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Die Jacobs Universität in Bremen. Foto: Ingo Wagner/dpa
© Ingo Wagner/dpa

Rettung für Privathochschule? Multimillionär Beloussov soll „Jacobs University Bremen“ übernehmen

Die Bremer Jacobs University ist eine der größten Privathochschulen in Deutschland - und seit langem in Geldnot. Jetzt soll sie ein Multimillionär retten

Die seit Jahren ums Überleben kämpfende private Hochschule „Jacobs University Bremen“ (JUB) soll jetzt von dem russischstämmigen Geschäftsmann Serguei Beloussov gerettet werden. Das hat der rot-grün-rote Bremer Senat am Dienstag beschlossen.

Demnach übernimmt das von Beloussov gegründete und geführte Schweizer „Schaffhausen Institute of Technology“ (SIT) die JUB-Mehrheitsanteile, die noch bis Ende 2020 bei der Jacobs-Foundation lagen und seitdem beim Land Bremen zwischengeparkt werden.

Beloussov wuchs in Russland auf, ist inzwischen aber Staatsbürger von Singapur und nach Medienangaben Multimillionär. Er gründete 2001 die internationale Softwarefirma Acronis und 2019 die Lehr- und Forschungseinrichtung SIT.

Die JUB soll auf Künstliche Intelligenz ausgerichtet werden

Nach Senatsangaben soll die JUB jetzt schrittweise auf das Thema Künstliche Intelligenz und neue Computertechnologien ausgerichtet werden. Neben den bisherigen 1.500 Studienplätzen sind bis zu 3.000 weitere geplant, allerdings nur für digitales Studium oder für ein gemischtes Online- und Präsenzstudium. Die bisherigen Studiengänge sollen nicht abgeschafft, sondern auf das neue Profil hin weiterentwickelt werden.

Die vor 20 Jahren gegründete Privat-Uni war seit 2007 regelmäßig von der Stiftung der Bremer Kaffeerösterfamilie Jacobs mit Millionenbeträgen gefördert worden. Kurz vor ihrem überraschenden Ausstieg zum Jahresende 2020 kündigte der Bremer Senat an, dass die Software-Konzerne SAP aus Deutschland und Neusoft aus China gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz die JUB übernehmen würden. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, angeblich auch an Bedenken der Bundesregierung gegen die Beteiligung der chinesischen Neusoft.

Beloussov soll bis zu 50 Millionen Euro zu investieren

Die JUB wird von einer gemeinnützigen GmbH betrieben, an der auch die Reimar-Lüst-Stiftung und ein Förderverein beteiligt sind. Die jetzt ans SIT gehenden Mehrheitsanteile kosten 22.000 Euro. Dafür verpflichtet sich Beloussov aber, bis zu 50 Millionen Euro zu investieren.

Neben Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) begrüßte auch die Geschäftsführung der JUB die Übernahme. Damit habe die Hochschule eine „Perspektive für eine langfristige und weiterhin erfolgreiche Gestaltung ihrer Zukunft“.

Das Land Bremen steckte 200 Millionen Euro in die Uni

Die englischsprachige Privat-Uni war im September 2001 zunächst unter dem Namen „International University Bremen“ eröffnet worden. Nach einer „Anschubfinanzierung“ durch das Land Bremen sollte sie sich nur noch aus Unternehmensspenden, Studiengebühren und Forschungsaufträgen finanzieren. Weil dies nicht im erhofften Umfang gelang, steckte der finanzschwache Stadtstaat immer wieder weitere Steuergelder in das Privatprojekt. Insgesamt flossen über 200 Millionen Euro an Landesmitteln, außerdem Gelder aus der Hochschulbauförderung des Bundes.

Die meisten der 1.500 Studierenden aus weit über hundert Nationen wohnen auf dem 34 Hektar großen Campus, einem umgebauten Kasernengelände. Sie müssen bis zu 20.000 Euro Studiengebühren pro Jahr sowie Unterkunftskosten zahle. Wer bedürftig ist, kann ein Stipendium oder eine Stundung erhalten.

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