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Die Technische Universität. Foto: imago images/Christian Kielmann
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Offene Wahl an der Technischen Universität Dreikampf um TU-Spitze

Zur Wahl an der TU stehen der Amtsinhaber, eine frühere Vizepräsidentin und eine Newcomerin von der Charité. Wie in der großen Politik wird es ein Triell geben.

An der Technischen Universität Berlin wird es einen Dreikampf um das Präsident:innen-Amt geben. Neben Amtsinhaber Christian Thomsen nominierte der Akademische Senat (AS) am Mittwoch auch die Physik-Professorin Ulrike Woggon, ebenfalls von der TU, sowie Geraldine Rauch, die Prodekanin für Studium und Lehre, der Charité. Für die Nominierung die Zustimmung von einem Drittel der 24 anwesenden Mitglieder im AS nötig. Thomsen erhielt 20 Ja-Stimmen, Rauch 18, Woggon 14. Damit wurden alle drei Bewerber:innen für das Amt auch vom AS nominiert.

Zuvor hatten sich Thomsen, Woggon und Rauch in der Sitzung, die digital stattfand, in jeweils zehnminütigen Präsentationen vorgestellt. Als erste Kandidatin sprach Woggon, die 2010/11 Vizepräsidentin der TU war, damals aber nach einem Jahr vom Amt zurücktrat. Woggon tritt wie Thomsen für die Professorenliste der Liberalen Mitte an. Dass von der Liste beide Kandidaturen unterstützt werden, dürfte ein Indiz dafür sein, dass Thomsen seine Wiederwahl keineswegs als gesichert ansehen kann.

"Krise als Chance"

Woggon präsentierte sich denn auch als eine Kandidatin, die „das Vertrauen nach innen und außen mit einem neuen Team neu aufbauen“ wolle, wie sie sagte. Sie sehe „Krise als Chance“, um Neues zu ermöglichen. Dies dürfte auch als Anspielung auf aktuelle Versäumnisse etwa nach dem Hackerangriff auf die TU zu verstehen sein. Ulrike Woggon stellte den Unimitgliedern mehrere ziemlich detaillierte Handlungsfelder vor, wobei sie mehrfach dezidiert auf die Bedürfnisse der Verwaltung einging. Später sprach sie von einem „Vertrauensverlust“ in den vergangenen Jahren: „Wir haben lange über Prozesse diskutiert und darüber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergessen.“

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Christian Thomsen konzentrierte sich auf drei Punkte: Er will eine „exzellente Verwaltung“ ermöglichen, „eine neue Normalität definieren“ – damit ist zum Beispiel ein Konzept für die Lehre nach der Pandemie gemeint – sowie den Klimaschutz vorantreiben. Thomsen war der Einzige, der bereits sein Team von Vizepräsidenten benannte, unter denen sich auch neue Namen befinden.

Auch Thomsen fokussierte sich auf die Verwaltung

Dass sich Thomsen auf die Verwaltung fokussierte, könnte ihm auch negativ ausgelegt werden – schließlich war er mit einem Ruf nach der Modernisierung der Verwaltung schon vor acht Jahren vor seiner ersten Wahl angetreten. Warum soll die Umsetzung erst jetzt kommen? In der anschließenden Fragerunde wurde eine kritische Selbstreflexion seiner beiden Amtsperioden vermisst.

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Als einzige externe Bewerberin stellte sich Charité-Prodekanin Geraldine Rauch vor – mit 39 ist sie deutlich jünger als Woggon und Thomsen (beide 62). Rauch, Professorin für Biometrie, führte sich schwungvoll und engagiert ein: „Ich biete Ihnen einen anderen Blick auf die Themen der TU.“ Als Prodekanin der Charité sei sie eine „Expertin für Neuanfänge“, schließlich arbeite sie dort unter anderem in einem Vorstand, der sich völlig neu zusammengefunden habe.

Rauch schlug ein 100-Tage-Programm für die TU vor

Rauch unterbreitete dem AS ein Hundert-Tage-Programm, sollte sie die Wahl gewinnen. In den ersten drei Monaten wolle sie mehrere Ziele sofort umsetzen: Einen Prozess für eine gemeinsame Werte- und Unternehmenskultur mit demokratischen und effizienten Entscheidungswegen, den Start in eine auf zehn Jahre angelegte Digitalisierungsstrategie – und für Forschung und Entwicklung den Aufbau von zentralen Serviceanbietern, die die TU und die Berlin University Alliance unterstützen. Erster Baustein solle hier ein Netzwerk für Data Science sein.

Die Wahl ist am 19. Januar, davor soll es eine Art Uni-Triell geben, also eine öffentliche Debatte der Drei.

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