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Mit Maske kann man sogar telefonieren - und regieren: Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, am 9. Juni im Bundeskanzleramt. Foto: dpa
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Lockerungen auch über Mund und Nase? Maskenkür statt Maskenpflicht

Es gibt gute Gründe, weiterhin FFP-2 zu tragen. Doch es gibt - bei niedrigen Inzidenzen - auch Argumente gegen einen universellen Keimschutz. Ein Kommentar.

Wir haben den erkältungs- und infuenzaärmsten Winter seit Menschengedenken hinter uns. Abstand, Hygiene, Lüften, Lockdown, Homeoffice sind Faktoren, die dazu beigetragen haben.

Maskentragen hatte sicher ebenfalls einen wichtigen Anteil – auch an der Vermeidung von Sars-CoV-2-Übertragungen.

Masken können Infektionen verhindern. Sie schützen andere – und auch Trägerin und Träger selbst. Das war, auch wenn viele es damals anders sahen und teilweise noch heute anderes sehen, schon vor Corona belegt.

Es ist plausibel, dass, wenn wir weiter konsequent Masken trügen, dies die Inzidenzen weiter drücken und auch unten halten könnte. Auch Lockerheit beim Maskenthema hat wohl dazu beigetragen, dass und in welchem Ausmaß im vergangenen Herbst die zweite Welle kam. Es scheint also viel dafür zu sprechen, Maskenpflichten auch bei niedriger Inzidenz aufrecht zu erhalten.

Keime: Feinde und Freunde

Doch es spricht auch einiges dagegen. Dass man eine weitgehende Maskenpflicht als Eingriff in die Grundrechte sehen kann, für den es entsprechender schwerwiegender Gründe bedarf, ist nur einer davon.
Ein anderer ist vielleicht überraschend. Er lautet: Gar keine Keime sind auch keine Lösung. Das Immunsystem braucht regelmäßig Herausforderungen, um nicht gleichsam in wohlbehüteten Schlaf zu fallen. Gerade für Kinder scheint es sehr wichtig zu sein, dass sie immer wieder unterschiedlichen Mikroorganismen ausgesetzt sind. Die körpereigene Abwehr lernt so offenbar – fürs Leben –, richtig und ausgewogen zu reagieren.

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Sie lernt auch, nicht zu überreagieren. Gibt es zu wenige solcher Herausforderungen, besteht die Gefahr, dass es genau das tut und harmlose Eindringlinge wie etwa Pollen mit einer massiven Reaktion bekämpft. Oder gar Zellen des eigenen Körpers. Immunologen nennen es die „Hygiene-Hypothese“. Die wirklich gefährlichen Keime, etwa Sars-CoV-2, sollte man wenn es irgend geht meiden. Aber zu viel Keimvermeidung insgesamt ist ungesund.

Mehr eigene Kontrolle als vor einem Jahr

Natürlich leben wir auch jetzt nicht steril, tragen zum Beispiel zuhause keine Masken. Aber wir setzen uns Keimen sicher deutlich weniger aus als vor Covid. Und schon da führten wir ein teilweise übersauberes Leben. Jenseits der Masken wäre es deshalb sicher zunächst sinnvoll, die allgegenwärtige Desinfiziererei massiv zu reduzieren. Sie hilft gegen Corona ohnehin nur wenig.
Für problematische Orte, etwa enge Aufzüge, schlecht zu belüftende Räume mit vielen Personen und dergleichen sollte weiterhin Maskenpflicht gelten. Bei niedriger Inzidenz und an weniger infektionssensiblen Orten spricht aber insgesamt auch noch etwas anderes für Lockerungen über Mund und Nase: Wer will, kann sich mit verfügbaren, zertifizierten FFP-2-Masken recht effektiv selbst schützen. Hier liegt, neben der zunehmenden Durchimpfung, ein wichtiger Unterschied zur Zeit vor einem Jahr.

Ob eine drohende vierte Welle im Herbst wieder zu mehr Zwang zwingen wird, kann heute niemand sagen. Doch die Daten, die zeigen, dass das Infektionsgeschehen möglicherweise schon vor der Bundesnotbremse deutlich gebremst war, legen eines nahe: Bewusstes, freiwilliges Handeln vieler kann eine entscheidende Rolle spielen.

Die Maske, der neue Begleiter

Nichts spricht also gegen die Maskenkür: den umsichtigen, rücksichtsvollen, verantwortlichen, situationsabhängigen – und nun gut eingeübten – Einsatz des Gesichtstextils.

Die Maske, sie wird, hoffentlich, Teil unseres Alltags bleiben, selbst wenn Corona irgendwann wirklich im Griff oder gar abgehakt sein sollte. Ein sinnvolles, billiges, nicht gerade sperriges Utensil, mit dem wir uns vor Krankheiten schützen können. Gegen Sonnenbrand auf der Nase hilft sie derzeit übrigens auch.

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