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Noch ist die russische Sonde Luna-25 nicht auf dem Mond, soll aber noch 2022 auf den Weg dorthin gebracht werden. Foto: N.P.O. Lavochkin (www.laspace.ru)
© N.P.O. Lavochkin (www.laspace.ru)

Mission Luna-25 Russland will zurück auf den Mond

Ein halbes Jahrhundert lang war keine russische Sonde mehr auf dem Mond. Das soll sich noch 2022 ändern. Die Pläne von Roskosmos sind ambitioniert.

Einsam zieht Chinas Rover Yutu-2 seine Kreise auf der Rückseite des Mondes. Doch die Einsamkeit wird bald vorbei sein. Eine Reihe neuer Missionen zum Erd-Begleiter sind dieses Jahr geplant, vor allem russische. Schon im Sommer will die Raumfahrtagentur Roskosmos mit der Sonde Luna 25 auf den Mond zurückkehren – nach fast einem halben Jahrhundert russischer Abwesenheit.

1976 war Luna 24 auf dem Erdtrabanten gelandet, hatte Bodenproben genommen und war mit knapp 200 Gramm Gestein zurückgekehrt. Luna 25 soll nun der erste Schritt eines ambitionierten Programms werden, zu dem auch bemannte Flüge gehören werden. Ein neuer Wettlauf auf den Mond steht bevor, bei dem es nicht nur um Prestige, wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern am Ende auch um die Förderung von Rohstoffen geht. Luna 25 soll zeigen, dass die russische Raumfahrt nach Jahren der Stagnation, heftigen Korruptionsvorwürfen gegen Top-Manager von Roskosmos, der Insolvenz einer Reihe von Zulieferfirmen und dem Rückzug internationaler Kooperationspartner wieder zurück in der Erfolgsspur früherer Jahre ist.

Zum Mond ja, aber auf absehbare Zeit keine bemannte Mission

In die allgemeine Aufbruchstimmung ist nun einer der führenden Konstrukteure russischer Raumfahrttechnik mit einer ernüchternden Botschaft geplatzt. Russland werde auf absehbare Zeit keine bemannte Mission zum Mond entsenden, erklärte Wladimir Solowjow während der traditionell zum Jahresanfang stattfindenden Koroljow-Vorlesungen. Sie erinnern an den genialen sowjetischen Konstrukteur, der das Konzept der Luna-Serie bereits Ende der 50er Jahre des vorigen Jahres entwickelt hatte. Für die Errichtung einer bemannten Mondbasis hatten russische Experten in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Konzepten entwickelt. Doch 2021 waren die Arbeiten praktisch zum Stillstand gekommen, weil Roskosmos die Mittel strich.

Beim russischen Raumfahrtunternehmen "S.A. Lavochkin Research and Production Association" wird die Luna-25-Sonde zusammengebaut. Foto: imago images/ITAR-TASS Vergrößern
Beim russischen Raumfahrtunternehmen "S.A. Lavochkin Research and Production Association" wird die Luna-25-Sonde zusammengebaut. © imago images/ITAR-TASS

„Das Programm einer bemannten Erforschung des Mondes sollte erst nach der Schaffung einer frühen Infrastruktur an dem ausgewählten Platz einer künftigen Mondbasis durch automatisierte Systeme beginnen“, sagte Solowjow, der als stellvertretender Chefkonstrukteur bei RKK Energie, einem Konzern für Raumfahrttechnik, arbeitet. Angesichts der hohen Kosten einer Mondmission wäre eine Rückkehr zu internationaler Kooperation notwendig. Die Fehlstellen sind damit klar benannt: Russland verfügt zwar schon seit Jahren über detailliert ausgearbeitete Pläne für eine künftige Mondbasis, aber nicht über die Möglichkeiten einer technischen Umsetzung. Ein Platz für die Basis ist auch noch nicht ausgesucht. Und an eine Wiederaufnahme der internationalen Zusammenarbeit ist angesichts der gegenwärtigen politischen Konflikte mit dem Westen und den Sanktionen gegen Russland nicht zur rechnen.

So widmete Solowjow denn auch den Hauptteil einem anderen Thema, den Plänen Russlands für eine nationale Raumstation, die nach 2030 die Nachfolge der ISS antreten soll. Auch die sind noch in der Diskussion, aber die Konturen sind klar: Das Konzept sieht vier kreuzförmig angeordnete Module vor, die um eine säulenartige Struktur in der Mitte gruppiert werden, die permanent bemannt, vielleicht aber auch zeitweise in automatischem Betrieb fliegen soll. Der russische Raumfahrtexperte Anatoli Zak sieht jedoch noch große Probleme. „Die Idee, anwenderorientierte 20-Tonnen-Module mit verschiedensten Apparaturen in einem Zeitraum von vier Jahren auf eine Umlaufbahn zu bringen, scheint ziemlich unrealistisch, selbst wenn die Servicesysteme in Serie produziert werden“, schreibt er in seinem Blog.

Kein Grund zur Eile

Große Unsicherheit bestehe auch bei den Trägerraketen, meint Zak. Die Schwerlast-Rakete Angara 5 wird seit längerer Zeit getestet, aber keiner der Versuche war bisher vollständig erfolgreich. Im August sollen nun an dem neuen Weltraumbahnhof Wostotschny im Fernen Osten Russlands die Erprobungen fortgesetzt werden. Und 2023 soll die Angara erstmals mit dem Prototyp einer neuen Kapsel starten. Für einen Mondflug wäre die Angara, die in ihrer Leistungsfähigkeit der amerikanischen Saturn 5B entspricht, wohl unbedingt notwendig. In der Entwicklung befindet sich derzeit auch die Sojus-5-Trägerrakete, die vier, statt bisher drei Kosmonauten Platz bietet.

Die russische Raumfahrtindustrie hat bislang zweifellos den größten Beitrag für den Betrieb der internationalen Raumstation ISS geleistet. Doch Luna 25 steht symbolisch für viele Probleme, die Roskosmos lähmen. Der Start für 2015 geplante musste sieben Mal verschoben worden. Im Jahr zuvor hatte Russland die Krim annektiert und die Sanktionen des Westens betrafen auch den Bereich der Hochtechnologie. Die USA lieferten ein elektronisches Bauteil nicht mehr aus, das für die Steuerung einer weichen Landung auf dem Mond nötig ist. Erst im vergangenen Jahr gelang es russischen Ingenieuren, dieses Teil nachzubauen. Die Verschiebungen führten aber dazu, das wissenschaftliche Partner aus dem Ausland auf andere Raumfahrtanbieter ausweichen mussten. Doch Grund zur Eile sieht Roskosmos-Chef Rogosin nicht: „Wir sind nicht bereit, uns an irgendeinem Wettlauf zum Mond zu beteiligen.“

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