

Charlotte Westphal studiert im Bachelor Modedesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass dieses Semester hauptsächlich wieder in Präsenzlehre stattfinden wird. Mein Studiengang ist sehr auf die praktische Arbeit ausgelegt, zudem habe ich meine Uni aufgrund ihrer Ausstattung und Maschinen ausgewählt. Das hat nun die letzten eineinhalb Jahre sehr unter der Pandemie gelitten.

Wie viele andere meiner Kommiliton:innen habe auch ich die Regelstudienzeit verlassen, da wir in den „Coronasemestern“ gar nicht richtig studieren konnten. Aber die Onlinelehre hatte auch etwas Gutes: Ich habe die Flexibilität und Agilität sehr gemocht. Ich würde mir wünschen, dass die theoretischen Inhalte, wenn möglich, weiterhin so vermittelt werden.

Im Hinblick auf das kommende Semester ist es dennoch ungewohnt, bald wieder mit vielen Menschen in den begrenzten Räumlichkeiten der Studios zu arbeiten. Natürlich hat die Hochschule ein Hygienekonzept entwickelt. Ich habe jedoch das Gefühl, dieses Konzept verlässt sich sehr auf die Aufrichtigkeit und Initiative jedes einzelnen Studierenden.

Klare Kontrollen der Test- oder Impfzertifikate zum Beispiel über QR-Codes an den Gebäudeeingängen würden mein mulmiges Gefühl schon mehr beruhigen.

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Charlotte Westphal. © Foro: Privat
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