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Durch ein Rechenspiel hindurch sind Grundschülerinnen an ihren Tischen im Klassenzimmer zu sehen. Foto: Daniel Reinhardt/picture alliance/dpa
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Lernstandsuntersuchung in Hamburg Große Lernlücken im zweiten Corona-Lockdown

Folge von Schulschließungen: Im Lesen und in Mathematik verschlechterten sich Leistungen der Drittklässler in Hamburg. In Rechtschreibung aber holten sie auf.

Drittklässler in Hamburg sind in der zweiten coronabedingten Phase der Schulschließungen im Lesen und Mathematik deutlich zurückgefallen. Die Gruppe der „lernschwachen Kinder“ im Lesen wuchs im Vergleich zu Vor-Corona-Jahrgängen um 11,1 Prozent und in Mathematik um 8,7 Prozent.

Das geht nach einer Mitteilung der Schulbehörde aus der aktuellen Lernstandserhebung Kermit 3 für die dritten Grundschulklassen hervor – der bundesweit bislang einzigen dieser Art. Hamburg ist eines der wenigen Länder, die regelmäßig die Lernstände der Schülerinnen und Schüler mit landesweit einheitlichen Tests untersucht.

An Schulen in schwierigen sozialen Lagen wirken sich die Lernverluste durch die Coronakrise noch stärker aus: Im Lesen vergrößerte sich die Gruppe der Kinder mit den geringsten Kompetenzen um 13,6, in Mathematik um 11,2 Prozent. Wie groß der Anteil der Schüler insgesamt ist, die Basiskompetenzen in diesen Fächern nicht erreichen, teilt die Schulbehörde nicht mit.

Senator sieht Sorgen wegen Schulschließungen bestätigt

Im ersten Lockdown von 2020 hatte eine Hamburger Untersuchung noch geringere Lernrückstände ergeben als in der aktuellen Untersuchung unter 15.000 Schüler:innen. Damit absolvierten 85 Prozent der Drittklässler einen Test zum Leseverstehen, Hörverstehen, Rechtschreibung und Mathematik, heißt es.

Die Ergebnisse im Lesen und in Mathematik bestätigten seine „Sorgen in Bezug auf monatelange Schulschließungen“, erklärte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). „Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule.“ Rabe gehörte in der Zeit der Schulschließungen zu den Verfechtern des Offenhaltens trotz hoher Inzidenzzahlen.

Ties Rabe und Marion Bottek sitzen auf einer Bank, zwischen ihnen steht ein Luftfiltergerät, auf das beide eine Hand legen. Foto: Foto: Markus Scholz/dpa Vergrößern
Ties Rabe (SPD), Schulsenator Hamburgs, und Marion Bottek, Schulleiterin der Grundschule Richardstraße, präsentierten am 7. September 2021 das erste mobile Luftfiltergerät gegen Corona-Viren an einer Hamburger Schule. © Foto: Markus Scholz/dpa

Erfreulich sei allerdings das überraschend positive Ergebnis in Rechtschreibung, wo sich die Leistungen der Lernschwachen um sechs bis 16 Prozent verbesserten. Rabe führt dies auf seine „Rechtschreiboffensive“ zurück. Der jetzt getestete Jahrgang sei der erste, der davon profitierte.

Aufgrund der Schulschließungen in den Lockdowns hätten auch die Hamburger Lernstandsuntersuchungen, die üblicherweise in den Klassenstufen 2, 3, 5, 7, 8. und 9 stattfinden, nicht wie gewohnt durchgeführt werden können, schränkt die Schulbehörde ein.

Lernförderungs-Programm ist angelaufen

Tests zum Lernstand sollten nach den Sommerferien bundesweit bei allen Schüler:innen erfolgen, um ihnen dann individuell helfen zu können, versäumten Stoff und Kompetenzen aufzuholen. Dass dies jedoch nicht bundesweit einheitlich und damit vergleichbar erfolgt, wurde bereits vielfach kritisiert.

Insbesondere für das eine Drittel aller Hamburger Kinder und Jugendlichen, die aus sozial benachteiligten Stadtteilen kommen, werde es schwer, die Lernrückstände aufzuholen, erklärte Ties Rabe. Er spricht aber von dem "größten Lernförderungsprogramm der letzten Jahrzehnte", das Hamburg aufgelegt habe.

Eckpunkte hatte Hamburg im März als erstes Bundesland angekündigt, noch bevor sich Bund und Länder auf das mit insgesamt zwei Milliarden Euro finanzierte "Aktionsprogramm Aufholen nach Corona" geeinigt hatten.

[Lesen Sie hier, was in Berlin geplant ist: Aufholprogramm soll Berliner Kinder stärken]

Zum Hamburger Programm gehört nun neben Ferienkursen, die allen angeboten werden, dass gut 20 Prozent der Schüler:innen der vierten Klassen "nachmittags in jeder Schulwoche vier zusätzliche Förderstunden in kostenlosen Lernkursen mit besonders kleinen Lerngruppen" besuchen - insgesamt bis zu 4000 Schüler:innen.

Weitere 20.000 an weiterführenden Schulen könnten in zusätzlichen Förderkursen mit acht Jugendlichen pro Kurs nachmittags in der Schule Versäumtes in allen Fächern nachholen.

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