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Spurensuche. Schädel eines Fuchses, auf einer Falklandinsel gefunden. Foto: Kit Hamley
© Kit Hamley

Rätsel um Falkland-Fuchs Der beste Freund der Insulaner

Forschende aus den USA haben neue Erkenntnisse zur Herkunft der Tiere auf den Falklandinseln. Nomaden brachten sie womöglich im Kanu mit. 

Noch bevor Charles Darwin auf den Galapagos-Inseln handfeste Indizien für seine Evolutionstheorie fand, hatte der Naturwissenschaftler bereits 1833 erste Hinweise auf eine unterschiedliche Entwicklung der Arten auf den Falklandinseln im Südatlantik entdeckt. Ein nur dort vorkommender Fuchs unterschied sich zwischen den beiden Hauptinseln des Archipels deutlich.

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Charles Darwin notierte allerdings auch, dass der Falkland-Fuchs wohl bald aussterben würde. Tatsächlich wurde das letzte Exemplar 1876 geschossen. Während die Ausrottung dieser Art gut untersucht ist, war die Reise seiner Vorfahren auf die 395 Kilometer östlich des südamerikanischen Festlands und des Archipels Feuerland liegenden Inseln bisher sehr rätselhaft.

Ureinwohner Feuerlands spielten eine Rolle

Jetzt präsentieren Kit Hamley von der University of Maine in den USA und ihr Team in der Zeitschrift „Science Advances“ eine Reihe von Hinweisen, nach denen die Ureinwohner Feuerlands einst die Füchse auf ihren Booten auf die Falklands gebracht haben könnten.

Ein Möglichkeit war, dass die Tiere vor der Ankunft der Europäer von prähistorischen Südamerikanern auf die Inseln gebracht wurden. Erste Hinweise auf eine solche Herkunft hatte 2013 eine Erbgut-Analyse des ausgestorbenen Falkland-Fuchses gebracht: Dieser war eng mit dem Burmeister-Fuchs Dusicyon avus verwandt, der auf Feuerland und im Süden Südamerikas lebte, wo er vor rund 400 Jahren ausstarb.

Bereits vor 2800 Jahren aber war in Argentinien ein Mensch mit einem Welpen dieser Art bestattet worden. Offensichtlich hatten die Steinzeitmenschen dieser Zeit Burmeister-Füchse als Haustiere gehalten.

Zahme Füchse an Bord von Kanus

Ethnologische Berichte stützen diese Überlegung: Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts lebten auf Feuerland unter anderem die Yámana. Lebensmittelpunkt dieser Nomaden waren ihre Kanus. Mit an Bord waren oft auch zahme Füchse, die nicht nur treue Begleiter, sondern auch wichtige Helfer bei der Jagd auf Otter und Seevögel waren. 

Dabei handelte es sich zwar häufig um eine domestizierte Form des Andenschakals Lycalopex culpaeus. Allerdings kamen auf Feuerland vor Ankunft der Europäer vor allem Burmeister-Füchse vor, die ja auf dem Festland ebenfalls Begleiter des Menschen gewesen waren. Die Vermutung liegt nahe, dass die Yámana früher auch diese beinahe Schäferhund-großen Tiere hielten.

Da die Yámana in ihren Kanus auch Inseln besuchten, die mehr als hundert Kilometer südwestlich von Kap Hoorn liegen, dürften sie es wohl auch zu den 500 Kilometer entfernten Falklands geschafft haben. Neben Pfeilspitze und Spuren von Feuerstellen, was für die Anwesenheit der Nomaden spricht, fanden Kit Hamley und ihr Team dort einen weiteren, wichtigen Hinweis: Sie entdeckten unter einer dünnen Bodenschicht mehrere Haufen von Knochen von Meerestieren, an deren Tod höchstwahrscheinlich jagende Menschen beteiligte waren.

Gefunden wurden Mähnenrobben und Felsenpinguinen – die typische Beutetiere der Yámana und ihrer zahmen Füchse. Einen weiteren Hinweis fand das Team durch die Isotopen-Analyse der Überreste der Falkland-Füchse, die sich demnach hauptsächlich von Robben und Walen ernährt hatten. 

Gemeinsame Jagd mit den Menschen

Diese Beute aber ist für ein Schäferhund-großes Raubtier schlicht zu groß. Entweder haben sich die Füchse also bei tot auf dem Strand liegenden Tieren bedient – oder sie waren zusammen mit Menschen auf die Jagd gegangen.

Die Indizien legen für die Forschenden durchaus eine Ankunft der Falkland-Füchse im Kanu auf dem Archipel nahe. Und das nicht nur vor 1800 und vor 550 Jahren, wofür sich die Spuren von Feuerstellen fanden, sondern durchaus auch zu anderen Epochen.

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