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Die Präsidentin Taiwans, Tsai Ing-wen, kann zufrieden sein mit dem Verlauf der Corona-Pandemie in ihrem Land. Foto: Ann Wang/Reuters
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Mit frühen Maßnahmen, aber ohne Lockdown Wie Taiwan es geschafft hat, 200 Tage ohne Corona-Fall zu bleiben

Taiwan scheint die Corona-Pandemie seit Monaten völlig unter Kontrolle zu haben. Das hat vor allem mit drei Faktoren zu tun.

Am Ostersonntag, dem 12. April, verzeichneten die deutschen Gesundheitsbehörden fast 3000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das Land steckte im Lockdown, 125.000 Infektionen waren dem Robert Koch-Insitut (RKI) bis dahin bereits insgesamt gemeldet worden. Dieser Ostersonntag ist der Tag, an dem im Taiwan laut "CNN" die letzte lokale Corona-Übertragung vermeldet wird.

Seitdem sind mehr als 200 Tage vergangen. Doch wie ist das möglich? Taiwan ist kein Zwergstaat, hat mit rund 23 Millionen sogar mehr Einwohner als Tschechien und Belgien zusammen. Und in diesen beiden Ländern sind die Corona-Zahlen in den vergangenen Wochen explodiert.

Die Gründe sind vielmehr auf die frühen Maßnahmen, die Erfahrung mit Pandemien und die geographischen Gegebenheiten zurückzuführen. Darüber hatte der Tagesspiegel bereits im März berichtet. Deshalb verzeichnete Taiwan bis zum Freitag "Our World in Data" zufolge lediglich 554 Corona-Fälle überhaupt, nur 55 davon waren lokale Übertragungen innerhalb des Landes. In Tschechien und Belgien sind es derzeit kumuliert mehr als 30.000  – am Tag.

Das erreichte Taiwan, ohne jemals strikte Freiheitseinschränkungen oder gar einen Lockdown verhängen zu müssen. Taiwan konzentrierte sich von Beginn an darauf, die Geschwindigkeit der Ausbreitung einzudämmen. Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen ruft der Weltöffentlichkeit darum auch zu: "Habt keine exzessive Panik!"

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Bereits im Januar überprüften die taiwanesischen Behörden alle Flugreisenden aus dem chinesischen Wuhan, wo am 31. Dezember der erste Corona-Fall auftrat. Als Taiwan am 21. Januar den ersten Menschen positiv auf das Virus testete, verboten die Behörden allen Einwohnern Wuhans, ins Land zu reisen.

Mehr noch: Nun wurden alle Reisenden, die Taiwan aus China, Hongkong und Macao erreichten, überprüft. Und das noch bevor es in Wuhan den ersten Lockdown gab. Der trat am 23. Januar in Kraft. Weil die Zahl der Infizierten in Taiwan im März trotzdem die 100er-Marke erreichte, riegelten die Behörden das Land komplett ab. Nur noch Diplomaten und Einheimische durften einreisen.

Das diese Maßnahme so einfach durchgesetzt werden konnte, hat mit einem großen geographischen Vorteil zu tun, den wenige Länder in Europa haben: Taiwan ist eine Insel. Die Grenzen zu kontrollieren, beschränkt sich somit auf Einreisende via Flugzeug oder Schiff.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Corona nicht die erste Pandemie in den vergangenen Jahrzehnten ist, mit denen sich Taiwan auseinandersetzen muss. Zuletzt traf das Land 2003 ein tödliches SARS-Virus, weshalb die Behörden Maßnahmen ergriffen, die sie besser auf kommende Pandemien vorbereiteten.

"Da wussten wir: Das muss etwas Ähnliches sein"

"Als wir hörten, dass es in China einige geheime Fälle gab, in denen Patienten mit Lungenentzündungen isoliert wurden, da wussten wir: Das muss etwas Ähnliches sein", sagte Taiwans Außenminister Joseph Wu im September. Bereits im Januar riefen die Behörden deshalb das „Zentrale Kommandozentrum für Epidemien“ (CECC) auf den Plan, das 2003 gegründet worden war.

Dieses Zentrum koordinierte die Maßnahmen zwischen den taiwanesischen Ministerien. Die Regierung konnte so schnell die Produktion von Gesichtsmasken und Schutzausrüstung hochfahren, um auf eine drohende Pandemie vorbereitet zu sein. Taiwans Regierung brachte sogar Apps auf den Markt, die in Echtzeit die Lagerbestände von Atemmasken in nahe gelegenen Geschäften anzeigt.

Außerdem investierte die Regierung viel Geld, um Massentestungen durchzuführen und Kontakte schnell nachzuvollziehen. "Sehr sorgfältige Kontaktnachverfolgung und sehr strikte Quarantäne von engen Kontakten sind der beste Weg, um Covid-19 entgegenzutreten", sagte der ehemalige Vize-Präsident Taiwans, Chen Chien-jen. Die Zahlen geben ihm recht.

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