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Ein Forscher arbeitet an der Entwicklung des Medikaments Aducanumab. Foto: David A. White/Biogen/AP/dpa
© David A. White/Biogen/AP/dpa

Kritik an neuem Alzheimer-Mittel Umstrittenes Medikament zugelassen

Christina Horsten

US-Arzneimittelbehörde gibt grünes Licht für Wirkstoff Aducanumab. Mehrere Wissenschaftler äußerten sich allerdings skeptisch.

Trotz umstrittener Wirksamkeit hat die US-Arzneimittelbehörde FDA ein neues Alzheimer-Medikament zugelassen. Der Wirkstoff Aducanumab sei die erste neuartige Behandlungsmethode gegen die neurodegenerative Erkrankung, die seit 2003 zugelassen worden sei, teilte die FDA mit.

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Das vom US-Biotechnologiekonzern Biogen entwickelte Medikament soll Patienten mit Alzheimer im Frühstadium als monatliche Infusion gegeben werden und den Abbau der Geisteskraft stoppen. Es ist damit auch der erste in den USA zugelassene Wirkstoff, der dem Fortschritt der Krankheit und nicht nur Symptomen entgegenwirken soll.

2019 wurden zwei klinische Studien abgebrochen

Wie gut Aducanumab wirkt, ist allerdings umstritten: Ein internes Beratergremium der FDA hatte sich gegen die Zulassung ausgesprochen, mehrere Wissenschaftler sich öffentlich skeptisch geäußert. Zahlreiche Patienten-Organisationen hatten sich jedoch für die Zulassung stark gemacht. 2019 waren zwei klinische Studien zur Erprobung von Aducanumab, das unter dem Namen Aduhelm vermarktet wird, wegen fehlender Aussicht auf Erfolg abgebrochen worden. Analysen eines unabhängigen Expertengremiums hätten gezeigt, dass der getestete Antikörper nicht wie erhofft den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit bremst, hatte Biogen damals mitgeteilt.

Vorangegangene Untersuchungen hatten zunächst vielversprechende Ergebnisse geliefert – Eiweißablagerungen, die bei Alzheimer-Patienten im Gehirn zu finden sind, schienen sich zu reduzieren, die Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit schien sich zu verlangsamen. „Wir sind uns der Aufmerksamkeit rund um diese Zulassung sehr bewusst“, hieß es nun von der FDA. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen von Aducanumab größer sei als die Risiken.

Wirkstoff wird nun genau beobachtet

Der Wirkstoff werde nun weiter genau beobachtet werden, zudem müsse der Hersteller weitere Studien vornehmen. „Wenn der Wirkstoff nicht so wirkt wie vorgesehen, können wir Schritte unternehmen, um ihn wieder vom Markt zu holen.“ 

Biogen-Chef Michel Vounatsos bezeichnete die FDA-Zulassung als einen „historischen Moment“, der einen „Katalysator für eine neue Ära der Alzheimer-Forschung“ darstellen werde. Der Hersteller bemüht sich auch um eine Zulassung in der EU. Ein entsprechender Antrag wurde im Oktober 2020 bei der europäischen Arzneimittelagentur Ema gestellt.

Krankheitsverlauf und Veränderungen bei Alzheimer im Gehirn. Grafik: AFP / John SAEKI Vergrößern
Krankheitsverlauf und Veränderungen bei Alzheimer im Gehirn. © Grafik: AFP / John SAEKI

Rund 30 Millionen Menschen weltweit leiden unter Alzheimer - allein in Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, der Großteil von ihnen hat Alzheimer. 

Es gibt nur sehr wenige Behandlungsmethoden. Biogen hat noch keine Preisvorstellung für Aducanumab veröffentlicht, Beobachter erwarten aber, dass das Medikament sehr profitabel für den Hersteller sein könnte. Alzheimer-Patienten verlieren innerhalb von Jahren geistige Fähigkeiten und verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Die Erkrankung führt in der Regel zu Hilflosigkeit und schwerster Bedürftigkeit - sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht.

Es gibt weder eine Impfung noch ein Heilmittel

Bei der Erkrankung sterben Hirnzellen ab. Was genau im Gehirn passiert, ist unklar. Eiweißfragmente (Amyloid-Peptide) lagern sich dort ab. Die Zellen schaffen es nicht, diese Ablagerungen loszuwerden. Sie stören die Reizübertragung zwischen Hirnzellen und machen sie so funktionsuntüchtig. Es gibt weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel dagegen. Medikamente können die Beschwerden allenfalls hinauszögern oder etwas lindern. (dpa)

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