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Ein Porträtfoto von Gerald Haug. Foto: Markus Scholz/Leopoldina
© Markus Scholz/Leopoldina

Neuer Leopoldina-Präsident Die Botschaft des Klimaforschers

Sprecht mit der Wissenschaft, fordern "Fridays for Future". Gerald Haug, neuer Präsident der Nationalen Akademie, ist Klimaforscher - und steht bereit.

Das passt in die Zeit: Ab dem 1. März ist ein Klimaforscher Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Der Geologe und Paläo-Ozeanograf Gerald Haug leitet seit 2015 die Abteilung Klimageochemie am Max- Planck-Institut für Chemie in Mainz und wird dort auch im Nebenamt weiterhin tätig sein.

Haug ist in der Akademie einer der beiden Sprecher der Arbeitsgruppe „Klimaziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der -Emissionen“. Er war Mitautor der Stellungnahme zur Zukunft der Ozeane, die die nationalen Wissenschaftsakademien der G7-Mitgliedsstaaten 2015 vor dem Treffen in Elmau gemeinsam erarbeitet hatten.

Der wissenschaftsbasierten Politikberatung auf diesem Gebiet verstärkt Bedeutung zu geben, war eines seiner Motive dafür, seinen Hut für das Amt in den Ring zu werfen, sagte Haug am Dienstag in Berlin bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit seinem Vorgänger Jörg Hacker. Das Thema habe etwa durch „Fridays for Future“ inzwischen „eine gesellschaftliche und politische Wahrnehmung erlangt, die wir in 20 Jahren nicht erreicht haben“.

Haug will "nicht wie wild twittern"

Haug begrüßte auch, dass eine der Kernaussagen der engagierten jungen Leute lautet: Sprecht mit der Wissenschaft! Die Botschaft des Klimaforschers und künftigen Präsidenten der Leopoldina ist deutlich: „Es ist ganz zentral, dass wir das Ziel erreichen, unter zwei Grad Celsius Erderwärmung zu bleiben.“

Als Paläo-Ozeanograf sucht Haug anhand der chemischen Zusammensetzung von Sedimenten aus dem Grund von Gewässern nach Hinweisen auf Klimabedingungen und -veränderungen in den vergangenen Jahrtausenden bis Jahrmillionen: „Ich beschäftige mich mit langen Zeitskalen.“ Das führe zu einer unaufgeregten, ruhigen Herangehensweise.

Die dürfe allerdings schnelle Reaktionen nicht ausschließen. Ein gutes Beispiel sind für Haug und Hacker die Stellungnahmen von vier Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachgebiete zum neuen Coronavirus SARS-CoV-2. In Zusammenarbeit mit dem Science Media Center (SCM) kamen sie kürzlich zeitnah in die Medien. Diese „Dynamisierung der Kommunikation“ gelte es weiter voranzutreiben, um aktuelle Themen „klar, einfach und verständlich auf höchstem Niveau“ zu erklären – auch auf der Leopoldina-Homepage, fordert Haug. „Schneller zu werden heißt aber nicht, wie wild zu twittern.“

Mit dem ICE zur Politikberatung in Berlin

Zum Thema Digitalisierung und Demokratie stellte er eine Stellungnahme noch in diesem Jahr in Aussicht, auch mit der Biodiversität werde man sich beschäftigen. Zudem gelte es Themen zu antizipieren, die die Gesellschaft akut bewegen könnten, wie etwa vor einiger Zeit die Debatte über die Feinstaub-Belastung. Als „außerordentliche Entdeckung“ während seiner Amtszeit betrachtet Jörg Hacker die Möglichkeit zu Eingriffen mit der „Genschere“.

Hacker erinnerte daran, dass die Leopoldina die einzige nationale Akademie der Wissenschaften weltweit ist, die ihren Standort nicht in der Hauptstadt hat. Man wolle auch weiterhin „von Halle aus, aber immer mit Blick auf Berlin“ arbeiten, versicherte Haug. Die aktive Politikberatung ereigne sich schließlich in der Hauptstadt. „Die ICE-Route Mainz-Halle-Berlin werde ich sicherlich intensivst bespielen.“

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