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Eine Studentin sitzt mit ihrem Laptop und Lehrbüchern auf dem Sofa. Foto: imago images/Jochen Tack
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Noch ein digitales Sommersemester Hochschulen zwischen Lockdown und Öffnungsappellen

Weiter auf Distanz gehen und online lehren und studieren - oder vorsichtig öffnen? Vor dem Start des Sommersemesters werden verschiedene Szenarien diskutiert.

Nachdem Hochschulen bundesweit ihre Studierenden und Lehrenden auf ein weiteres digitales Sommersemester eingestimmt haben, bestätigt es auch die Hochschulrektorenkonferenz: Die aktuelle Situation erlaube noch keine Rückkehr zu einem normalen Präsenzbetrieb, hieß es am Donnerstag nach einer digitalen Sitzung des HRK-Senats.

Eine Chance "Veranstaltungen mit klar abgegrenztem, kleinem Teilnehmerkreis in Präsenz nach und nach wieder durchzuführen", sehen die Hochschulen aber in vermehrten Testmöglichkeiten auf das Coronavirus. Voraussetzung dafür seien beispielsweise neben den nötigen Schnelltests auch PCR-Tests zur Überprüfung. Dafür würden aber zusätzliche "finanzielle und logistische Ressourcen" gebraucht.

Gleichzeitig erneuert die HRK ihre Forderung nach einer Bund-Länder-Übereinkunft zur Digitalisierung der Hochschulen. Einen solchen Hochschuldigitalpakt hatten die Wissenschaftsminister:innen der Länder unterstützt, während Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ihn bislang zugunsten eines – deutlich kleiner dimensionierten – KI-Programms für die Hochschullehre abgelehnt.

Jetzt meldet die HRK wieder einen "umfassenden Bedarf" an: Weiterhin müssten Arbeitsplätze und Lehrräume digital ausgestattet sowie Personal qualifiziert und kontinuierlich weitergebildet und die Kapazitäten auch zahlenmäßig ausgebaut werden.

Prüfsteine für die Bundestagswahl

Das Bund-Länder-Programm zur Digitalisierung ist eine von zehn Forderungen des HRK-Senats "für ein zukunftsfähiges Studium". Das Zehn-Punkte-Papier sieht HRK-Präsident Peter-André Alt als hochschulpolitischen Prüfstein für die anstehende Bundestagswahl. Zu den weiteren Forderungen gehört eine Bafög-Reform, die durch eine Notfallkomponente die unzureichenden Corona-Hilfen für Studierende ersetzen soll (den vollständigen Text finden Sie hier).

Die Länder müssten zudem in Studierendenwohnheime investieren – und dort ebenso wie an Hochschulen leistungsfähige Internetzugänge stellen. Für internationale Studierende fordert die HRK Verbesserungen unter anderem bei der Visavergabe und bei der studentischen Krankenversicherung.

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Der Deutsche Hochschulverband (DHV) forderte die Politik am Donnerstag auf, "bei Ausstiegsszenarien aus dem Corona-Lockdown auch die Hochschulen in den Blick zu nehmen". Sie bräuchten – parallel zu Kitas und Schulen – endlich eine Öffnungsperspektive. Darüber müsse die Politik beim nächsten Corona-Gipfel am 22. März diskutieren.

[Lesen Sie auch unsere Umfrage unter Studierenden und Lehrenden: "Ich beiße mich komplett alleine durchs Digitalsemester"]

"Viele Studierende haben die Universität seit einem Jahr nicht mehr von innen gesehen. Entmutigung, Frust und Depressionen nehmen zu", erklärt DHV-Präsident Bernhard Kempen. Zudem liefen digitale Prüfungen weiterhin "holprig". Kempen warnt aber auch davor, dass viele Mitglieder der Hochschulen beginnen würden, sich "in dem Provisorium häuslich einzurichten".

Hochschulverbandschef Kempen beklagt "Duldungsstarre"

Darin sieht Kempen eine "Duldungsstarre". Deshalb brauche es jetzt "den Aufbruch auf den Weg zur Präsenzuniversität". Konkret müsse Präsenz in Forschung und Lehre sowie bei Prüfung "nach den örtlichen Inzidenzwerten in größerer Eigenverantwortung der Universitäten" wieder zugelassen werden. Wie die HRK fordert Kempen ausreichende und kostenlose Schnelltests.

Hygienestandards müssten in den Hochschulen konsequent umgesetzt werden. Dann könnten Seminare und kleinere Vorlesungen auf dem Campus stattfinden - und zwar in größeren Hörsälen, in denen Abstand gewahrt werden kann. Die digitale Lehre dagegen sollte möglichst auf große Vorlesungen und Veranstaltungen reduziert werden. Perspektivisch könnte der Zugang zur Hochschule vorrangig für "geimpfte Mitglieder" geöffnet werden.

Studierende in einem Hörsaal, im Vordergrund sind zwei Studentinnen im Gespräch zu sehen. Foto: imago/JOKER Vergrößern
Der Großteil der Studierenden kommt zwar mit der Online-Lehre klar, doch fast allen fehlt der persönliche Austausch. © imago/JOKER

Duldungsstarre? So würde es die Mehrheit der Studierenden und Lehrenden, die sich in den beiden Digitalsemestern seit dem Frühjahr 2020 enorm für digitale Formate engagiert haben, sicher nicht nennen.

Eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zum digitalen Wintersemester zeigt: Nur knapp ein Prozent der befragten Professor:innen gab an, dass Vorlesungen ganz ausfallen mussten. Auch Seminare, Übungen und Tutorien konnten von fast allen Lehrenden wie geplant angeboten werden.

Exkursionen werden häufig abgesagt

Das gilt allerdings nicht für alle Fächer und für alle Veranstaltungen gleichermaßen: In Geografie und Geowissenschaften mussten 43 Prozent der vom CHE befragten Professor*innen Präsenzveranstaltungen wie Exkursionen im Wintersemester ersatzlos absagen. Doch nur jede(r) fünfte Befragte wünsche sich nach der Pandemie eine Rückkehr zur reinen Präsenzlehre, teilt das CHE mit.

Die Studierenden bescheinigen ihren Hochschulen zu 70 Prozent einen sehr guten oder guten "Umgang mit der Corona-Pandemie", knapp ein Viertel vergibt auf einer Skala von 1 bis 6 mittlere Noten und sechs Prozent bewerten den Umgang als schlecht oder sehr schlecht. Befragt wurden im Rahmen des CHE-Hochschulrankings mehr als 27.000 Studierende und 665 Professor:innen (zur vollständigen CHE-Umfrage geht es hier).

Immerhin drei von vier Studierenden vergaben auch gute oder sehr gute Noten für die Möglichkeit, an ihren Hochschulen weiter Prüfungsleistungen zu erbringen beziehungsweise angerechnet zu bekommen.

Viele Studierende aber stellt während in der Coronakrise der fehlende Zugang zu studienrelevanter Infrastruktur - etwa zu Lernräumen und Bibliotheken - vor Probleme. Wie schon frühere Befragungen zeigten, fehlt sehr vielen auch die Kommunikation mit Lehrenden sowie der Austausch unter den Studierenden selbst.

Deshalb appelliert auch das CHE: "Die Hochschulen sollten von der Politik bei den Öffnungsstrategien im Zuge der Krisenbewältigung nicht vergessen werden." Die Rückkehr zu einer teilweisen Präsenzlehre und die Nutzung der Hochschulen als Lern- und Austauschraum seien aus vielerlei Hinsicht für Studierende und Lehrende wichtig.

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