Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Ansichtssache. Oligodon churahensis ist klein und gut getarnt - und sieht ähnlichen Arten - nun ja - ziemlich ähnlich. Abb.: Mirza et al. via Evol. Systematics
© Abb.: Mirza et al. via Evol. Systematics

Schlange online Forscher entdecken neue Reptilien-Art via Instagram

Wissenschaftler haben in Indien eine neue Nattern-Spezies gefunden - allerdings nicht so ganz auf die klassische Art und Weise.

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen steht Interessantes oft sehr versteckt. Die Fachzeitschrift „Evolutionary Systematics“ etwa publizierte kürzlich einen Artikel, in dessen Danksagungsanhang zu lesen stand, dass die Entdeckung, um die es in unzähligen fachwortschwangeren Zeilen darüber geht, ohne Instagram nicht möglich gewesen wäre.

Erklären kann das Zeeshan Mirza, ein junger Biologe am National Centre for Biological Sciences in Bangalore im Süden Indiens.

Die Schlange von nebenan

Ihm fiel im Juni 2020 ein Instagram-Post aus dem Norden Indiens auf. Der zeigte eine Schlange. Mirza hatte einen Verdacht. Anderthalb Jahre später ist er Erstautor jenes Fachartikels – und Erstbeschreiber einer neuen Spezies.

Die heißt Oligodon churahensis, weil sie zur tropischen Natterngattung Oligodon zählt und im Churah-Tal in Himachal Pradesh im West-Himalaja gefunden wurde. Benannt und im für die Ewigkeit mit dieser Art verbundenen Fachartikel beschrieben hat sie neben Mirza und dessen Kollegen Harshil Patel ein junger Mann namens Virendar Bhardwaj.

Der war 2020 Masters-Student an der Guru Nanak Dev University in Amritsar. Wegen der Pandemie musste er viel Zeit zuhause in Chamba, einer Kleinstadt am Fuß jenes Gebirges verbringen.

Er vertrieb sich dort 1000 Meter über dem Meeresspiegel die Zeit mit aktiver Heimatkunde und fotografierte dabei unter anderem alles, was in der Umgebung seines Elternhauses kreuchte und fleuchte: Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien.

Wer Schlangen guckt bekommt Schlangen gezeigt

Am 5. Juni 2020 war eine Schlange dabei, weiß-braun. Offensichtlich war es eine Kukri, wie die Mitglieder der Gattung Oligodon auch genannt werden. In Bangalore spülte der Instagram-Algorithmus, der sich eben auch merkt, dass ein Schlangenkundler sich online oft Schlangen ansieht, das Foto auf Mirzas Bildschirm. „Ich habe durch meinen Such-Feed gescrollt, da fand ich das Bild der neuen Art“, so der Biologe.

Bald darauf besuchte er Bhardwaj. Sie fanden die in der Gegend durchaus bekannten Schlangen neben einer unbefestigten Straße relativ schnell wieder. Im Fachartikel versteckt inmitten der genauen Beschreibung noch die Anekdote, dass es ganz so einfach aber nicht war.

Eine der Schlangen – vielleicht in dunkler Vorahnung, konserviert als Typen-Exemplar im Museum zu landen – biss einen der Forscher. Offenbar war sie ungiftig.

Bekannt und unbekannt zugleich

Auch die Pandemie machte Probleme, etwa weil es teilweise unmöglich war, Museen zu besuchen, in denen Vergleichsexemplare lagen. Letztlich aber stellte sich sowohl morphologisch als auch genetisch heraus, dass diese Kukri eine für die Wissenschaft neue Kukri war.

Ebenfalls in der Danksagung versteckt ist der Name Jakob Hallermann. Der arbeitet am Zoologischen Museum Hamburg und hat die Arbeit mit begutachtet. Er kannte die Entstehungsgeschichte nicht einmal. Aber auch ohne Instagram sei es in eher schlecht untersuchten Gegenden wie dem westlichen Himalaja, „nicht verwunderlich“, wenn neue Spezies, die den Einwohnern vor Ort aber meist sehr wohl bekannt seien, entdeckt würden.

Zur Startseite