Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Zahl der Impfstoffe gegen Covid-19 steigt erfreulich stetig an. Ihre Wirksamkeit, angegeben in Prozent, variiert jedoch und lässt die Impfwilligen rätseln, ob es einen Unterschied macht, für welches Vakzin ein Stempel im Pass gemacht wird. Foto: Friso Gentsch/dpa
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Update Mal mehr, mal weniger hochprozentig Die eine wichtige Gemeinsamkeit der verschiedenen Corona-Impfstoffe

Für fünf Covid-19-Vakzine liegen unterschiedliche Wirksamkeitsdaten vor. Aber: Sie sind allesamt besser, als Forscher zu hoffen gewagt hatten.

Der erste Impfstoff zum Schutz vor einer Sars-CoV-2-bedingten Covid-19-Erkrankung – der von Biontech und Pfizer – ist 95 Prozent wirksam. 94 Prozent sind es bei Modernas Vakzin, bei Astrazeneca sind es mal 90, mal 70 Prozent, je nach Impfschema, Johnson+Johnson verkündete vergangene Woche eine bis zu 72-prozentige Schutzwirkung und Novavax sogar eine 89-prozentige.

Das sind die Ergebnisse der Studien, in denen jeweils zwischen 5800 bis 22.000 Menschen die Mittel verabreicht bekamen. Doch was bedeuten diese Zahlen? Gibt es „bessere“ und „schlechtere“ Impfstoffe? Muss sich ärgern, wer „nur“ den Astrazeneca-Impfstoff bekommt, sollte man besser zwei Mal das 95-Prozentige von Biontech spritzen lassen statt einmal Johnson+Johnsons Geringerprozentiges?

100 Prozent Schutz vor Covid-19-Tod

Die Antwort ist ein klares Nein. Denn alle genannten Impfstoffe wirken erstaunlich gut – weit besser, als Forscher es zu Beginn der Pandemie überhaupt zu hoffen gewagt hatten. Zudem: Alle bisher zugelassenen und oben genannten Impfstoffe schützen zuverlässig vor einem Covid-19-bedingten Tod - und zwar zu 100 Prozent: Unter den Geimpften traten eine gewisse Zeit nach der zweiten Impfung keine Todesfälle auf, wohl aber bei den Ungeimpften. Damit ist das wesentlichste Ziel der Covid-19-Impfstoffe erreicht.

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Aber natürlich gibt es Unterschiede. Die oben genannten verwirrenden Prozentzahlen beziehen sich auf die Fähigkeit der Impfstoffe, auch „milde“ Covid-19-Verläufe verhindern zu können. Dabei bedeuten etwa die 72 Prozent des Johnson+Johnson-Impfstoffs nicht, dass die Geimpften nur teilweise geschützt wären.

Die Angabe der Wirksamkeit in Prozent ergibt sich aus den Studiendaten: In den Studien wird gezählt, wieviele Covid-19-Erkrankungen auftauchen, sowohl in der Gruppe der Geimpften als auch in der Gruppe der Ungeimpften. Beim 95-prozentig wirksamen Biontech-Impfstoff waren es 162 Fälle in der Gruppe, die nur Placebo bekommen hatten und acht Fälle in der Gruppe der Geimpften. Die Wirksamkeit wird nun so berechnet, dass die Zahl der Fälle aus der Impfgruppe durch die Zahl der Fälle in der Kontrollgruppe (gleich groß) dividiert wird. Dieser Wert (0,049, gerundet 0,05) wird von 1 abgezogen, was 0,95 ergibt: in Prozent ausgedrückt: 95 Prozent. Wichtig zu berücksichtigen ist dabei, dass der Impfstoff nicht 95 von 100 Menschen vor Covid-19 schützt, also das absolute Risiko einer Covid-19-Imfpung reduziert. Die Impfung senkt das "nur" das relative Risiko der Geimpften um 95 Prozent, an Covid-19 zu erkranken. Das heißt, würden (angenommen!) von 1000 Menschen ohne Impfung 100 Covid-19 entwickeln, dann könnte die Impfung 95 davor bewahren.*

[*Diese Passage war zuvor missverständlich und so verkürzt dargestellt, dass wir sie hier nun geändert haben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.]

Eine Entlastung für die Kliniken

Sollten sich diese Studienergebnisse auch in der Realität bestätigen, dürfte das die Kliniken, insbesondere die Intensivstationen, alsbald erheblich entlasten. In Israel, wo im internationalen Vergleich der größte Bevölkerungsanteil geimpft wurde, wirkt sich das bereits in erkennbar geringeren Erkrankungsraten aus.

Unter den Über-Sechzigjährigen etwa ist zwei Wochen nach Impfung ein Rückgang von Infektionen in 35 Prozent der Fälle zu beobachten, 30 Prozent weniger Klinikeinweisungen, 20 Prozent weniger „kritisch Erkrankte“ als bei Ungeimpften der gleichen Altersgruppe, so Egan Segal vom Weizmann Institut in Rehovot.

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Zwar infizierten sich in Israel in den ersten Tagen nach der Erstimpfung vergleichbar viele Geimpfte wie Nicht-Geimpfte. Doch bereits zehn Tage später gebe es einen deutlichen Abfall an Neuinfektionen unter den Geimpften und zehn Tage nach der zweiten Dosis fast keine Fälle mehr, sagte Shlomo Vinker, Leiter der Medizinischen Abteilung des israelischen Gesundheitsdienstes Leumit der Tageszeitung Haaretz. Das Vakzin, in diesem Fall der Biontech/Pfizer-Impfstoff, sei also nicht nur in Studien sondern auch in der „realen Welt“ wirksam und schütze sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft.

Schutz vor Erkrankung, aber auch vor Infektion?

Inwieweit die Vakzine vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen und die Ansteckungsgefahr senken, die von asymptomatisch Infizierten ausgeht, das ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Dabei ist das durchaus eine zentrale Frage. Es wäre nämlich durchaus möglich, dass all die Personen, die durch den Impfstoff geschützt sind, nach wie vor infizierbar sind, keine oder kaum von Schnupfen zu unterscheidende Symptome entwickeln – und in ein Gefühl von Sicherheit unwissentlich andere Menschen anstecken, die womöglich (noch) nicht geimpft sind.

[Welche Virusmutanten kursieren, welche Mutationen machen sie mehr oder weniger gefährlich? Wirken die Impfstoffe noch gegen sie? Unser FAQ zu den Sars-CoV-2-Varianten beantwortet wichtige Fragen.] 

Immerhin, für den Impfstoff von Astrazeneca gibt es jetzt Daten zu dessen Fähigkeit, auch Infektionen zu verhindern. Demnach reduzierte die Impfung die Häufigkeit positiver PCR-Tests bei den Erstgeimpften um 67 Prozent, schreiben Forschende der Universität Oxford und Astrazenecas in einer noch ungeprüften Veröffentlichung auf der Website des Fachmagazins „Lancet“.

Die an der Studie nicht beteiligte Biostatistikerin Natalie Dean von der Universität von Florida weist per Tweet allerdings darauf hin, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen asymptomatische Infektionen mit Sars-CoV-2 nur zwei Prozent beträgt. Das heißt: Die Zahl der asymptomatischen Fälle in der Gruppe der Geimpften blieb etwa genauso so groß wie bei den Ungeimpften.

Doch das sei immer noch „recht positiv“ zu werten. Denn das „Worst-Case“-Szenario wäre, dass der Impfstoff schwere und milde Covid-19-Fälle nicht wirklich verhindert, sondert nur in asymptomatische Fälle verwandelt, also ein Heer von potentiellen Virusverteilern schafft.

Doch das sei nicht der Fall, vielmehr gehe die Gesamtzahl aller Infizierten (auch der Erkrankten) um 54 Prozent zurück. Das bedeutet, der Impfstoff kann nicht jegliche Infektion verhindern, aber gut die Hälfte – „ein im Großen und Ganzen positives Bild“, so Dean.

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