Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Foto: IMAGO/Jürgen Heinrich
© IMAGO/Jürgen Heinrich

Update Neue Corona-Verordnung Lauterbach führt den 3-Euro-Bürgertest ein

Nur noch bestimmte Personengruppen können sich kostenlos testen lassen. Außerdem will Lauterbach 40 Millionen Impfungen vor dem Winter.

Kostenlose Corona-Tests für alle Bürger soll es zukünftig nicht mehr geben. „Bürgertests sollen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Vor einem Konzertbesuch, einer größeren Familienfeier, einem Besuch bei älteren Menschen oder wenn die Corona-Warn-App ein erhöhtes Risiko anzeige, sollen sich Bürger weiterhin testen lassen können. Allerdings müssen sie Lauterbach zufolge dann drei Euro pro Schnelltest bezahlen. Den Rest der Kosten übernehme der Bund.

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Nur für vulnerable Gruppen, darunter auch Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft und Besucher von Kliniken und Pflegeheimen, seien die Tests ab Juli noch kostenlos, sagte Lauterbach. Das spare Milliarden ein. Mehr sei in der angespannten Haushaltslage nicht möglich gewesen. Er hätte kostenlose Bürgertests für alle gerne weitergeführt, sagte der SPD-Politiker.

Das neue Konzept sehe nun bis Jahresende noch Ausgaben von 2,7 Milliarden Euro vor bei voller Übernahme wären bis zu fünf Milliarden Euro zu erwarten gewesen.

Die Corona-Infektionszahlen steigen derzeit wieder stark an. Der Virologe Christian Drosten rechnet nach den Sommerferien in Deutschland mit einer sehr hohen Zahl an neuen Corona-Fällen. „Ich hoffe, dass die Schulferien den Anstieg der Erkrankungsfälle etwas dämpfen werden. Aber ab September, fürchte ich, werden wir sehr hohe Fallzahlen haben“, sagte der Leiter der Virologie-Abteilung an der Berliner Charité dem „Spiegel“ in einem Interview. Wenn nichts getan werde, werde es im Arbeitsleben „sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle“ geben.

„Wir sehen tatsächlich schon wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen“, warnte Drosten. „Die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar, und die Menschen verlieren gleichzeitig ihren Übertragungsschutz aus der letzten Impfung.“ In anderen Ländern sehe man, dass bei sehr hohen Fallzahlen auch die Hospitalisierungs- und Todeszahlen wieder anstiegen. „Das wird auch bei uns leider so sein. Insgesamt werden aber viel weniger Menschen schwer erkranken und sterben als noch 2021.“

Am Freitagmorgen gab das Robert Koch-Institut (RKI) die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 618,2 an. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche noch bei 532,9 gelegen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 108.190 Corona-Neuinfektionen und 90 Todesfälle innerhalb eines Tages.

Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Impfkampagne im Herbst

Im Herbst soll es eine neue Impfkampagne geben. Dazu ist Lauterbach nach eigenen Angaben bereits mit den Impfstoffherstellern im Austausch.

Eine erfolgreiche Impfkampagne vor dem Winter müsste nach Ansicht Lauterbachs bis zu 40 Millionen Menschen erreichen. „Ideal wäre Impfkampagne mit bis zu 40 Mio Geimpften vor dem Winter“, schrieb Lauterbach in der Nacht auf Freitag auf Twitter und schloss sich damit Äußerungen des Virologen Christian Drosten an. Lauterbach fügte hinzu: „Im Winter müssen wir sehr gut vorbereitet sein, sonst droht ein Chaos.“

Drosten hatte dem „Spiegel“ gesagt: „Wir müssten es schaffen, vor dem Winter noch einmal bis zu 40 Millionen Leute zu immunisieren oder mit einer Auffrischungsimpfung zu versorgen“, sagte Drosten. „Das würde wirklich etwas verändern.“

Es sei wichtig, dass die bisher verfügbaren Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie genutzt werden, betonte Drosten. Alte Menschen sollten viermal geimpft sein. „Auch den Rahmen, den es in Deutschland für die Kinderimpfungen gibt, sollten wir ausschöpfen, das ist bei Weitem noch nicht passiert. Alle anderen sollten mindestens dreifach und nach Wunsch auch vierfach geimpft sein.“

Virologe Drosten glaubt nicht, dass man zum Jahresende den Eindruck haben werde, die Pandemie sei vorbei, sagte der Corona-Experte. Im Januar hatte Drosten noch die Hoffnung geäußert, dass Deutschland im Laufe des Jahres den pandemischen Zustand für beendet erklären kann.

Drosten empfahl, eine Infektion möglichst zu vermeiden – auch wegen des Risikos von Long Covid. „Leider ist eine Infektion langfristig aber unausweichlich. Und nach und nach bildet sich tatsächlich ein schleimhautspezifischer Schutz, von dem ich annehme, dass er die Bevölkerungsimmunität insgesamt belastbarer macht.“

Andererseits entwickle sich auch das Virus weiter. Drosten: „Ich gehe davon aus, dass sich da irgendwann ein neues Gleichgewicht einpendelt: Die Bevölkerungsimmunität durch Impfungen und Infektionen wird irgendwann so stark sein, dass das Virus an Bedeutung verliert.

Dann sind wir im endemischen Zustand.“ Im schlimmsten Fall könne dies aber „noch einige Winter dauern“. Als endemisch gilt eine Krankheit, wenn sie in einer Region mit relativ konstanter Erkrankungszahl dauerhaft auftritt. (Tsp, dpa)

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